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13.07.2011

21:15 Uhr

Unglück belastet Staatsetat

Explosion macht Zypern zum vierten Hilfskandidaten

VonGerd Höhler

Der Inselstaat ist eines der schwächsten Mitglieder der Eurozone. Die Explosion eines Munitionsdepots verursacht Schäden in einer Höhe, die Zyperns Staat überfordern könnte. Und erneut sind die Banken der kritische Faktor.

Proteste gegen die Regierung erschüttern den Inselstaat Zypern. Quelle: dapd

Proteste gegen die Regierung erschüttern den Inselstaat Zypern.

AthenNach dem schweren Explosionsunglück vom Montag steht die Wirtschaft der Inselrepublik Zypern vor einem Desaster. Die Sachschäden der Katastrophe, bei der zwölf Menschen getötet wurden, gehen in die Milliarden. Der ehemalige Finanzminister Michalis Sarris warnt bereits: Zypern könnte als viertes Land der Eurozone nach Griechenland, Irland und Portugal internationale Hilfskredite benötigen.

Aus noch ungeklärter Ursache waren am frühen Montagmorgen auf einer Marinebasis an der Südküste der Insel zwei randvoll mit Munition gefüllte Container explodiert. Die zyprische Küstenwache hatte das Material Anfang 2009 nach einem Tipp von US-Diensten an Bord des russischen Frachters „Monchegorsk“ sichergestellt. Es handelte sich um eine illegale Waffenlieferung aus dem Iran, die für Syrien bestimmt war.

Seit zweieinhalb Jahren lagerten die Munitionscontainer auf dem Marinestützpunkt unter freiem Himmel, Wind und Wetter ausgesetzt – und nur 300 Meter neben dem größten und modernsten Kraftwerk Zyperns. Wiederholte Warnungen von Fachleuten, die Munition sei extrem explosionsgefährdet und müsse schnellstens entsorgt werden, schlug die Regierung in den Wind. Der kommunistische Inselpräsident Dimitris Christofias kommt deshalb unter wachsenden politischen Druck.

Weitaus schwerwiegender als die politischen Konsequenzen könnten die Folgen der Katastrophe für die Wirtschaft im griechischen Süden der Inselrepublik sein, die 2004 in die EU aufgenommen wurde und Anfang 2008 der Währungsunion beitrat. Das Kraftwerk von Vassilikos, das über 50 Prozent des Elektrizitätsbedarfs im griechischen Inselsüden deckte, wurde durch die Explosion verwüstet. Es dürfte viele Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis es wieder ans Netz gehen kann. Die Reparaturkosten werden in inoffiziellen Schätzungen auf ein bis zwei Milliarden Euro beziffert. Seit der Katastrophe muss im Süden der Insel immer wieder stundenweise der Strom abgeschaltet werden. Die besonders energiefressenden Meerwasser-Entsalzungsanlagen wurden stillgelegt und die Trinkwasserversorgung rationiert. Am Mittwoch verschärfte sich die Situation, weil es auch in einem der beiden verbliebenen Kraftwerke technische Probleme gab.

Kommentare (7)

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SabineM

13.07.2011, 22:32 Uhr

Unfassbar! Warum gibt man diesen Kindern auch so viele Waffen, wenn sie nicht damit umgehen können!? Es wird immer absurder! Wen sollen wir als nächstes Retten?

Hanschen

13.07.2011, 22:45 Uhr

Es kann gar nicht genug "Hilfskandidaten" geben, damit diese widerliche Währungsunion endlich gesprengt wird.

Nostradamus

13.07.2011, 23:42 Uhr

Überall fliegen „Schwarze Schwäne“ - hatten die Maya am Ende doch Recht 21.12.2012?

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