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09.07.2012

17:51 Uhr

UN-Tribunal

Mladic-Prozess offenbart Kriegshorror

Bomben, Misshandlungen, Abfackeln ganzer Dörfer, Vertreibungen, Leichen und schreiende Verwundete: Der erste Zeuge im Prozess gegen den serbischen General Mladic hat die Schrecken des Krieges erschütternd beschrieben.

Der „Schlechter vom Balkan“: Serbengeneral Ratko Mladic. dpa

Der „Schlechter vom Balkan“: Serbengeneral Ratko Mladic.

Den Haag/BelgradElvedin Pasic war erst 14 Jahre alt, als er ohne Vorwarnung vom Horror des bosnischen Bürgerkrieges (1992-1995) getroffen wurde. Der heute 34 Jahre alte Mann beschreibt am Montag vor dem UN-Tribunal in Den Haag mit tränenerstickter Stimme, wie aus friedlichen serbischen Nachbarn wie aus dem Nichts erbitterte Feinde für alle Muslime wurden. Der wegen der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit 1945 angeklagte damalige bosnische Serbenführer Ratko Mladic hört sich die erschütternden Schilderungen reglungslos an. Manchmal schüttelt er missbilligend den Kopf, manchmal lächelt er vielsagend.

Dem 70-jährigen Mladic werden die schwersten Kriegsverbrechen in Europa seit 1945 zur Last gelegt. Er soll verantwortlich sein für den Tod von Zigtausenden und die Vertreibung von Hunderttausenden. Er selbst betrachtet sich als unschuldig. Die Staatsanwaltschaft will über 400 Belastungszeugen aufbieten.

Stationen im Leben von Ratko Mladic

Herkunft

Mladic wurde am 12. März 1942 in dem Dorf Bozanovici nahe Kalinovik im Süden der damaligen jugoslawischen Teilrepublik Bosnien geboren. Sein Vater war ein Widerstandskämpfer, der 1945 von kroatischen Nationalisten der Ustascha getötet wurde. Ursprünglich wollte Mladic Lehrer werden, zog aber nach Belgrad und schloss als einer der drei Besten seines Jahrgangs die Militärakademie ab.

Karriere

Seine militärische Laufbahn begann Mladic 1965. Es dauerte 20 Jahre, bis er Brigadegeneral wurde, wofür Kameraden seine arrogante, undisziplinierte Art verantwortlich machten. Die meiste Zeit war er in Mazedonien stationiert, mit kurzen Aufenthalten in Kroatien und im Kosovo.

Aufstieg zum Kommandeur

Am 15. Mai 1992 machte Radovan Karadzic, Chef der von Bosnien-Herzegowina abgespaltenen Bosnisch-Serbischen Republik, Mladic zum Kommandeur seiner Armee. Diese Position hatte er bis Dezember 1996 inne.

Massaker von Srebrenica

Im Juli 1995 überrannten Mladics Streitkräfte die bosnische Stadt Srebrenica, die zum damaligen Zeitpunkt eine moslemische Enklave war und von UN-Truppen geschützt wurde. Männer und Jungen wurden weggeführt, in Scheunen und Schulen zusammengepfercht und schließlich in aller Öffentlichkeit exekutiert. Mladics Einheiten beschossen zudem eine größere Gruppe von Moslems, die durch ein Waldgebiet zu entkommen versuchte. Innerhalb von sieben Tagen starben etwa 8000 Männer und Jungen, was Mladic die Bezeichnung „Schlächter von Bosnien“ einbrachte.

Anklage in Den Haag

Ende 1995 erhob das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag unter anderem wegen Srebrenica Anklage wegen Völkermordes gegen Mladic. Derselbe Vorwurf wird Mladic für die fast zweijährige Belagerung von Sarajevo gemacht. Er soll Scharfschützen angewiesen haben, aus dem Hinterhalt auf Zivilisten zu schießen.

Flucht

Noch Jahre nach dem Krieg lebte Mladic unauffällig in Belgrad. Er tauchte 2002 unter, als Machthaber Slobodan Milosevic gestürzt worden war und ihn nicht mehr schützen konnte. Der Nato zufolge besuchte er 2004 einen alten Bunker in Bosnien, um unter den Augen der bosnischen Polizei mit ehemaligen Kameraden zu feiern.

Pasic beschreibt, wie er in seinem Dorf Hrvacani nordwestlich von Sarajevo über Jahre mit anderen serbischen Kindern zu Schule ging, Handball oder Fußball spielte und die Ferien gemeinsam verbrachte. Ohne jede Vorwarnung hätten die serbischen Nachbarn im Sommer 1992 alle muslimischen Dörfer angegriffen. Sein gesamtes Dorf sei „bis auf die Grundmauern niedergebrannt“ worden. Fünf Menschen, die vor dem serbischen Artilleriebeschuss nicht flüchten wollten, seien später als verkohlte Leichen gefunden und bestattet worden.

Liste der Anklagepunkte gegen Ratko Mladic

Völkermord

Das Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wirft Ratko Mladic unter anderem Völkermord und Beihilfe zum Völkermord vor. Der frühere General der bosnischen Serben gilt als Verantwortlicher des Massakers in der Uno-Schutzzone Srebrenica, wo im Juli 1995 etwa 8.000 muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Truppen getötet wurden.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Des weiteren ist Mladic in sieben Fällen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Das Gericht beschuldigt den Bosnier der Verfolgung aus politischen, rassistischen und religiösen Gründen. Zudem wird ihm Menschenvernichtung, Mord, Deportation und gewaltsame Vertreibung vorgeworfen. Die Anklagepunkte beziehen sich auf Verbrechen in Srebrenica und Sarajevo sowie in 27 anderen bosnischen Städten und Dörfern.

