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05.01.2007

20:51 Uhr

Uneiniges Vereinigtes Königreich

Wir pfeifen auf euch!

VonMatthias Thibaut

Über die Hälfte der Schotten will die Unabhängigkeit. Noch mehr Engländer wollen ein eigenes Parlament. Steht Großbritannien vor der Spaltung? Medien warnen bereits vor der „teuersten und traumatischsten Scheidung der Weltgeschichte“. 300 Jahre nach der Gründung rumort es kräftig im Vereinigten Königreich.

Der Schotte Sean Connery hat sich im Wahlkampf 2005 dafür eingesetzt, dass die Stimme Schottlands gehört wird. Foto: dpa

Der Schotte Sean Connery hat sich im Wahlkampf 2005 dafür eingesetzt, dass die Stimme Schottlands gehört wird. Foto: dpa

LONDON. Wenn es eine Drohung sein soll, lässt Robin Tilbrook sich nichts anmerken. Laute Töne sind nicht seine Art, aber er ist Engländer, und als Engländer ist er sich seiner Sache sicher. „Der englische Nationalismus ist eine wachsende politische Kraft“, sagt der silberhaarige Mann selbstbewusst, um sogleich nachzulegen: „Warum also sollen wir nicht auch einen Nationalfeiertag, eine eigene Hymne und ein eigenes Parlament haben? Wir sind schließlich eine genauso alte und historische Nation wie die Schotten.“

Tilbrook ist Rechtsanwalt aus Kent, aber was dieser Tage noch viel wichtiger ist: Im Nebenberuf ist er Chef von Englands neuester und unbekanntester Partei, den „English Democrats“. Das Parteiprogramm ist schlicht, doch Tillbrook hat trotzdem Angst vor Missverständnissen. „Mit dem rassistischen, weißen Nationalismus der British National Party“, fügt er eilends hinzu, „hat das überhaupt nichts zu tun.“

Nationalismus hin oder her: Tilbrooks Traum träumen offenbar immer mehr Menschen in Großbritannien. Immer mehr Engländer wollen ein eigenes Parlament. Und über die Hälfte der Schotten will die Unabhängigkeit. Steht Großbritannien vor der Spaltung? Fast 300 Jahre nach seiner Gründung rumort es jedenfalls kräftig im Vereinigten Königreich.

Wenn Tilbrooks Traum in Erfüllung geht, dann dank der 52 Prozent Schotten, die die Unabhängigkeit für ihr Land wollen. Dann würden schottische Abgeordnete aus dem „britischen“ Westminsterparlament abgezogen, und die Sache wäre für Tilbrook halb gewonnen. Nach einer neuen Umfrage des ICM Instituts für den „Sunday Telegraph“ sind aber auch 68 Prozent der Engländer für ein eigenes Parlament, und 69 Prozent würden die Schotten in die Unabhängigkeit ziehen lassen.

In den Medien hat dieser Trennungs-Trend bereits griffige Schlagzeilen ausgelöst. „Wie eine Bombe“ sei die Umfrage in der Downing Street, dem Sitz des britischen Premiers, eingeschlagen, schrieb kürzlich die Boulevardzeitung „The Sun“ und warnte: „Es würde die teuerste und traumatischste Scheidung der Weltgeschichte.“

Was würde die Queen machen, wenn ihr Reich zerfällt? Und was Schatzkanzler Gordon Brown? Sein Traum, britischer Premier zu werden, würde sich in Luft auflösen.

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