Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.12.2016

14:58 Uhr

Ungarn

Entlassungen nach satirisch verfälschtem Orban-Interview

Das regierungsnahe ungarische Medien-Unternehmen Mediaworks hat mehrere Mitarbeiter entlassen. Der Grund: Ein Insider hatte einige Aussagen des Ministerpräsidenten Orban in einem Interview satirisch verfälscht.

Weil jemand ein Interview mit dem ungarischen Ministerpräsidenten satirisch verfälscht hat, rollten beim Medien-Unternehmen Mediaworks Köpfe. AFP; Files; Francois Guillot

Viktor Orban

Weil jemand ein Interview mit dem ungarischen Ministerpräsidenten satirisch verfälscht hat, rollten beim Medien-Unternehmen Mediaworks Köpfe.

BudapestDas regierungsnahe ungarische Medien-Unternehmen Mediaworks hat auf die satirische Verfälschung eines Interviews mit dem rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban mit Entlassungen reagiert. Der verantwortlichen Redakteurin des „Fejer Megyei Hirlap“ (Nachrichtenblatt des Bezirks Fejer) aus Szekesfehervar bei Budapest wurde ebenso gekündigt wie vier weiteren leitenden Mitarbeitern dieser und einer zweiten Zeitung, wie das in Westungarn ansässige Internet-Portal „veszpremkukac.hu“ in der Nacht zum Mittwoch berichtete.

In der Weihnachtsausgabe des „Fejer Megyei Hirlap“ erschien das für alle zwölf Mediaworks-Blätter zentral redigierte Orban-Interview mit satirischen Verfälschungen, die offenbar ein Insider eingefügt hatte. Unter anderen wurde Orbans Aussage, wonach Ungarn deshalb ein stabiles Land sei, weil die Regierung das Volk regelmäßig nach seiner Meinung befrage, um den frei erfundenen Zusatz ergänzt: „Obwohl sie uns gar nicht interessiert hat.“

An einer anderen Stelle wird Orban, der dem Christentum eine staatstragende Funktion in seinem Land zubilligt, fälschlicherweise in den Mund gelegt: „Ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen zu einer heidnischen Auffassung von Weihnachten zurückkehren.“

Flüchtlingspolitik: Orban will gegen die Aufnahmequote der EU vorgehen

Flüchtlingspolitik

Orban will gegen die Aufnahmequote der EU vorgehen

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban will in der Flüchtlingspolitik keinen erneuten Versuch starten, die Verfassung zu ändern. Stattdessen will seine Regierung nun gegen die Aufnahmequote der EU vorgehen.

Eine weitere Verfälschung bezog sich auf den jüngsten Fund einer Leiche in der Toilette eines Budapester Krankenhauses, die dort bereits mehrere Tage gelegen hatte - für viele in Ungarn ein Symptom für den maroden Zustand des Gesundheitswesens. Zu Orbans Ankündigung: „Auch die Löhne der Krankenschwestern werden wir 2017 und 2018 beständig anheben“ erfand der Anonymus den Zusatz: „Und auch die Zahl der Krankenhaus-Leichen wird steigen.“

Die Mediaworks-Tochter Pannon Lapok Tarsasaga (PLT), zu der die betroffenen Regionalblätter gehören, bestätigte am Mittwoch die Entlassung der verantwortlichen Redakteure. Unter ihnen sei auch jene Person, „die mit der Veränderung des Artikels in unmittelbaren Zusammenhang gebracht werden kann“, hieß es in der Stellungnahme des Unternehmens.

Das Portal „veszpremkukac.hu“ hatte berichtet, dass jemand von einem Computer der im westungarischen Veszprem erscheinenden Regionalzeitung „Naplo“ (Tagebuch) aus in das Redaktionssystem des „Fejer Megyei Hirlap“ eingegriffen hat. Deshalb seien beim „Naplo“ die Chefredakteurin und der IT-Chef gefeuert worden.

Das Medien-Unternehmen Mediaworks hatte auch die Tageszeitung „Nepszabadsag“ besessen, einst das wichtigste Oppositionsblatt des Landes. Der damalige österreichische Eigentümer hatte die „Nepszabadsag“ jedoch Anfang Oktober geschlossen, ehe er die Mediaworks-Holding zwei Wochen später an ein Firmengeflecht verkaufte, das der Orban nahe stehende Oligarch Lörincz Meszaros kontrolliert.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×