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13.02.2017

12:37 Uhr

UN-Sicherheitsrat

Krisensitzung nach Raketentest

Der Raketentest von Nordkorea hat am Sonntag international Empörung und Sorge hervorgerufen. Das höchste UN-Gremium kommt zu Beratungen zusammen. China verurteilt den Test, teilt aber auch gegen die USA und Südkorea aus.

USA drohen Nordkorea

„Jeder Einsatz von Atomwaffen wird eine überwältigende Antwort zur Folge haben“

USA drohen Nordkorea: „Jeder Einsatz von Atomwaffen wird eine überwältigende Antwort zur Folge haben“

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SeoulNach dem jüngsten Raketentest Nordkoreas haben mehrere Länder eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt. Das Treffen werde am (heutigen) Montag stattfinden, bestätigte die UN-Vertretung der Ukraine, die derzeit turnusmäßig den Vorsitz dieses höchsten UN-Gremiums innehat, am Sonntagabend (Ortszeit). Beantragt hatten die Sitzung die USA, Japan und Südkorea. China sagte in einem ersten Kommentar, die Spannungen mit den USA und Südkorea motivierten Nordkorea zur Entwicklung von Atomwaffen.

Allerdings kritisierte auch Peking den Test, mit dem Nordkorea erneut gegen Auflagen des UN-Sicherheitsrates verstieß, wie der Sprecher des Außenministeriums, Geng Shuang, am Montag erklärte. US-Präsident Donald Trump hat China dafür kritisiert, nicht genug Druck auf Nordkorea auszuüben, das Atomwaffenprogramm aufzugeben. Geng forderte alle Seiten auf, von provokanten Aktionen abzusehen. China werde dabei versuchen, auf eine konstruktive und verantwortungsvolle Art mitzuwirken.

Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm (1998 bis 2015)

Nordkoreas fünfter Atomtest

Nordkorea hat am Freitag seinen fünften Atomtest gemeldet. Der neue Nukleartest zeigt die Entschlossenheit der Führung in Pjöngjang, das international geächtete und von der UN verbotene Atomprogramm weiter zu verfolgen. Das ultimative Ziel: kleine und leichte Atomwaffen herzustellen, die auf Raketen passen, die das Festland des großen Feindes USA erreichen könnten. Das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm seit 1998 im Überblick. (Quelle: AP)

31. August 1998

Nordkorea startet eine mehrstufige Rakete über Japan, die im Pazifik niedergeht. Internationale Experten schätzen die Reichweite auf etwa 2500 Kilometer – die Entfernung zwischen Nordkorea und den USA beträgt gut 10.000 Kilometer.

Juli bis Oktober 2006

5. Juli: Nordkorea feuert eine dreistufige Rakete mit einer potenziellen Reichweite von 6700 Kilometer ab. Doch diese versagt nach dem Start, wie Regierungsbeamte aus den USA und Südkorea berichten. Nordkorea hat diesen Test niemals bestätigt.
9. Oktober: Nordkorea sieht „extreme“ Bedrohungen durch einen Nuklearangriff der USA und unternimmt daraufhin seinen ersten Atomwaffentest.
15. Oktober 2006: Der UN-Sicherheitsrat verurteilt diesen Test in einer Resolution. Zugleich verhängt er Sanktionen über Nordkorea und verbietet dem Land Aktivitäten, die mit seinem Nuklearwaffenprogramm in Verbindung stehen.

Februar bis Juli 2007

13. Februar: Nordkorea stimmt zu, seine größten Nukleareinrichtungen zu deaktivieren. Im Gegenzug kann das wirtschaftlich angeschlagene Land mit Energielieferungen und anderen Vergünstigungen rechnen.
14. Juli: Nordkorea fährt seinen Kernreaktor Nyongbyon herunter und baut ihn später ab.

11. Oktober 2008

Die USA nehmen Nordkorea von der Liste der Terror-Unterstützerstaaten. Zuvor stimmt Pjöngjang zu, die Demontage seiner Plutoniumanlage wieder aufzunehmen und US-Inspektoren Zutritt zu gewähren.

Februar bis Juni 2009

15. Februar: Nordkorea erklärt, das Recht zur Entwicklung eines Weltraumprogramms zu haben.
5. April: Nordkorea schickt eine Langstreckenrakete mit einem Satelliten ins All. Pjöngjang spricht von einem Erfolg, doch das US-Luft- und Wertraumverteidigungskommando (NORAD) sagt, der Satellit habe den Orbit nicht erreicht.
14. April: Nordkorea verlässt die Abrüstungsgespräche, an denen sechs Länder beteiligt sind und kündigt an, seine Nuklearanlagen wieder hochzufahren. Das Land reagiert damit auf die internationalen Proteste gegen seinen Raketenstart.
25. Mai: Nordkorea unternimmt seinen zweiten Atomwaffentest.
13. Juni: Nordkorea sagt, es werde zusätzlich zu seinem Plutonium-Programm mit der Anreicherung von Uran beginnen.

11. Mai 2010

Nordkorea erklärt, erfolgreich eine Kernschmelze herbeigeführt zu haben. Das führt zu Spekulationen, das Land könne an einer größeren Waffe bauen. Internationale Experten bezweifeln aber die Behauptungen aus Pjöngjang.

