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13.06.2013

17:40 Uhr

UN-Schätzungen

Mehr als 100.000 Kriegstote in Syrien

Die Zahl der Todesfälle steigt weiter. Die Vereinten Nationen sprechen von mindestens 93.000 Toten, doch die Dunkelziffer liegt beträchtlich höher. Fast 38.000 Tote werden wegen unvollständiger Angaben nicht mitgezählt.

Die Opferzahlen der UN beinhalten rund 38.000 Tote nicht, da Angaben zu Todeszeitpunkt oder -ort fehlen. ap

Die Opferzahlen der UN beinhalten rund 38.000 Tote nicht, da Angaben zu Todeszeitpunkt oder -ort fehlen.

GenfDie Zahl der Bürgerkriegstoten in Syrien ist nach gesicherten Erkenntnissen der Vereinten Nationen (UN) bis Ende April auf mindestens 93.000 gestiegen, liegt aber möglicherweise weit über 100.000. So wurden in den jüngsten Bericht Informationen über den Tod von fast 38.000 Menschen nicht aufgenommen, weil nach Angaben der UN Daten wie Namen, Sterbeort und -datum nicht vollständig waren. „Die wirkliche Zahl der Toten ist potenziell viel höher“, sagte die Menschenrechtsbeauftragte Navi Pillay am Mittwoch in Genf. Besonders besorgt zeigte sie sich über die Lage in der größten syrischen Stadt Aleppo, die nach dem Fall von Kurssai von Regierungstruppen und ihren Verbündeten angegriffen wird.

Ohnehin seien in Aleppo und im Umkreis der Hauptstadt Damaskus die Opferzahlen besonders hoch, erklärten die UN in ihrem jüngsten Bericht. Sie befürchte in der Millionenmetropole Aleppo vergleichsweise eben soviele Opfer wie in der jüngst von Staatschef Baschar al-Assad zurückeroberten Stadt Kurssai an der Grenze zu Libanon. „Ich bin in Sorge, dass sich die Ereignisse von Kurssai in Aleppo wiederholen“, sagte Pillay Reuters TV. Das könnte die geplanten Friedensverhandlungen gefährden.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

15. März 2011:

Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

18. März:

Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

23. Juni:

Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

31. Juli:

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

3. August:

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

2. Oktober:

Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

22. Dezember:

Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

23. Dezember:

In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

4. Februar 2012:

Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

13. Februar:

Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

25. Februar:

In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

25. Mai:

Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

13. Juli:

Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

18. Juli:

Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

2. August:

UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

16. August:

Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

24. Oktober:

Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

11. November:

Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

6. Januar 2013:

Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

28. Januar:

Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

21. Februar:

In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

28. Februar:

Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

3. März:

Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

5. März:

Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

9. März:

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

Auf dem Internationalen Flughafen von Damaskus schlugen mehrere Raketen ein. Das staatliche Fernsehen meldete, mehrere Geschosse seien nahe einer Startbahn detoniert. Einige Flüge seien aus Sicherheitsgründen verschoben worden. Eine Person wurde dem Bericht zufolge verletzt, als ein Geschoss ein Lagergebäude traf.

Seit Juli 2012 sind dem Report zufolge im Monatsdurchschnitt mehr als 5000 Menschen zu Tode gekommen. Die extrem hohen monatlichen Totenzahlen seien Ausdruck der drastischen Verschärfung des Bürgerkriegs, erklärte Pillay. Es gebe gut belegte Fälle von Folter und Tötung von Kindern sowie von Massakern an ganzen Familien einschließlich Babys. „Das ist eine schreckliche Erinnerung, wie teuflisch dieser Konflikt geworden ist“, sagte Pillay die Menschenrechtsbeauftragte.

Kommentare (8)

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Danziger45

13.06.2013, 18:29 Uhr

Stimmt es, dass alle BRICS -Staaten auf der Seite vom bösen Assad sind ?

HITCHER

13.06.2013, 19:01 Uhr

diese Schätzungen sind immer eher an der Obergrenze des möglichen angesiedelt. Siehe inszenierten Libyen-Bürgerkrieg. Dort wurden ebenfalls derartige Zahlen genannt, aber nun, nach dem Krieg, wird bei den Toten von offizieller Seite kräftig zurück gerudert, es sollen viel weniger gewesen sein!
Das stimmt aber sicher nicht, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, und die NATO und USA, welche fleißig überall bombardiert haben, sind sicherlich selbst für einen großen Teil der Todesopfer verantwortlich.

JosephBreitenbach

13.06.2013, 20:50 Uhr

Mal eine einfache Rechenaufgabe: Jährlich sterben knapp über 1% einer Bevölkerung an natürlichen Ursachen. Das macht bei einer Gesamtbevölkerung von rund 22 Millionen (wie in Syrien) etwas über 220000. Der Krieg, der von Westblockstaaten auch noch angeheizt wird, dauert nun schon rund 2 Jahre. In diesem Zeitraum sind also über 440000 Syrier an natürlichen Ursachen gestorben. das ist ein Mehrfaches der Kriegstoten!

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