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25.07.2015

10:39 Uhr

Umweltschutz-Entwurf

Klimaplan mit Lücken

Beim Pariser Klimagipfel im Dezember soll ein ähnlicher Flop wie 2009 in Kopenhagen vermieden werden. Ein neuer Textentwurf dient erst einmal als Arbeitsgrundlage. Klimaschützer vermissen darin aber wichtige Punkte.

Die Schornsteine eines Blockheizkraftwerkes qualmen vor der untergehenden Sonne: Klimaschützer fordern einen rechtlich bindenden Weltklimavertag. Beim Pariser Klimagipfel im Dezember soll ein ähnlicher Flop wie 2009 in Kopenhagen vermieden werden. Ein neuer Textentwurf dient als Arbeitsgrundlage für das angestrebte Abkommen, das über 190 Staaten schließen wollen. Klimaschützer vermissen darin aber wichtige Punkte. dpa

Rauchende Schornsteine verdunkeln die Sonne

Die Schornsteine eines Blockheizkraftwerkes qualmen vor der untergehenden Sonne: Klimaschützer fordern einen rechtlich bindenden Weltklimavertag.Beim Pariser Klimagipfel im Dezember soll ein ähnlicher Flop wie 2009 in Kopenhagen vermieden werden. Ein neuer Textentwurf dient als Arbeitsgrundlage für das angestrebte Abkommen, das über 190 Staaten schließen wollen. Klimaschützer vermissen darin aber wichtige Punkte.

BonnKnapp fünf Monate vor dem Weltklimagipfel in Paris haben die UN-Verhandlungsleiter einen neuen Textentwurf für das geplante Abschlussdokument vorgelegt. Klimaschützer bewerteten das 88-seitige Papier am Samstag als technische Arbeitshilfe, die inhaltlich teils enttäusche. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach von einem „gut sortierten Bausatz, dem aber ein paar zentrale Teile fehlen“.

Der am Freitagabend veröffentlichte Entwurf bildet die Grundlage für Folgekonferenzen, die Ende August und im Oktober in Bonn stattfinden. Er enthält die Wünsche aller beteiligten Staaten in gestraffter Form, ohne einzelne Optionen im Vorhinein auszuschließen. Ziel ist es, so viele Unstimmigkeiten wie möglich vorab zu beseitigen, um in Paris trotz der enormen Verhandlungsmasse einen Beschluss fassen zu können - und einen Flop wie beim Klimagipfel 2009 in Kopenhagen zu verhindern.

Nachdem eine Bonner UN-Konferenz im Juni keine brauchbaren Ergebnisse geliefert hatte, waren die beiden Vorsitzenden, der Amerikaner Daniel Reifsnyder und der Algerier Ahmed Djoghlaf, mit der Arbeit an einem neuen Entwurf betraut worden.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Dieser gliedere nun Textpassagen neu, fasse ähnliche Vorschläge zusammen und erleichtere die Verhandlungen auf technischer Ebene, erklärte die Entwicklungsorganisation Oxfam Deutschland. „Die großen politischen Baustellen bleiben aber unangetastet“, kritisierte Klima-Experte Jan Kowalzig. So solle der Vorschlag einiger lateinamerikanischer Länder, alle fünf Jahre globale Ziele für Klimahilfen festzulegen, offenbar nicht mehr im Kernabkommen auftauchen.

Weitere Kritikpunkte nannte Martin Kaiser, Leiter Internationale Klimapolitik bei Greenpeace: Er vermisse ein klares Bekenntnis zum Ausstieg aus den fossilen Energien bis zum Jahr 2050 und die Vision für einen kompletten Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Kaiser forderte, der Verhandlungstext für Paris müsse „zu einem wasserdichten Vertragswerk werden, aus dem sich strenge Gesetze und Verordnungen ableiten lassen“.

Beim Weltklimagipfel im Dezember soll ein Abkommen für mehr als 190 Staaten erzielt werden. Die dort getroffenen Absprachen sollen die Treibhausgas-Emissionen so verringern, dass sich die Erdatmosphäre um nicht mehr als zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit im 19. Jahrhundert erwärmt. Die G7-Staaten hatten Anfang Juni bei ihrem Gipfel in Elmau das Zwei-Grad-Ziel bekräftigt.

Von

dpa

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