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19.09.2014

12:16 Uhr

Unabhängigkeitsvotum in Schottland

Der royale Albtraum fällt aus

VonCarsten Herz

Aufatmen im Buckingham Palace: Das Votum der Schotten hat auch für das Königshaus Bedeutung. Die Queen ließ sich im Vorfeld zu einem ihrer seltenen politischen Statements hinreißen. Und kann sich nun als Siegerin fühlen.

Liebt Schottland und die Schotten: Queen Elizabeth dürfte vom „No“ der Schotten „very amused“ sein. Reuters

Liebt Schottland und die Schotten: Queen Elizabeth dürfte vom „No“ der Schotten „very amused“ sein.

LondonDer cremefarbene Hut sitzt akkurat, die schwarze Handtasche schlenkert am Armgelenk, als Queen Elizabeth beschließt, ihre Zurückhaltung aufzugeben. Als sie nach dem Kirchgang am Sonntag morgen in Crathie die Stufen der schottischen Kirche Crathie Kirk überschreitet, schweigt die 88-Jährige nicht majestätisch beredt, als ein Zuschauer aus der Menge sie auf das bevorstehende Referendum zur schottischen Unabhängigkeit anspricht, sondern nutzt die Gelegenheit für eine ihrer raren politischen Bemerkungen.

„Ich hoffe, die Menschen werden sehr sorgfältig über die Zukunft nachdenken“, antwortet die Regentin bedächtig, aber vernehmlich. Es sind für zur politischen Neutralität verpflichteten Regentin ungewöhnlich klare Worte in letzter Minute. Doch die späte Intervention von königlicher Seite hat ihre Wirkung nicht verfehlt.

So geht es jetzt in Großbritannien weiter

19. September 2014

Die großen Parteien im britischen Parlament - Konservative, Labour und Liberaldemokraten - haben zugesagt, sofort mit der Planung für den als Devolution bezeichneten Machttransfer zu beginnen. Die Edinburgher Regierung soll noch mehr Autonomie bekommen in Erziehungs-, Polizei- und Gesundheitsfragen hinausgeht. Auch gibt es mehr Rechte bei der Festsetzung von Steuern.

Ende Oktober 2014

London will ein erstes Papier mit Vorschlägen fertig haben, das dann diskutiert wird. Was es enthalten wird, ist nicht ganz klar - vermutlich soll Edinburgh mehr Freiheit beim Erheben von Einkommenssteuern und in anderen Bereichen der Steuerpolitik bekommen.

Ende November 2014

Ein Informationsbericht des Unterhauses legt die neuen Kompetenzen für Edinburgh im Detail dar.

25. Januar 2015

Der Gesetzentwurf ist fertig, das Unterhaus stimmt darüber ab.

7. Mai 2015

Parlamentswahlen in Großbritannien. Mit dem Zusammentreten des neuen Parlaments sollen auch die neuen Devolution-Gesetze in Kraft treten.

5. Mai 2016

Schottland wählt ein neues Regionalparlament.

2017

Sollte David Cameron wiedergewählt werden, hat er für 2017 ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU in Aussicht gestellt. Wenn die Briten mehrheitlich für den Austritt stimmen, könnte das der Nationalbewegung in Schottland neuen Schwung geben - denn die Schotten sind eher EU-freundlich.

Der royale Albtraum fällt aus. Als am Freitagmorgen die Sonne über den granitgrauen Palast in Balmoral Castle aufgeht, wo die Königin seit Wochen wie jedes Jahr weilt, darf sie davon ausgehen, dass für die Windsors auch in den kommenden Jahren der Besuch im Norden des Landes kein Auslandsbesuch werden wird. Beim Referendum haben sich die Schotten mehrheitlich gegen eine Scheidung nach 307 Jahren vom Vereinigten Königreich ausgesprochen. Es ist ein Votum, das dem britischen Premierminister David Cameron vorerst aufatmen lässt – aber das auch Queen Elizabeth einen feinen royalen Stoßseufzer entlocken dürfte.

Schottland als Republik? Für die Queen muss das eine Horrorvorstellung sein. Denn ein schottisches Yes-Votum für die Unabhängigkeit Schottlands hätte nicht nur eine neue schmerzvolle Grenze durch ihr Empire gezogen.

Eine klare Mehrheit für eine Abspaltung hätte für die greise Monarchin eine Abwendung aus dem Vereinigten Königreich bedeutet, von ausgerechnet jener Region, die die 88-Jährige liebt wie kaum eine andere auf der Insel. Jeden August zieht es die Queen, die das Landleben und die Jagd schätzt, für die Sommerferien auf ihren schottischen Landsitz Balmoral. Die Queen fühlt sich Schottland persönlich stark verbunden: Ihre Mutter war Schottin und sie verbrachte einen Großteil ihrer Kindheit dort.

Kommentare (2)

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Herr Paul Müller

19.09.2014, 12:46 Uhr

"...Aufatmen im Buckingham Palace..."

Da wird nicht augeatmet, die werden unterm Tisch liegen vor Lachen. Ausgetrickts. So geht Politik heute.
Und wenns öffenlich wird, zeigt man mit dem Finger auf Putin und behauptet: Der wars.

Herr Josef Duffner

19.09.2014, 13:13 Uhr

Die Medienschlacht wurde gewonnen.
Doch England ist noch mal davon gekommen.
Man denke, es wäre anders ausgegangen.
Welch eine Trauer welche Tränen wären vergossen worden.
Aus wäre es mit dem billigen Öl für das England.
Nun, es bleibt ein gespaltenes Land zurück.
Ob die Schotten jetzt die versprochenen Zusagen erhalten muss abgewartet werden.
Man lässt erst mal Zeit über das Land ziehen und von dieser hat man ja genug.
Schauen wir mal, spannend bliebt es trotzdem dort.

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