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11.11.2013

16:01 Uhr

UN-Klimakonferenz

„Stoppt diesen Wahnsinn“

Die schwere Zerstörung durch den Taifun auf den Philippinen überschattet die UN-Klimakonferenz in Warschau. Besonders aus den Entwicklungsländern werden die Forderungen zu mehr Klima-Gerechtigkeit immer lauter.

Vorbereitung

UN-Klimakonferenz beginnt in Warschau

Vorbereitung: UN-Klimakonferenz beginnt in Warschau

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WarschauÜberschattet von der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen hat in der polnischen Hauptstadt Warschau die 19. UN-Klimakonferenz begonnen. Vor allem Vertreter der Entwicklungsländer drängten bei der Eröffnung am Montag auf mehr Klima-Gerechtigkeit und finanzielle Hilfen, um mit den Auswirkungen von Klimaveränderungen fertig zu werden. „Stoppt diesen Wahnsinn“, forderte der philippinische Delegierte Yeb Saño in einer emotionalen Rede. Seine Kollegin Alicia Ilaga mahnte ebenfalls die Solidarität der internationalen Gemeinschaft an: „Ich flehe für mein Land, ich flehe für mein Volk.“

In den kommenden zwei Wochen beraten Experten aus 194 Ländern über die Vorbereitungen auf den Klimavertrag, der 2015 in Paris unterzeichnet werden soll. „Wir alle spüren die Auswirkungen des Klimawandels“, sagte der polnische Umweltminister und Konferenzpräsident Marcin Korolec mit Blick auf den Taifun „Haiyan“. Die Unwetterkatastrophe sei Beweis dafür, dass im „ungleichen Kampf zwischen Mensch und Natur“ eine Niederlage drohe.

Christiana Figueres, die Generalsekretärin des Sekretariats der UN-Klimakonvention, warnte eindringlich vor den Auswirkungen des Klimawandels auf künftige Generationen. Gleichzeitig zeigte sie sich überzeugt: „Eine weltweite Klimavereinbarung ist in Reichweite.“ Die Gelegenheit, in Warschau zu konkreten Vereinbarungen zu kommen, müsse genutzt werden, betonte sie vor den Delegierten im Warschauer Nationalstadion, der Spielstätte der Fußball-Europameisterschaft. „Was in diesem Stadion geschieht, ist kein Spiel zwischen zwei Mannschaften - wir werden alle gewinnen oder alle verlieren.“

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Die Schaffung von Mechanismen zur Bewältigung des Klimawandels müsse eine der Prioritäten der zweiwöchigen Konferenz sein, sagte Figueres. Darüber hinaus gehe es darum, Klarheit für den in zwei Jahren zu unterzeichnenden Klimavertrag zu schaffen.

Im jüngsten Weltklimareport wird als „wahrscheinlich“ angenommen, dass Windgeschwindigkeit und Regenmenge tropischer Wirbelstürme in diesem Jahrhundert zunehmen werden. Ihre Anzahl werde aber eher gleichbleiben oder sogar sinken, schreibt der Weltklimarat IPCC in dem Ende September vorgestellten Bericht.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Steinweg

11.11.2013, 16:38 Uhr

Klima-Gerechtigkeit besteht dann, wenn P und T und die Luftfeuchte an allen Orten der Weltkugel identisch sind.

Unsinn_stoppen

11.11.2013, 17:47 Uhr

Ja, man ist vorsichtiger geworden in den zuständigen Betroffenheitsgremien mit den Prognosen, man sagt nun voraus dass die Windgeschwindigkeit der Wirbelstürme ansteigt aber nicht mehr deren Anzahl, soso..
Man spricht mittlerweile auch nur noch vom Klimawandel, nicht mehr von Klimaerwärmung, denn der vorausgesagte Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur ist, zumindest was die letzten 15 Jahre betrifft, nicht nachweisbar. Das ist es auch, was der letzte Weltklimabericht des IPCC wortgewaltig zu erklären versucht.
Nur, einen Wandel gab es immer schon! Bekannt ist bespielsweise, dass es im Mittelalter eine Periode mit deutlich höherer Durchschnittstemperatur gab (und das (fast) ganz ohne anthropogenen CO2-Ausstoss). Ja, what nu?!

Ich finde es wird Zeit für eine komplette Neubewertung des Themas. Nach dem Climate-Gate-Skandal 2009 (Wissenschaftler, welche das IPCC beraten, hatten vorsätzlich Daten frisiert um einen Temperaturanstieg zu erhalten), eigentlich überfällig.
Doch auch das wird nicht möglich sein ohne einen personellen Neuanfang beim IPCC. Denn die derzeit amtierenden Herrschaften nutzen jeden Tropensturm um uns ihre einmal vorgefasste Meinung als Gesetzmäßigkeit zu verkaufen. Wie lange noch?

vandale

11.11.2013, 19:20 Uhr

In Polen beabsichtigen zig-1000 Kohlebergleute eine Demonstration gegen den Wahnsinn des Oekoschwindels Klimawandel zu veranstalten. Ich hoffe, man wird dies auch in Deutschen Zeitungen lesen.

Stürme enstehen wenn es Temperatur- und Druckdifferenzen gibt. Gem. des IPCC sollen sich die hohen Breitengrade mehr erwärmen als die Tropen. Insofern sollte die Zahl der Stürme und Unwetter abnehmen.

Allerdings vermute ich, dass man jedes Wetterphänomen im Sinne des Klimawandels zu instrumentalisieren sucht.

Vandale

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