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23.04.2013

14:38 Uhr

Unabhängigkeitsbestreben

Osborne droht Schottland mit Pfund-Entzug

Im Herbst wird Schottland über eine mögliche Unabhängigkeit abstimmen. Der britische Finanzminister George Osborne droht jetzt schon: Das Land könne das Pfund als Währung verlieren, sollte es zu einer Abspaltung kommen.

Großbritanniens Finanzminister George Osborne. Reuters

Großbritanniens Finanzminister George Osborne.

LondonDer britische Finanzminister George Osborne hat Schottland für den Fall einer Unabhängigkeit mit dem Ausschluss aus der gemeinsamen Währung gedroht. „Der beste Weg für Schottland, das Pfund zu behalten, ist, im Vereinigten Königreich zu bleiben“, sagte Osborne am Dienstag im BBC-Radio. „Ich glaube, dass es unwahrscheinlich ist, dass der Rest Großbritanniens einer Euro-ähnlichen Währungsunion zustimmen wird“, sagte Osborne.

Schottland stimmt am 18. September 2014 über eine mögliche Unabhängigkeit von Großbritannien ab. Bisher liegt die Quote der Befürworter des Vorschlags Umfragen zufolge bei rund einem Drittel. Die in Schottland mit absoluter Mehrheit regierende Schottische Nationalpartei (SNP) hatte stets erklärt, sie wolle im Falle einer Mehrheit für die Unabhängigkeit das Pfund als Währung erhalten.

Unabhängigkeitsbestrebungen in Europa

Katalonien

In der Region im Nordosten Spaniens soll auf Bestreben des regionalen Regierungschefs Artur Mas am 9. November eine Unabhängigkeitsabstimmung abgehalten werden. Einer von der Regionalregierung in Auftrag gegebenen Umfrage zufolge befürworten derzeit 74 Prozent der Katalanen die Gründung eines eigenen Staates. Katalonien ist die wirtschaftsstärkste Region in Spanien. Die Katalanen kämpfen seit Jahrzehnten für mehr Autonomie. Mas ist aber der erste katalanische Regierungschef seit Ende der Franco-Diktatur in Spanien (1939-1975), der sich offen für die Unabhängigkeit der Region ausgesprochen hat.

Baskenland

Fast 50 Jahre lang hat die Untergrundorganisation ETA für einen von Spanien unabhängigen baskischen Staat gekämpft. Bei etwa 4000 Terroranschlägen kamen mehr als 830 Menschen um Leben. Die ETA-nahe Separatistenpartei Batasuna wurde im März 2003 vom Obersten Gerichtshof verboten. Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy kritisierte die nach Unabhängigkeit strebenden baskischen Nationalisten scharf. Diese wollten „Spanien kaputtmachen“, sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung in der baskischen Hauptstadt Vitoria. Im Baskenland sind am 21. Oktober vorgezogene Parlamentswahlen geplant.

Korsika

Seit gut 20 Jahren kämpfen Separatisten mit Gewalt für eine Unabhängigkeit der Mittelmeerinsel von Frankreich. Ziel ihrer Anschläge sind oft Villen von Festlandfranzosen und Ausländern, aber auch Verwaltungsgebäude, Politiker und Beamte. Erst im vergangenen Juli bekannte sich ein Kommando der Untergrundorganisation Nationale Befreiungsfront Korsikas (FLNC) zu einem Anschlag auf das Anwesen eines Pariser Bankiers. Die FLNC hatte zuvor die Verantwortung für eine Serie von rund 20 Attentaten auf der Insel übernommen.

Padanien

Die aus verschiedenen italienischen Autonomiebewegungen entstandene Lega Nord mit ihrem Vorsitzenden Umberto Bossi forderte jahrelang von Rom die Unabhängigkeit Padaniens. Der Name ist abgeleitet vom italienischen „pianura padana“ für die Po-Ebene. Bossi zählt zu Padanien die Regionen Lombardei, Aosta, Piemont, Ligurien, Trient-Südtirol, Venetien, Friaul-Julisch Venezien und Emilia-Romagna mit insgesamt 25 Millionen Einwohnern. Von 1994 an gehörte die Lega Nord mehreren Regierungen von Ministerpräsident Silvio Berlusconi an. 1996 wurde sogar eine „Bundesrepublik Padanien“ ausgerufen, allerdings ohne Folgen.

