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16.10.2016

15:16 Uhr

UN-Gipfel in Ecuador

Die Grenzen der Stadt

Rund 40.000 Teilnehmer diskutieren beim dritten UN-Stadtgipfel in Ecuadors über den rasanten Zuzug in die Großstädte, die Ausbreitung der Slums und Wege gegen den hohen CO2-Ausstoß. Denn der Trend verschärft sich.

Die chinesische Hauptstadt zählt zu jenen urbanen Zentren mit den größten Luftverschmutzungsproblemen. dpa

Smog in Peking

Die chinesische Hauptstadt zählt zu jenen urbanen Zentren mit den größten Luftverschmutzungsproblemen.

QuitoKurt Tucholsky hat den flüchtigen Moment in der Großstadt wunderbar beschrieben. „Wenn du zur Arbeit gehst am frühen Morgen; wenn du am Bahnhof stehst mit deinen Sorgen: da zeigt die Stadt dir asphaltglatt im Menschentrichter Millionen Gesichter: Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, die Braue, Pupillen, die Lider – Was war das? Vielleicht dein Lebensglück. Vorbei, verweht, nie wieder.“

Das Gehetzte, die Enge des Raums: das hat sich seit Tucholsky in den vergangenen fast hundert Jahren potenziert. Weltweit. Die Großstadt von heute hat oft wenig romantisches, gerade in den Entwicklungs- und Schwellenländern platzt sie aus allen Nähten. Slums überall, fehlende Wasser- und Stromversorgung. Und es stinkt, weil eine vernünftige Kanalisation und Abwasserentsorgung fehlt – das konnten jüngst viele Olympiagäste in Rio de Janeiro riechen. Der CO2-Ausstoß ist enorm, Peking das Synonym für Dauersmog. Und die Stunden im Stau reduzieren die Zeit für die Familie, sei es in Johannesburg oder Mexiko-Stadt.

Allein in China gibt es heute rund 50 Städte mit über einer Million Einwohnern, weltweit sind es bereits rund 420. Ecuadors Hauptstadt Quito mit ihren 1,6 Millionen Einwohnern kommt da fast provinziell daher. Hier, unweit des Äquators, wird von Montag bis Donnerstag beim dritten UN-Weltsiedlungsgipfel (Habitat III) eine der großen Fragen unserer Zeit diskutiert und Handlungsempfehlungen werden entworfen: Wie können Großstädte und Megacitys lebenswert bleiben? Hier liegt auch der Schlüssel, um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten.

Zehn Herausforderungen für die Stadt der Zukunft

Wohnraum

Die Stadtbevölkerung wird sich bis 2050 von fast vier auf rund 6,5 Milliarden Menschen erhöhen. Guter, billiger Wohnraum wird zur Mangelware - arme Bevölkerungsschichten müssen in Slums leben.

Immobilienspekulationen

Insgesamt leben weltweit über 850 Millionen Menschen in Elendsvierteln - arme Menschen werden aus den Zentren verdrängt, um mehr Luxuswohnungen zu schaffen: sozialer Sprengstoff.

Flucht

Die prekäre Entwicklung in Städten, Verarmung und Gewalt sowie der fehlende Zugang zu Wasser- und Stromversorgung bergen in Entwicklungsländern die Gefahr neuer großer Flüchtlingsbewegungen.

Gesundheit

Lärm, Luftverschmutzung, Smog schlagen auf die Gesundheit der Bewohner, ebenso fehlender Zugang zu sauberem Wasser und fehlende Grünflächen. Das Stadtleben kann vielerorts auf Dauer krank machen.

Klimawandel

70 Prozent der Treibhausgasemissionen fallen in Städten an. Um die Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, muss der CO2-Ausstoß im Autoverkehr und bei der Energieversorgung stark gedrosselt werden.

Energie

Die G7 haben vereinbart, dass die Welt langfristig ohne Kohle, Öl und Gas auskommen soll - der Energiehunger muss stärker mit grüner Energie gestillt werden, aber die Umstellung kostet Geld.

Gebäude

In Afrika oder Lateinamerika sind es die Klimaanlagen, die viel Strom fressen, in anderen Regionen verschlingt das Heizen viel Energie - in Gebäudesanierungen liegt viel Energieeinsparpotenzial.

Abfall und Abwasser

In Entwicklungs- und Schwellenländern wird ein Großteil des Mülls auf wilden Kippen entsorgt oder verbrannt. Abwässer werden nicht geklärt und in Flüsse, Seen oder Meere geleitet.

Nahverkehr

Mehr exklusive Schnellbuslinien gelten als Alternative zu teureren, langwierigen U-Bahn-Bauten. Die Stadt der Zukunft setzt auf mehr Nahverkehr, auf Elektro- oder Hybridantriebe - und Carsharing.

Radrevolution

Kopenhagen macht es vor, aber selbst Städte wie Rio de Janeiro haben schon 450 Kilometer an Radwegen. In der Stadt verteilte Leihstationen können den Bürgern den Rad-Umstieg schmackhaft machen.

Rund 40.000 Teilnehmer werden erwartet zu der Konferenz, die nur alle 20 Jahre stattfindet. 1976, bei der ersten Konferenz in Vancouver, lebten erst 37,9 Prozent der globalen Bevölkerung in Städten. 1996, als Habitat II in Istanbul stattfand, waren es 45,1 Prozent. 2016 sind es 54,5 Prozent - bis 2050 wird mit einem Anteil von 70 Prozent gerechnet. Der Klimawandel kann gerade in Afrika die Landflucht sogar noch weiter verstärken - und die Metropolen zum Zufluchtsort von Klimaflüchtlingen werden, die die Landwirtschaft aufgeben mussten.

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