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17.01.2011

14:22 Uhr

Umsturz in Tunesien

Chaos und Schießereien erschüttern Tunis

Banden und Sicherheitskräfte liefern sich Schusswechsel in den Straßen: Die neue tunesische Regierung startet heute unter schwierigen Bedingungen. Wird Tunesien jetzt zur ersten arabischen Demokratie? Ein wenig Hoffnung gibt es.

Wird Tunesien zur ersten arabischen Demokratie? Die Übergangsregierung, die heute antritt, hat es in der Hand. Reuters

Wird Tunesien zur ersten arabischen Demokratie? Die Übergangsregierung, die heute antritt, hat es in der Hand.

hvg/HB TUNIS. Schüsse in der Nacht, Wasserwerfer gegen Demonstranten, Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Anhängern Zine al-Abidine Ben Alis - Tunesien kommt auch drei Tage nach dem Sturz des Präsidenten nicht zur Ruhe. Nach einer unruhigen Nacht kam es am Montag bei einer Kundgebung erneut zu Auseinandersetzungen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte in Berlin, Tunesien hätte jetzt eine echte Chance, zur Stabilität zurückzukehren. "Der Weg dahin führt über Demokratie", betonte Westerwelle.

Doch von Demokratie ist in Tunesien bislang nicht viel zu sehen: In der Nacht und bis zum frühen Montagmorgen waren in der Hauptstadt Schüsse zu hören gewesen. Anwohner berichteten, Männer hätten aus vorbeifahrenden Autos und von Motorrädern gefeuert. Auch zu Fuß seien Bewaffnete schießend durch die Straßen geeilt. Mieter durchsuchten ihre Wohnhäuser, nachdem es geheißen hatte, auf den Dächern hätten sich Scharfschützen verschanzt und feuerten auf die Passanten in den Straßen.

Am Montag zogen rund 1000 Menschen durch die wichtigste Straße in Tunis und forderten die Regierungspartei auf abzutreten: "Raus mit der RCD! Raus mit der Partei der Diktatur!" Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein, die sich in der Nähe des Innenministeriums versammelten. Mit Schüssen in die Luft versuchten sie, die Menge auseinanderzutreiben, berichtete ein Reporter.

Ob Tunesien in den chaotischen Tagen nach dem Sturz Ben Alis zu einer Demokratie wird, bleibt abzuwarten. Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi kündigte für Montag die Bildung einer neuen Regierung an. Diese werde eine neue Seite in der Geschichte Tunesiens aufschlagen, sagte Ghannouchi, der selbst seit 1999 im Amt ist. Da Ghannouchi aber als enger Weggefährte des nach Saudi-Arabien geflohenen Staatschefs BenAli gilt und weil viele bisherige Minister wohl ihre Posten behalten, wurden auch nach Ernennung des neuen Kabinetts Unruhen erwartet.

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