Flandern

Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts schwelt der Streit zwischen den Bevölkerungsgruppen Belgiens. Heute steht der niederländisch-sprachige Teil des Bundesstaates wirtschaftlich besser da als die französischsprachige Walonie. Im Juni 2010 wurden die flämischen Nationalisten mit der Partei N-VA, die einen unabhängigen Staat Flandern anstrebt, zur stärksten politischen Kraft in Belgien. Monatelang verhinderte nach der Wahl ein Sprachenstreit die Bildung einer Zentralregierung in Brüssel. Erst im September 2011 einigten sich die Parteien und verhinderten eine Aufspaltung Belgiens.

Slowakei

In einer „samtenen Revolution“ ohne Gewalt erkämpften 1989 Tschechen und Slowaken noch gemeinsam die Freiheit. Nach den ersten freien Wahlen 1990 formierten sich in der Slowakei separatistische Gruppen. Im Juli 1992 proklamierte dann der östliche Teil der Konföderation seine Trennung von Tschechien. Zum 1. Januar 1993 trat die Unabhängigkeit der Slowakei in Kraft. Prag akzeptierte die „samtene Scheidung“: Nach 74 Jahren hörte die Tschechoslowakei auf zu existieren. Der damalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel (FDP) bedauerte die Teilung des Staates, lobte aber die friedfertige Art und Weise der Trennung als vorbildlich.

Osborne erklärte am Dienstag, ein unabhängiges Schottland hätte mehrere Option, darunter auch den Beitritt zur Euro-Zone, eine eigene neue Währung oder den Erhalt des Pfunds ohne Währungsunion mit Großbritannien, was aber schwierig sei. Der schottische Finanzminister John Swinney argumentierte, wenn Großbritannien ein unabhängiges Schottland aus der gemeinsamen Währung ausschließe, dann sei dieses auch nicht mehr für seinen Teil an den britischen Staatsschulden verantwortlich. „Wenn das das Spiel ist, das der Schatzkanzler spielen will, dann darf er das gerne machen“, sagte Swinney.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

23.04.2013, 15:06 Uhr

Hm, jetzt wird es spannend, wir sollten uns mal überlegen ob UK bei der Wiedereinführung des Goldstandards (Goldpfund) die ersten sein werden...ach nein, ich vergaß, der Preis gehört ja schon Utah und Arizona...

Abgang von Bernanke - auch sehr spannend:
http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/us-notenbankchef-bernankes-rueckzug-auf-raten/8107390.html

Kommentare lesen(!)

Barrick Gold stellt australische Minen zum Verkauf -> an die größten chinesischen Goldproduzenten
http://www.goldseitenblog.com/johannes_forthmann/index.php/2013/04/23/barrick-gold-stellt-australische-minen-z

Ergibt schon alles so seinen Sinn...City of London...Dragon-Society...

Bitte setzt euch mit der Geschichte des Papiergeldes auseinander, z.B. hier:
http://www.gutenberg.org/files/6949/6949-h/6949-h.htm

Es ist was im Busch!

Got [physical(!)] Gold+Silver?!!!

azaziel

23.04.2013, 15:35 Uhr

So wie Zimbabwe den US$ als Waherung benutzt, koennten auch die Schotten das Pfund benutzen. Vielleicht wird es in Schottland sogar jedem, einschliesslich der Regierung selbst, in welchen Waehrungen sie ihre geschaefte abschliessen. Technisch eigentlich kein Problem. Jeder Schotte koennte sich dann ueberlegen, ob er seine auf Pfund lautende Stromrechnung vom Dollarkonto oder vom Eurokonto ueberweist. Klingt zu utopisch?

Sebastian

23.04.2013, 15:38 Uhr

Schottland ohne GB-wie soll das gehen...? Selbst wenn man in Irland unterwegs ist,sieht man die hist.Wurzeln des Empire an jeder Ecke,ob Baustil,Sprache oder Lebensart.

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