Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2017

12:01 Uhr

Ungleichheit

Warum die Oxfam-Studie in die Irre führt

VonDonata Riedel

Der plakative Vergleich von Oxfam, dass acht Menschen so viel besäßen wie die ärmere Hälfte der Menschheit, hinkt. Damit erweist die Hilfsorganisation der Debatte einen Bärendienst. Ein Kommentar.

Multi-Milliardär Warren Buffett ist einer der reichsten Menschen der Welt. Das ihm und sieben anderen Vermögenden die Hälfte des weltweiten Vermögens gehört, ist aber unwahrscheinlich. AFP; Files; Francois Guillot

Warren Buffet

Multi-Milliardär Warren Buffett ist einer der reichsten Menschen der Welt. Das ihm und sieben anderen Vermögenden die Hälfte des weltweiten Vermögens gehört, ist aber unwahrscheinlich.

Man kann der Ungleichheitsdebatte ziemlich leicht einen Bärendienst erweisen: Indem man nämlich mit schiefen Vergleichen die Ungleichheit übertreibt – und es damit all jenen leicht macht, die behaupten, Ungleichheit sei doch gar kein Problem. In diese Falle ist die Drittwelt-Initiative Oxfam getappt. Pünktlich zum Treffen der Eliten aus Politik und Wirtschaft in Davos veröffentlicht sie – wie jedes Jahr – einen Schocker zur Ungerechtigkeit in der Welt: Die acht reichsten Männer besäßen mit 426 Milliarden US-Dollar noch etwas mehr als die ärmere Hälfte der Menschheit. Diese 3,6 Milliarden Menschen kämen nur auf 409 Milliarden US-Dollar Vermögen.

Das Problem des Vergleichs ist, dass Oxfam sich dabei mit Bezug auf die ärmste Menschheitshälfte auf die Studie „Global Wealth Data Book 2016“ der Schweizer Großbank Credit Suisse bezieht – und deren Daten mit der Forbes-Liste der Reichsten abgleicht. Richtig wäre es gewesen, das Vermögen der Reichsten dann auch aus der Credit-Suisse-Studie zu nehmen, in welche die Forbes-Liste als Teil eingeflossen ist, dazu aber auch offiziell verfügbare Daten aus vielen Einzelstaaten und internationalen Organisationen.

Nach der Credit-Suisse-Studie wird die Datenlage bei den Superreichsten sehr dünn. Das verfügbare Material legt es aber sehr nahe, dass das obere reichste Prozent wohl so viel Vermögen besitzen dürfte wie die untere Hälfte. Mit Fug und Recht lässt sich aus der Credit Suisse-Studie also die Aussage ableiten: Das Vermögen in der Welt ist äußerst ungleich verteilt. Daraus darf man schlussfolgern: Das ist ungerecht.

Die Tatsache extreme Ungleichheit hat mindestens so viel damit zu tun, dass Armut sehr weit verbreitet ist, wie mit der Tatsache, dass einige wenige es geschafft haben, sehr reich zu werden. Am größten ist die Ungleichheit dabei in Staaten wie China und Indien mit ihrer riesigen Bevölkerungszahl. Aber selbst in Deutschland ermittelt die Credit Suisse-Studie für die ärmere Hälfte nur 2,8 Prozent des Reichtums, und für die oberen zehn Prozent 60 Prozent – für das reichste Prozent der Deutschen gehen den Bank-Ökonomen dann die Daten aus.

Das Schlimme am Apfel- und Birnen-Vergleich von Oxfam ist, dass nun alle Welt darüber debattiert, dass es nicht nur acht Männer sind, denen die Hälfte der Welt gehört. Anstatt sich endlich Gedanken zu machen, wie es gelingen kann, erheblich mehr Arme zu Reichen zu machen.

Oxfam-Studie

So bewertet Wirtschaftsethiker Posé das Handeln der Superreichen

Oxfam-Studie: So bewertet Wirtschaftsethiker Posé das Handeln der Superreichen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×