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28.06.2012

18:17 Uhr

Unicredit-Chefaufseher Vita

„Merkel macht alles richtig“

VonDieter Fockenbrock, Katharina Kort

ExklusivFür Giuseppe Vita, Verwaltungsratspräsident der führenden italienischen Bank Unicredit, wird Angela Merkel als Retterin Europas in die Geschichte eingehen. Die Kanzler mache alles zu hundert Prozent richtig.

"Merkel macht alles zu hundert Prozent richtig." - Giuseppe Vita Reuters

"Merkel macht alles zu hundert Prozent richtig." - Giuseppe Vita

DüsseldorfBundeskanzlerin Angela Merkel wird nach Ansicht von  Giuseppe Vita, Verwaltungsratspräsident der führenden italienischen Bank Unicredit, als „die Retterin des Euros und von Europa in die Geschichte eingehen“. Merkel mache alles zu hundert Prozent richtig.

Der 76-jährige ehemalige Schering-Chef und Aufsichtsratsvorsitzende des Verlagskonzerns Springer verteidigte im Gespräch mit dem Handelsblatt die harte Haltung der Kanzlerin gegenüber notleidenden Eurostaaten. „Man kann keine liquiden Mittel in eine Scolapasta (Nudelsieb; d. Red.) einfließen lassen. Erst müssen die Löcher geschlossen werden.“ Der Manager ist davon überzeugt, dass die gegenwärtige Krise die „politische Union Europa vorantreiben“ wird.  

Die Instrumente zur Euro-Rettung

Banken-Union

Pro: Mit einer gemeinsamen Einlagensicherung und mit einem EU-weiten Sicherheitsnetz für Europas Banken könnte zwei bedrohlichen Szenarien vorgebeugt werden: einem Bank-run, bei dem die Sparer panisch ihre Einlagen von der Bank abheben. Und der Gefahr, dass nationale Auffangfonds nicht ausreichen, um nationale Banken zu stützen.

Contra: Gesunde Banken, allen voran in Deutschland, müssten im Ernstfall für ihre maroden Konkurrenten in anderen Euroländern zahlen. Außerdem gibt es noch keine effiziente europäische Bankenaufsicht. Damit gelten für die Banken noch unterschiedliche Voraussetzungen - und es besteht keine Möglichkeit, die Geldhäuser zu kontrollieren und Abwicklungen und Restrukturierungen zu erzwingen.

Wahrscheinlichkeit: nur vorhanden, wenn es vorher eine effiziente europäische Bankenaufsicht gibt. Das soll die Europäische Zentralbank übernehmen. Wenn dazu eine überzeugende Einigung gelingt: 60 Prozent.

Direkte Bankenhilfe

Pro: Mit direkter Bankenhilfe aus dem ESM oder von der EZB wären Krisenländer wie Spanien ihr größtes Problem los: dass nämlich Notkredite der Europartner die Schuldenlast das Staatshaushaltes und damit die Pleitegefahr deutlich erhöhen. Der Rettungsfonds könnte den Banken direkt Sicherheiten zur Verfügung stellen, mit denen diese das notwendige Geld zur Rekapitalisierung aufnehmen. Im besten Fall verdient der ESM daran, weil er das Geld billiger aufnimmt als verleiht.

Contra: Bei direkter Bankenhilfe hätten die Euroländern keine Möglichkeit, Gegenleistungen von den Regierungen zu erzwingen. Zudem wäre nicht garantiert, dass die Banken die Unterstützung zurückzahlen, wenn kein Staat dahinter steht. Unklar ist überdies, wie Auflagen für die Banken selbst durchgesetzt werden sollten.

Wahrscheinlichkeit: Siehe BANKEN-UNION: ohne eine effiziente europäische Bankenaufsicht gleich null. Nach Aufbau einer europäischen Aufsicht: 70 Prozent.

Euro-Bonds

Pro: Dahinter verbirgt sich die Idee gemeinsamer Staatsanleihen, die von den Ländern der Eurozone ausgegeben würden. Ihr Reiz läge darin, dass alle Staaten zusammen für die Rückzahlung haften und sich so gegenseitig Rückendeckung geben. Dadurch könnten selbst von den Anlegern geschmähte Euro-Sorgenkinder wie Spanien, Italien und Griechenland wieder zu günstigeren Zinsen an frisches Geld kommen - und so ihre schwächelnde Konjunktur ankurbeln. Befürworter wie Frankreich hoffen, dass damit der Teufelskreis aus steigenden Staatsschulden und höheren Zinsen ein für alle Mal durchbrochen und ein abschreckendes Signal an Spekulanten ausgesendet wird.

