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04.02.2014

17:38 Uhr

Ungedeckter Finanzbedarf

Griechenland kommt Freigabe weiterer Hilfsgelder näher

Griechenland kommt offenbar der Auszahlung weiterer Mittel aus dem laufenden Hilfsprogramm näher. Die Differenzen über eine ungedeckte Finanzlücke im Haushaltsbudget seien weiterhin beigelegt.

Griechenland-Rettung. Ein ungedeckter Finanzbedarf, der auf rund eine Milliarde Euro geschätzt wird, verhindert seit geraumer Zeit die Freigabe von Hilfsgeldern an das Euro-Land. dapd

Griechenland-Rettung. Ein ungedeckter Finanzbedarf, der auf rund eine Milliarde Euro geschätzt wird, verhindert seit geraumer Zeit die Freigabe von Hilfsgeldern an das Euro-Land.

Athen/ BrüsselGriechenland ist offenbar der Auszahlung weiterer Mittel aus dem laufenden Hilfsprogramm näher gekommen. Die Differenzen über eine ungedeckte Finanzlücke im Haushaltsbudget für das laufende Jahr seien weithin beigelegt, erklärten am Dienstag zwei Personen, die in die Verhandlungen mit den internationalen Kreditgebern eingebunden sind. Es geht dabei um einen ungedeckten Finanzbedarf, der auf rund eine Milliarde Euro geschätzt wird und der seit geraumer Zeit die Freigabe von Hilfsgeldern an das südeuropäische Euro-Land verhindert.

Dieser Punkt sei kein wesentliches Hindernis mehr, erklärten die beiden Personen, die nicht der gleichen Verhandlungspartei angehören. Grund für die Entspannung seien die unerwartet hohen Überschüsse im Staatshaushalt des abgelaufenen Jahres 2013 - lässt man die Zinsen auf Schulden außen vor (Primärüberschuss). Damit könne die Etatlücke gestopft werden.

So stehen die Euro-Sorgenländer da

Frankreich

Deutschlands wichtigster Handelspartner wächst nicht mehr: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Sommer überraschend um 0,1 Prozent. Die EU-Kommission traut dem Nachbarn nur einen blutleeren Aufschwung zu. 2014 soll es nur zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen, was etwa halb so viel ist wie in Deutschland. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet die Kommission, was wiederum den Konsum bremst. Obwohl das Wachstum 2015 auf 1,7 Prozent anziehen soll, dürfte die Arbeitslosenquote bis dahin auf 11,3 Prozent zulegen.

Italien

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion schrumpfte im Sommer nun schon das neunte Quartal in Folge und steckt damit in der längsten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Während die Industrie zulegte, gingen die Geschäfte der Dienstleister und Landwirte zurück. Zwei Rezessionsjahren dürfte eine kraftlose Erholung folgen: 2014 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, das sich 2015 auf 1,2 Prozent erhöhen soll. Eine steigende Exportnachfrage dürfte die Unternehmen zwar zu mehr Investitionen ermutigen, erwartet die EU-Kommission. Die Arbeitslosenquote soll aber im kommenden Jahr weiter steigen.

Spanien

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat sich im Sommer aus der Dauer-Rezession befreit. Anziehende Exporte und der boomende Tourismus ließen das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent wachsen. Zuvor war es neun Quartale in Folge geschrumpft. 2014 könnte die spanische Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder wachsen. Die EU-Kommission erwartet ein Plus von 0,5 Prozent, das sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen soll. "Die großen Anpassungen werden die Erholung einschränken", befürchtet die Kommission. Das reicht nicht, um die Arbeitslosigkeit kräftig zu drücken. Die Quote soll von 26,6 Prozent in diesem Jahr lediglich auf 25,3 Prozent im übernächsten Jahr fallen.

Griechenland

Im Frühjahrsquartal – neuere Daten liegen noch nicht vor – ging es um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bergab. Das am schwersten von der Schuldenkrise betroffene Land wird aber für 2014 ein kleines Comeback zugetraut: Das Bruttoinlandsprodukt soll dann erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. Das reicht nicht annähernd aus, um den für 2013 erwarteten Einbruch von 4,0 Prozent auszugleichen. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission, die dann mit einem Plus von 2,9 Prozent rechnet. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Sie soll von rund 27 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2015 sinken.