Verstöße gegen Vereinbarungen und Konventionen

Darüber hinaus werden Mladic sechs Verstöße gegen Vereinbarungen und Konventionen für Kriegsfälle, darunter Mord, Grausamkeit, Angriffe und Terror gegen Zivilisten sowie Geiselnahme vorgeworfen. Von letzterem Verbrechen waren laut Anklage auch Beobachter der Vereinten Nationen sowie internationale Militärbeobachter betroffen.

Die Botschaft der Serben bei diesen „ethnischen Säuberungen“ war nach Darstellung des Zeugen immer die gleiche: „Hier ist kein Platz für Türken, dies ist Serbien!“, hätten die Angreifer die Vertreibungen aller Muslime begründet. Er schildert den Versuch einiger hundert Muslime, sich in muslimisch kontrollierte Gebiete um die Stadt Travnik durchzuschlagen. Doch die Kolonne sei in einen serbischen Hinterhalt geraten, viele Tote und um ihre Erschießung jammernde Verwundete seien zu beklagen gewesen.

Der auch nach 20 Jahren aufgewühlte Pasic muss seine Aussagen immer wieder wegen Schluchzen und Tränen minutenlang unterbrechen. Die Flüchtenden hätten sich ergeben. Zwei Dutzend Frauen und Kinder seien von serbischen Soldaten aussortiert worden, zwischen 150 und 200 Männer seien zurückgeblieben. Die Männer mussten alle Wertgegenstände und Berge von Geld abgeben, die sie in sichere Gebiete Bosniens retten wollten. „Ich habe große, große Mengen von DM gesehen“, berichtete er. Die Männer wurden nie mehr gesehen, die Anklage wirft Oberbefehlshaber Mladic vor, sie seien im Ort Grabovica umgebracht worden.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

24.08.2012, 20:10 Uhr

Die internationalen Beobachter befanden sich zwischen den moslemischen Flüchtlingen und den serbischen Soldaten. In Potocari waren keine Männer, die man hinrichten lassen konnte. Das bestätigte der NL-Offizier Thomas Karremans vor laufender Kamera. 95Prozent der moslemischen Flüchtlinge waren nur Frauen, Kinder und alte Männer. Die Niederländer erklärten im NIOD-Report, dass nur einige ältere MÄnner nach Bratunac gefahren wurden, um sie über den Verbleib der moslemischen Kriegsverbrecher zu befragen. Die holländischen Soldaten bestätigten von Anfang an, dass die Serben die moslemische Bevölkerung gut behandelte. Stundenlanges Filmmaterial bestätigt das. Wer im Herzen für Menschenrechte ist, MUSS der Frage nach der Wahrheit nachgehen. Ich bin dieser Frage nachgegangen und zu einem schockierenden Ergebnis gelangt. Diese ist eine andere, als die weltweit vertretene. Die Inszenierung ist komplex und durch Fehlberichterstattung begünstigt, doch sie lässt sich einfacher rekonstruieren als die Hinrichtungs-THESE.

Der Name der Kleinstadt "Srebrenica" steht für einen anderen Horror, der noch anhält und den die Welt eines Tages erfassen wird. Es ist nicht die Frage, ob die Welt sich dessen bewusst wird, sondern wann.


Dieses Video, welches mit nur einem Wort, etwas anderes glauben lässt, als in drei Stunden Filmmaterial zu sehen ist, wurde als Propaganda erklärt, Dabei war es nur der misslungene Versuch, endlich mal beweisen zu können, dass die serbische Armee besser ist, als sie drei Jahre lang im Westen schlecht gemacht wurde.

http://www.youtube.com/watch?v=rCXo3-kAGrs&feature=youtu.be&t=2h51s

"Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle unrecht haben." Bertrand Russel

Helga Schopp

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24.08.2012, 20:14 Uhr

Die internationalen Beobachter befanden sich zwischen den moslemischen Flüchtlingen und den serbischen Soldaten. In Potocari waren keine Männer, die man hinrichten lassen konnte. Das bestätigte der NL-Offizier Thomas Karremans vor laufender Kamera. 95Prozent der Flüchtlinge waren nur Frauen, Kinder und alte Männer. Die Niederländer erklärten im NIOD-Report, dass nur einige ältere MÄnner nach Bratunac gefahren wurden, um sie über den Verbleib der moslemischen Kriegsverbrecher zu befragen. Die holländischen Soldaten bestätigten von Anfang an, dass die Serben die moslemische Bevölkerung gut behandelte. Stundenlanges Filmmaterial bestätigt das. Wer im Herzen für Menschenrechte ist, MUSS der Frage nach der Wahrheit nachgehen. Ich bin dieser Frage nachgegangen und zu einem schockierenden Ergebnis gelangt. Diese ist eine andere, als die weltweit vertretene. Die Inszenierung ist komplex und durch Fehlberichterstattung begünstigt, doch sie lässt sich einfacher rekonstruieren als die Hinrichtungs-THESE.

Der Name der Kleinstadt „Srebrenica“ steht für einen Horror, den die Welt eines Tages erfassen wird. Es ist nicht die Frage, ob sie sich dessen bewusst wird, sondern wann.

Das untere Video demonstriert, dass mit einem Wort im Titel, etwas anderes suggeriert wird, als drei Stunden zu sehen ist. Als Propaganda bezeichnete man das, doch es war nur der misslungene Versuch, endlich mal beweisen zu können, dass die serbische Armee besser ist als sie drei Jahre lang im Westen schlecht gemacht wurde.

http://www.youtube.com/watch?v=rCXo3-kAGrs&feature=youtu.be&t=2h51s

"Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle unrecht haben." Bertrand Russel

Helga Schopp

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24.08.2012, 20:19 Uhr

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