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16.09.2014

13:44 Uhr

UN-Ermittler

Kritik an Sicherheitsrat für Ausbreitung von IS

UN-Ermittler Paulo Sérgio Pinheiro hat den Sicherheitsrat für dessen Untätigkeit im Syrien-Konflikt kritisiert. Dem Brasilianer zufolge profitiere davon insbesondere die Terrormiliz Islamischer Staat.

Paulo Sergio Pinheiro ist der Vorsitzende der Syrien-Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats. AFP

Paulo Sergio Pinheiro ist der Vorsitzende der Syrien-Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats.

GenfDer UN-Sicherheitsrat hat durch Untätigkeit im Syrien-Konflikt nach Ansicht des UN-Ermittlers Paulo Sérgio Pinheiro zum Erstarken der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beigetragen. „Diese Untätigkeit hat es den (syrischen) Kriegsparteien erlaubt, straflos vorzugehen und die Syrien zerstörende Gewalt noch angefacht. Davon profitiert vor allem ISIS“, sagte der Vorsitzende der Syrien-Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrates unter Verwendung einer anderen Bezeichnung für den IS bei einer Sitzung des Rates am Dienstag in Genf.

Der Sicherheitsrat ist im Syrienkonflikt blockiert, weil Russland und China Maßnahmen gegen Machthaber Baschar al-Assad ablehnen.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Gräueltaten der IS und syrischer Regierungstruppen hätten Syrien in den „Wahnsinn“ gestürzt, sagte der Brasilianer. „Ich finde keine Worte mehr, um die Schwere der Verbrechen zu beschreiben, die in Syrien verübt werden“, sagte Pinheiro. So setze die IS „Kinder mit Absicht Gewalt aus“, indem sie an Hinrichtungen teilnehmen, indoktriniert und als Kindersoldaten missbraucht werden.

Vor allem Regierungstruppen gingen gewaltsam gegen Zivilisten vor. Frauen und Männer verschwänden in Regierungsgefängnissen, würden gefoltert, vergewaltigt und getötet. Pinheiro sagte, er wolle keine neuen Opferzahlen nennen. „Ich glaube nicht mehr daran, dass es sie zum Handeln treibt, wenn ich die Tausenden Toten und Verschwundenen aufzähle.“

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Die Wahrheit oder nichts

16.09.2014, 14:05 Uhr

"Der Sicherheitsrat ist im Syrienkonflikt blockiert, weil Russland und China Maßnahmen gegen Machthaber Baschar al-Assad ablehnen."

Nachdem das in der Ukraine also für die EUSA auf schief angeht, wird nun also wieder die Syrien/Assad-Karte gezogen. Nächster Versuch. Traurig nur, dass sich dieser Herr dafür hergibt....

Herr Hikmet Özdemir

16.09.2014, 15:13 Uhr

Genau diesen Fakt versucht die Türkei seit 4 Jahren der UNO, USA und dem Sicherheitsrat sowie dem Westen klar zu machen.

Leider ohne Erfolg.

So konnte sich IS in dieser Zeit, auch durch die Unterstützung Assad`s, in Syrien Regierungsgegner rekrutieren und gestärkt durch Zuflucht, die von Maliki unterdrückte Minderheiten wie Sunniten,auch in Irak Land gewinnen.

Jetz sollten die USA, Sicherheitsrat und Westen Konsequenzen ziehen, nach dem sie gemerkt haben, dass der IS auch für sie, nicht nur für benachbarte Länder, eine Gefahr darstellt.

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