Contra: Vergleichsweise solide haushaltende Staaten wie Deutschland, dessen Bundesanleihen bei Investoren als sicherer Hafen gelten und deshalb ein historisches Zinstief erreicht haben, müssten bei der Ausgabe gemeinsamer Euro-Bonds wieder höhere Renditen in Kauf nehmen - und somit Milliarden draufzahlen. Gegner monieren zudem fehlende Reformanreize für hoch verschuldete Staaten, weil großzügige Ausgabenpolitik die eigene Bonität nicht mehr direkt beeinträchtigen würden. Sie lehnen auch eine gesamtschuldnerische Haftung ab - denn beim Ausfall eines Schuldners müsste das Kollektiv, also Deutschland wie jedes andere Land, komplett für dessen Verbindlichkeiten haften.

Wahrscheinlichkeit: tendiert auf absehbare gegen Null Prozent, wegen des vehementen Widerstands der Bundesrepublik und anderer Nordländer.

Euro-Bills

Pro: Euro-Bills sollen die Kritiker der Euro-Bonds beschwichtigen, weil sie eine kürzere Laufzeit haben und in der Summe begrenzt wären. Mit ihrer Hilfe dürfte sich jeder Staat nur bis zu einem bestimmten Prozentsatz seiner Wirtschaftsleistung finanzieren. Wer die damit verbundenen Haushaltsregeln nicht einhält, würde im Folgejahr vom Handel mit den Papieren ausgeschlossen. Die Idee wurde in EU-Kreisen als Kompromiss lanciert, weil sich vor allem Berlin stoisch auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts beruft, das eine in Dauer und Höhe unbegrenzte Schuldenübernahme untersagt.

Contra: In Diplomatenkreisen werden die Euro-Bills als kleine Brüder der Euro-Bonds belächelt. Das erhoffte überwältigende Signal an Märkte und Spekulanten, dass Wetten gegen Euro-Staaten zum Scheitern verdammt sind, wären sie jedenfalls nicht mehr. Da Volumen und Laufzeit begrenzt sind, stellt sich zudem die Frage, ob sie die Nöte hoch verschuldeter Euro-Sorgenkinder unter steigendem Zinsdruck überhaupt effektiv zu lindern.

Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent, weil Euro-Bills weder für die Befürworter noch für die Gegner gemeinschaftlicher Staatsanleihen die erhoffte Lösung wären.

Schuldentilgungsfonds

Pro: Mit einem Schuldentilgungsfonds, wie ihn die fünf deutschen Wirtschaftsweisen vorgeschlagen haben, würden nur nationale Verbindlichkeiten jenseits von 60 Prozent gemeinschaftlich und zu niedrigen Zinsen bedient - also erst über der Marke, die der EU-Stabilitätspakt gerade noch zulässt. Bis zu dieser roten Linie müssten die Länder weiterhin alleine für ihre Schulden gerade stehen, andere Euro-Staaten also nicht für die gesamte Schuldensumme ihrer europäischen Partner haften. Der zu gründende Fonds würde sich selbst an den Finanzmärkten refinanzieren und dort über eine kollektive Haftung aller Mitgliedstaaten abgesichert.

Contra: Während neben der SPD und den Grünen zuletzt auch das Europäische Parlament und der Internationale Währungsfonds Sympathien für diese Lösung bekundet haben, hegt die Bundesregierung verfassungsrechtliche Zweifel. Koalitionspolitiker sehen in ihr den Einstieg in die Vergemeinschaftung von Schulden, wie sie die No-Bailout-Klausel der europäischen Verträge verbiete. Die Bundesbank empfindet schon die Bezeichnung "Schuldentilgungspakt" als missverständlich, weil damit keine harten Einsparauflagen und Überschüsse zur Rückzahlung der Staatsschulden einhergingen.