Februar bis Dezember 2012

29. Februar: Nordkorea kündigt ein Moratorium für Nuklear- und Raketentests an. Hintergrund ist ein Pakt mit den USA über Lebensmittelhilfe.
13. April: Nordkorea startet eine Langstreckenrakete, die allerdings kurz nach dem Start versagt. Die USA kündigen daraufhin an, dass ein geplanter Lebensmitteldeal nicht stattfinden werde.
12. Dezember: Nordkorea schickt eine Langstreckenrakete mit einem Satelliten ins All. Das US-Kommando NORAD sagt, es scheine, dass diesmal ein Objekt den Orbit erreicht habe.

13. Februar 2013

Nordkorea unternimmt seinen dritten Atomtest.

Die Regierung in Seoul bezeichnete den Test als „ernsthafte“ militärische Bedrohung und sagte weitere solcher Unternehmungen des isolierten, kommunistischen Landes voraus. Nordkorea habe keine Absichten, von seinem Ziel abzurücken, eine Atommacht zu werden, sagte Jeong Joon Hee vom südkoreanischen Wiedervereinigungsministerium am Montag vor Reportern.

Eine kommunistische Zeitung in China unterstrich in einem Artikel die Worte Gengs. Sie schrieb, es sei nutzlos, dass Washington weiter auf einer Zerschlagung des Atomprogramms Nordkoreas bestehe. Pjöngjang sei besorgt und verärgert über die militärische Gefahr, der das Land ausgesetzt sei, schrieb die Zeitung „The Global Times“. Diese Gefahr sei „sehr real“. Peking um mehr Einflussnahme und Druck auf Nordkoreas Führung zu bitten, packe das Problem nicht bei der Wurzel, hieß es in dem Artikel weiter. Nordkorea leide bereits unter „harschen UN-Sanktionen“.

Zuvor hatte die Regierung in Pjöngjang bestätigt, am Sonntagmorgen einen Test mit einer Interkontinentalrakete unternommen zu haben. Den Staatsmedien zufolge beobachtete Machthaber Kim Jong Un höchstpersönlich vor Ort den Versuch. Er habe auch die Anweisung gegeben, die „Pukguksong-2“ zu starten. Anschließend lobte Kim den Angaben zufolge die Fortschritte, die das Land in seiner militärischen Schlagkraft gemacht habe.

Welche Sanktionen der UN-Sicherheitsrat gegen Nordkorea verhängte

Erster Atomtest

Oktober 2006: Der Sicherheitsrat verhängt ein Handelsembargo für alle Waren, die mit dem nordkoreanischen Raketen- und Nuklearprogramm zu tun haben könnten. Auch schwere konventionelle Waffen und Luxusgüter dürfen nicht mehr ein- und ausgeführt werden.

Zweiter Atomtest

Mai 2009: Der Rat verschärft seine Sanktionen: Unter anderem soll Fracht nach Nordkorea stärker auf verbotene Waffenlieferungen kontrolliert werden. Zudem soll Pjöngjang keine Investitionsmittel oder Darlehen mehr von der internationalen Gemeinschaft erhalten - es sei denn, sie kämen der Bevölkerung in Form von humanitärer oder Entwicklungshilfe zugute.

Raketenstart

Dezember 2012: Mehrere ranghohe Mitarbeiter der an dem Start beteiligten Unternehmen dürfen nicht mehr ins Ausland reisen. Ihre Auslandskonten und die ihrer Unternehmen werden eingefroren.

Dritter Atomtest

Februar 2013: Die neue Resolution richtet sich gezielt gegen Diplomaten des Regimes. Zudem dürfen viele Luxusgüter nicht mehr nach Nordkorea exportiert werden. Bestehende Sanktionen wie Reiseverbote und Kontensperrungen werden verschärft.

Vierter Atomtest

Januar 2016: Die darauf folgende Resolution 2270 sieht unter anderem Kontrollen aller Frachter von und nach Nordkorea sowie ein Verkaufsverbot von Handfeuerwaffen vor. Zu den Maßnahmen gehört auch ein Exportverbot für bestimmte Bodenschätze.

Fünfter Atomtest

September 2016: Der Sicherheitsrat verhängt Exportverbote für Kupfer, Nickel, Silber und Zink. Die Ausfuhr von Kohle und Eisen ist nur noch erlaubt, um der „Existenzsicherung“ der nordkoreanischen Bevölkerung zu dienen. Hinzu kommen weitere Reiseverbote und das Einfrieren weiterer Vermögen.

Neuer Raketentest

Der UN-Sicherheitsrat verschärft seine Sanktionen, nachdem Nordkorea am 28. Juli trotz aller Verbote des Sicherheitsrates eine Interkontinentalrakete getestet hat, die nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern hätte und damit das Festland der USA treffen könnte. Die neuen Strafmaßnahmen verbieten der Regierung in Pjöngjang die Ausfuhr von Kohle, Eisen, Blei und Fisch, um die Exporteinnahmen von bisher drei Milliarden Dollar jährlich um ein Drittel zu kappen. Auch Joint-Ventures mit Nordkorea sind künftig verboten.

Die Waffe habe sich kontrollieren lassen und könne mit einem Nuklearsprengkopf ausgestattet werden, teilte Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur mit. Es wird davon ausgegangen, dass sie etwa 500 Kilometer flog und dann in internationale Gewässer stürzte.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hatte den Start verurteilt, Trump erklärte, die Vereinigten Staaten stünden zu „100 Prozent“ hinter Japan. Der Test gilt zugleich auch als versteckte Machtprobe mit den USA und Trump. Der neue US-Präsident hatte eine härtere Gangart gegenüber Nordkorea angekündigt, aber noch keine Strategie vorgelegt. Nordkoreas Atomwaffenambitionen beschäftigen die US-Regierungen seit Jahrzehnten.

Von

ap

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