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10.06.2017

13:33 Uhr

Unabhängigkeit von Spanien

Der unwahrscheinliche Katalexit

VonSandra Louven

Die spanische Region Katalonien will am 1. Oktober über die Abspaltung von Spanien abstimmen. Doch dazu dürfte es gar nicht kommen. Viel wahrscheinlicher sind Neuwahlen zum Jahresende.

Die Unabhängigkeitsbewegung hat sich in den vergangenen Jahren verselbständigt und teils fanatische Züge angenommen. dpa

Katalonien

Die Unabhängigkeitsbewegung hat sich in den vergangenen Jahren verselbständigt und teils fanatische Züge angenommen.

MadridMan sollte meinen, das Gezerre um den Brexit hätte den spanischen Separatisten die Lust auf einen Alleingang verdorben. Aber nein: Just am gestrigen Freitag, dem Tag, als die britische Premierministerin und Brexit-Kämpferin Theresa May ihre Wahlschlappe einstecken musste, verkündete der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont seinen Fahrplan für die Abspaltung von Spanien.

Er will, dass die 5,5 Millionen wahlberechtigten Katalanen am 1. Oktober in einem Referendum auf die Frage antworten: „Wollen Sie, dass Katalonien ein unabhängiger Staat in Form einer Republik wird?“ Der Region rund um die Hauptstadt Barcelona schwebt eine totale Loslösung von der Zentralregierung in Madrid vor, von der sie sich seit Jahren schlecht behandelt und vor allem missverstanden fühlt.

Die Reaktion aus Madrid folgte auf dem Fuße: „Es wird kein illegales Referendum geben, das die Verfassung verletzt“, sagte ein Regierungssprecher. Das Referendum verstößt gegen die spanische Verfassung, die die unauflösbare Einheit des Landes vorsieht. Das Verfassungsgericht in Madrid hat erst kürzlich die Abstimmung über die Unabhängigkeit der Katalanen erneut untersagt.

Spanien: Katalonien will erneut über Unabhängigkeit abstimmen

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Bereits Ende 2014 haben sich die Katalanen mehrheitlich für eine Abspaltung von Spanien entschieden – allerdings nur inoffiziell. Nun will die Region einen neuen Anlauf starten. Im Oktober soll das Referendum erfolgen.

Die Gründe für den Separatismus dort sind für Nicht-Katalanen – und selbst für viele Katalanen – kaum rational nachzuvollziehen. Am ehesten könnte man sie mit einem verletzten Regionalstolz umschreiben. Madrid räumt inzwischen unter der Hand zwar ein, dass einige irdisch-faktische Dinge tatsächlich nicht allzu glorreich gelaufen sind. So sind so gut wie alle Autobahnen, die aus Barcelona herausführen, mautpflichtig. In Madrid dagegen ist es keine einzige. Doch um derlei Dinge, die per Verhandlung aus dem Weg geräumt werden könnten, geht es gar nicht.

Die Unabhängigkeitsbewegung hat sich in den vergangenen Jahren verselbständigt und teils fanatische Züge angenommen. Die Befürworter bemühen dabei vor allem die Geschichte: Wenn der FC Barcelona im heimischen Stadion spielt, erschallt um Punkt 17:14 Uhr der Ruf „independencia“ (Unabhängigkeit) – in Referenz an das Jahr 1714, als Katalonien im Erbfolgekrieg unterlag und zwangsweise an Spanien angegliedert wurde.

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