Irland

Von allen Krisenländern steht Irland am besten da. Bereits im Frühjahr wurde die Rezession abgeschüttelt mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2013 soll die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge zulegen, wenn auch nur um 0,3 Prozent. Das Tempo dürfte sich 2014 auf 1,7 Prozent und 2015 sogar auf 2,5 Prozent beschleunigen. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften immer besser in Schwung kommen. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,7 Prozent fallen, nachdem sie 2012 noch bei 14,7 Prozent lag.

Portugal

Das kleine Land ist von Juli bis September bereits das zweite Quartal in Folge gewachsen - und zwar um 0,2 Prozent. 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen: Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,5 Prozent nahezu verdoppeln soll. "Die Exporte sind der Wachstumstreiber, während die Binnennachfrage 2014 wieder anziehen wird", prophezeit die EU-Kommission. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 17,3 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen.

Zypern

Der Inselstaat steckt noch mitten im Abschwung: Im dritten Quartal 2013 brach die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent so stark ein wie in keinem anderen Euro-Land. Um 8,7 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahr 2013 zurückgehen. 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die Kommission. Sowohl der Konsum als auch die Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird wieder mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen und erst 2015 wieder leicht auf 18,4 Prozent nachgeben.

Offen ist weiterhin, ob es ein drittes Hilfsprogramm der europäischen Partner nach Auslaufen des aktuellen Programms zum Ende des Jahres geben wird. In Kreisen der Euro-Zone ist von einer möglichen Dimension von zehn bis 20 Milliarden Euro die Rede. Ob ein neues Paket geschnürt wird, dürfte sich nach Darstellung der deutschen Regierung gegen Mitte des Jahres entscheiden. Zunächst werden gesicherte neue Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung in Griechenland abgewartet, die Ende April zur Verfügung stehen sollen. Einzelne Mitglieder der griechischen Regierung hatten zuletzt wiederholt erklärt, das Land brauche kein neues Programm mit weiteren Auflagen.

Von

rtr

Kommentare (8)

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Grieche

04.02.2014, 17:57 Uhr

Zitat : Griechenland kommt Freigabe weiterer Hilfsgelder näher

- die Konkursverschleppung Griechenlands kann noch Jahrzehnte dauern......die Europäischen Steuerzahler haben noch etwas Geld für den Pleitestaat in Petto !

Mazi

04.02.2014, 18:12 Uhr

"Grund für die Entspannung seien die unerwartet hohen Überschüsse im Staatshaushalt des abgelaufenen Jahres 2013 - lässt man die Zinsen auf Schulden außen vor (Primärüberschuss). Damit könne die Etatlücke gestopft werden."

Für wie blöd halten die Berichterstatter die Leser?

Das ist vergleichbar mit einem insolventen Unternehmen, dass einen Gewinn vor Kosten verkündet.

Dass dies nahezu zeitgleich erfolgt während in München die HRE-Historie aufgerollt wird, ist unglaublich. Auch dort fordert der ehemalige Vorstandsvorsitzende die Vernehmung des damaligen Bundesfinanzministers Steinbrück und will seine ordnungsgemäße Berichterstattung untermauern.

Wenn der obige Bericht den Bundesfinanzminister überzeugt, dann hat Herr Funke auch den Anspruch auf einen Heiligenschein verdient.

Es ist schon stark was die Politiker den Bürgern zumuten und glauben, wir würden es nicht merken.

Account gelöscht!

04.02.2014, 18:17 Uhr

"Ob ein neues Paket geschnürt wird, dürfte sich nach Darstellung der deutschen Regierung gegen Mitte des Jahres entscheiden."
Diese Politverbrecher haben doch alle schon zugestimmt, nur solche Mainstreamjornailien wie das HB machen da eine show daraus, als ob das noch alles offen wehre.
Wie Doof muessen denn die Schergen in den Agenturen sein, um das Volk fuer solche Idioten zu halten?
Fuer die Deutschen scheint jedoch diese Annhame zuzutreffen!

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