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09.09.2014

17:21 Uhr

Unabhängigkeitsvotum

Bekommen die Schotten bald ihr eigenes Geld?

VonAnja Stehle

Kommende Woche stimmt Schottland über seine Unabhängigkeit von Großbritannien ab. In den Umfragen haben die Befürworter Rückenwind. Doch was passiert eigentlich, wenn es dazu kommt? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Schottische Fahne in London: „Der richtige Ort für uns ist Schottland“.

Schottische Fahne in London: „Der richtige Ort für uns ist Schottland“.

DüsseldorfEs ist ein historisches Ereignis. Der britische Premierminister David Cameron lässt seine wöchentliche Fragestunde am Mittwoch ausfallen – und fährt nach Schottland. In einer gemeinsamen Erklärung mit seinem schärfsten politischen Konkurrenten, dem Chef der Labour Partei, Ed Miliband, schreibt er: „Der richtige Ort für uns ist morgen Schottland.“

Der Schulterschluss hat einen einfachen Grund: In den Umfragen haben die Befürworter einer Unabhängigkeit Schottlands starken Rückenwind.

In neun Tagen stimmen die Schotten über die Unabhängigkeit von Großbritannien ab. Befürworter und Gegner liegen derzeit gleich auf. Setzen sich die Separatisten durch, würde Schottland nach 307 Jahren Zugehörigkeit zu Großbritannien unabhängig. Die Trennung würde aber nicht über Nacht vollzogen. Erst im März 2016 träte die Unabhängigkeit offiziell in Kraft.

Zuletzt warnte das britische Finanzministerium, eine Abspaltung würde ein ökonomisches Erdbeben auslösen. Doch welche praktischen Konsequenzen hätte ein solches Votum für das unabhängige Schottland und für Großbritannien? Antworten auf die wichtigsten Fragen: 

Welche Währung hätte ein unabhängiges Schottland?
Zunächst bliebe alles beim Alten. Die Schotten bezahlen mit dem Pfund, bis die Unabhängigkeit im März 2016 in Kraft tritt. Doch was dann? Kommt die neue schottische Währung? Experten glauben die Einführung eines neuen Zahlungsmittels wäre kaum zu stemmen. Neben den ökonomischen Risiken, wie Währungsschwankungen und den Transaktionskosten, wären auch die Kosten für den Aufbau einer eigenen Notenbank oder für das Drucken von Scheinen und Münzen hoch.

Bisher ist in der Währungsfrage noch nichts entschieden. Geht es nach den Separatisten sollen die Schotten auch nach der Unabhängigkeit mit dem Pfund bezahlen. Eine neue schottische Notenbank solle in der Währungsunion die Geldpolitik koordinieren. Ökonomisch gesehen wäre das zwar sinnvoll. Denn so würden keine Transaktionskosten entstehen, wenn schottische und britische Unternehmen Geschäfte mit dem Pfund tätigen, auch entstünden keine Wechselkursrisiken und die Regierung in Edinburgh könnte Staatsanleihen weiterhin in Pfund halten.

Doch aus London kommt Widerstand. Die drei großen Parteien in London, die Tories, Labour und die Liberaldemokraten, haben klargestellt, dass eine Währungsunion für sie nicht infrage kommt. Ohne haushaltspolitische Koordinierung und eine Bankenunion könne ein gemeinsamer Währungsraum nicht funktionieren – doch wozu sollten die Schotten dann noch unabhängig sein?

Schottlands Streben nach Unabhängigkeit

September 1997

Bei einem Referendum stimmt eine Mehrheit für ein schottisches Regionalparlament mit begrenzten Kompetenzen innerhalb des Vereinigten Königreichs.

Mai 1999

Erstmals nach fast 300 Jahren wird wieder ein schottisches Parlament gewählt.

Mai 2007

Der Vorsitzende der linksliberalen Schottischen Nationalpartei SNP, Alex Salmond, wird neuer Ministerpräsident. Schottland hat erstmals eine Regierung, die für die Abspaltung vom Vereinigten Königreich eintritt.

Mai 2011

Die SNP gewinnt die absolute Mehrheit im Regionalparlament. Salmond kündigt an, über eine Unabhängigkeit solle in den kommenden fünf Jahren abgestimmt werden.

Januar 2012

Salmond kündigt das Referendum für Herbst 2014 an. Der britische Schottland-Minister Michael Moore erklärt, die Regionalregierung könne aus rechtlichen Gründen nicht im Alleingang ohne das Ja aus London zu einem Volksentscheid über die Unabhängigkeit aufrufen.

Mai 2012

Die maßgeblich von der SNP getragene schottische Unabhängigkeitsbewegung startet ihre Wahlkampagne „Yes Scotland“. Die Regierung in London, die strikt gegen eine Abspaltung Schottlands ist, startet eine Gegenkampagne.

Oktober 2012

Der britische Premier David Cameron und Salmond unterzeichnen ein Abkommen, das der Regionalregierung die Befugnis gibt, eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit abzuhalten.

März 2013

Der Termin für das Referendum wird auf den 18. September 2014 festgelegt.

November 2013

Salmond legt detaillierte Pläne für eine eigenständige Nation vor. Bei einem erfolgreichen Referendum soll Schottland im März 2016 unabhängig werden.

Bleibt noch die Euro-Einführung als Option. Dass Schottland dem Euro-Währungsgebiet  beitritt ist aber ziemlich unwahrscheinlich. Denn dazu müssten auch Länder zustimmen, die selbst eine Abspaltung von Bevölkerungsgruppen fürchten, wie etwa Spanien.

Einen ernsthaften Plan „B“ in der Währungsfrage haben die Separatisten noch nicht. Ihr Wortführer, der Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP), Alex Salmond, kündigte an, seine Landsleute würden das Pfund „trotzdem verwenden“, auch wenn die Währungsunion am Widerstand Londons scheitern sollte. Das wäre zwar theoretisch möglich, doch angesichts der starken schottischer Finanzindustrie ein Experiment mit nicht absehbarem Ausgang.

Kommentare (6)

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Herr Kurt Siegel

09.09.2014, 18:03 Uhr

Wann sagt sich Seehofer mit seinen Bayern endlich von Deutschland los; dann braucht er endlich nicht mehr lamentieren, dass Bayern als Geberland im Länderfinanzausgleich den Rest der Republik unterstützen muß; eine Autobahnmaut für Pfälzer und Holländer kann er zudem einführen; schöne heile Welt.

Herr Bernd Bier

09.09.2014, 18:15 Uhr

Noch schöner wäre die Welt, wenn sich Berlin von Deutschland lossagen würde!

Herr Teito Klein

09.09.2014, 21:00 Uhr

Schottisches Pfund oder schottischer Euro?
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Das ist hier die Frage.
Bleibt Schottland beim britischen Empire oder nähert er sich der EUdSSR an. Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera.

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