Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.06.2015

16:04 Uhr

UN-Klimakonferenz in Bonn

Warmlaufen für den großen Klimagipfel

Im Dezember wollen sich 190 Staaten in Paris auf ein neues Klimaschutzabkommen einigen. Doch die Vorverhandlungen zum Weltklimagipfel laufen schleppend und die Zeit drängt: Es bleiben nur noch 20 Verhandlungstage.

Schauplatz der UN-Klimakonferenz in Bonn. AFP

World Conference Center

Schauplatz der UN-Klimakonferenz in Bonn.

BonnEs glitzert, strahlt und spiegelt. Schauplatz der UN-Klimakonferenz in Bonn ist das nagelneue World Conference Center – Kostenpunkt: 200 Millionen Euro. Am Sonntag soll es von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon feierlich eröffnet werden. Der aktuelle Verhandlungsstand bei der Klimakonferenz steht allerdings im deutlichen Kontrast dazu.

90 eng bedruckte Seiten umfasst der Textentwurf für den neuen Weltklimavertrag, der im Dezember in Paris beschlossen werden soll. Was steht drin? Alles und nichts. Deshalb lautet das Programm für die in Bonn versammelten Klimadiplomaten: Streichen, streichen, streichen! Denn sonst wäre der Text am Ende so nichtssagend, dass ihn die Staats- und Regierungschefs in Paris vielleicht nicht mal lesen würden. So war es jedenfalls 2009 beim Klimagipfel in Kopenhagen.

„So etwas wie in Kopenhagen - dass die Staatschefs anreisen und noch nichts in trockenen Tüchern ist - das soll unter allen Umständen vermieden werden“, sagt die WWF-Klimachefin Regine Günther. Bonn soll dafür sorgen, dass Paris kein zweites Kopenhagen wird. Zusammen mit zwei jeweils fünftägigen Folgekonferenzen Ende August sowie im Oktober, beide ebenfalls in Bonn.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

„Das beste Abkommen wird das sein, das vor Paris schon steht“, hat Frankreichs Präsident François Hollande gesagt. Die französische Klimabeauftragte Laurence Tubiana kündigt zur Sicherheit schon mal an: Wenn's nicht klappt mit dem Streichen, dann wird Frankreich seinen eigenen Vertragstext schreiben.

Martin Kaiser, Leiter Klimapolitik von Greenpeace, mahnt zur Eile: „Bis zur Klimakonferenz in Paris gibt es insgesamt nur noch 20 Verhandlungstage. Entsprechend wird es jetzt in den zehn Tagen in Bonn zur Sache gehen. Wir rechnen jetzt noch nicht mit einem Durchbruch. Den erwarten wir eher für die dritte Bonner Konferenz im Oktober, wenn die Ministerinnen und Minister dazukommen.“

In Paris soll ein verbindliches Abkommen für mehr als 190 Staaten erzielt werden. Die dort getroffenen Absprachen sollen die Treibhausgas-Emissionen so verringern, dass sich die Erdatmosphäre um nicht mehr als zwei Grad erwärmt. Doch Klimaforscher Lutz Wicke vom Institut für Umweltmanagement an der Wirtschaftshochschule ESCP Europe warnt: „Das Zwei-Grad-Ziel ist mit diesem Vertrag als Dauerlösung definitiv nicht zu verwirklichen. Die Erde wird sich bei der derzeitigen Klimapolitik bis zum Jahr 2100 um mindestens vier Grad erwärmen, wahrscheinlich sogar um fünf oder sechs. Das sind Prognosen der Weltbank und des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung.“

Für diesen Fall sagen Klimaforscher Mega-Fluten und Horror-Stürme ungekannten Ausmaßes voraus. „Insbesondere Spanien könnte stark austrocknen, aber auch Nord- und Osteuropa“, prophezeit Jan Kowalzig von Oxfam. „Hitzewellen, auch in Deutschland, werden an Häufigkeit und Intensität zunehmen.“

Nicht nur Wicke fordert darum: „Von Deutschland muss der entscheidende Impuls ausgehen, um den zwar wichtigen, aber im Endeffekt weitgehend wirkungslosen Klimavertrag von Paris spätestens Mitte des kommenden Jahrzehntes durch ein tatsächlich wirksames Abkommen abzulösen.“ Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) baut schon mal vor: Es gehe in Paris nicht um einen „großen Wurf, der alle Probleme ein für alle Mal löst“, warnte sie am Montag. Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Holger Narrog

01.06.2015, 17:24 Uhr

Die Vorhersagen der "Klimaforscher" "Für diesen Fall sagen Klimaforscher Mega-Fluten und Horror-Stürme ungekannten Ausmaßes voraus. „Insbesondere Spanien könnte stark austrocknen, aber auch Nord- und Osteuropa“, prophezeit Jan Kowalzig von Oxfam. „Hitzewellen, auch in Deutschland, werden an Häufigkeit und Intensität zunehmen.“ Gem. anderer "Klimaforscher" soll es dann in GB keine Fish&Chips mehr geben und mehr Prost..tution, Vulkane, Erdbeben....

Das Lesen dieser ökorleligiösen Horrorgeschichten die sehr den Höllengeschichten des Mittelalters, oder den Sagen diverser Natureligionen ähneln könnte man eigentlich mit einem Lächeln quittieren wenn manche Politiker in Europa diesen Unsinn nicht dazu nutzen würden ihre Macht auszuweiten.

Die "Klimawissenschaftler" haben damit sicherlich die Grenzen der Wissenschaft verlassen.

Herr Franz Paul

01.06.2015, 17:31 Uhr

Ach so, noch ein "Klimagipfel". Was kostet der? Welche Umweltschäden werden damit verursacht?
Was bringt er? Wie ist das nochmal mit der globalen Erwärmung? Die heisst jetzt Klimawandel, oder?
Wieso? Wird es nicht mehr wärmer? Oder sogar kälter? DA MUSS MAN DOCH WAS DAGEGEN TUN!!!!
Wärmer? Oder doch Kälter? Wir wissen NICHTS! Aber wir müssen was dagegen tun. Machen wir halt einen Gipfel. Da gibts wenigstens gratis Fressen und Saufen für die geladenen Gäste, und ein paar Hostessen werden sich doch auch auftreiben lassen. Und die Jets müssen auch ab und zu bewegt werden. Sonst gibts doch keine Klimaerwärmung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×