Wahrscheinlichkeit: 20 Prozent, da der Tilgungsfonds letztlich zwar ebenfalls die Übernahme fremder Schulden bedeutet, allerdings zu einem geringeren Umfang als bei Euro-Bonds oder Euro-Bills.

Projektbonds

Pro: Mit der Ausgabe dieser Projektanleihen sollen in der EU bis Ende 2013 Privatinvestitionen von rund 4,5 Milliarden Euro mobilisiert werden. Dafür stünden in einer Pilotphase zwar nur 230 Millionen Euro aus dem EU-Budget zur Verfügung, Brüssel hofft jedoch auf einen 20-fachen Hebelfaktor: Mit der Europäischen Union im Rücken sollen Investoren kreditwürdiger erscheinen, dadurch an billigeres Geld kommen und so grenzüberschreitende Verkehrs- oder Energieprojekte finanzieren. Es bestünde also die Hoffnung, mit relativ geringem Risiko einen beachtlichen Effekt zu erzielen.

Contra: Skeptiker halten dem entgegen, dass sich für ökonomisch sinnvolle Projekte meist auch ohne staatliche Hilfe Privatinvestoren finden. Außerdem gebe es bislang lediglich eine Hand voll konkreter Vorhaben, die zudem nicht alle besonders ausgereift konzipiert seien.

Wahrscheinlichkeit: 95 Prozent, da eine informelle Einigung bereits Ende Mai erzielt wurde und die einzusetzenden Mittel in einem günstigen Verhältnis zum erhofften Nutzen stünden.

Vita fordert zugleich, dass Deutschland den notleidenden Staaten mehr entgegenkommen muss. „Gerade die Deutschen sollten wissen, dass reiche Bundesländer einstmals schwächere Bundesländer unterstützt haben.“ So etwas „kann das auch auf europäischer Ebene passieren, wenn die Stärkeren den Schwächeren helfen.“

Vita unterstützt eine europäische Bankenunion. Die „Europäisierung der Bankenlandschaft müsste mit einer Europäisierung der Bankenaufsicht einhergehen.“

Befürchtungen deutscher Sparer, dann mit ihren Einlagen für spanische Banken haften zu müssen, teilt Vita nicht. Niemand „muss Angst“ haben wenn die Kontrolle intensiviert werde und zuvor die Löcher gestopft würden.

Nachdem die traditionsreiche Bank Monte die Paschi gerade zwei Milliarden Euro Hilfe vom Staat benötigt, schließt Vita aber für Unicredit auch auf längere Sicht jeden Bedarf aus. „Unicredit hat in der Vergangenheit keinen einzigen Euro von der italienischen Regierung bekommen und braucht das auch heute und morgen nicht.“

Selbst für die Fortdauer der schwierigen Lage der Banken sieht Vita sein Institut niocht gefährdert. „Wenn UniCredit je Staatsgeld brauchen würde, wären die Banken in ganz Europa in Not.“  Unicredit hat sich in den vergangenen vier Jahren durch mehrfache Kaiptalerhöhungen 14,5 Milliarden Euro frisches Kapital ausschließlich vom Markt besorgt.

Kommentare (54)

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Account gelöscht!

28.06.2012, 18:27 Uhr

Es ist immer das Gleiche.

Die FPIIGS wollen ihre Staatsschulden mit allen Trix loswerden, dabei ist vollkommen egal, wie das Instrument dazu heisst:

- Eurobonds kauft Schrott-Papiere
- Schuldentilgungsfond kauft Schrott-Papiere
- Bankenunion kauft Schrott-Papiere
- EZB kauft Schrott-Papiere

immer wird ein neuer Fond aufgemacht, mit Milliarden ausgestattet für die Deutschland zahlt oder haftet.

Martin Schulz (SPD) steht voll auf der Seite der FPIIGS und wettert dagegen, dass Deutschland nicht mehr Geld verschleudern will. Warum schliesst ihn die SPD nicht aus ? Warum will SPD / GRÜNE Deutschland finanziell zugrunde richten ??

Frau Merkel, die Deutschen lieben ihr: "NO, NO, NO, NO" !!

Luegenmaerchen

28.06.2012, 18:27 Uhr

Das Lob aus solch einem Munde sollte zu denken geben. Erst führt Merkel durch die Hintertür ESM Eurobonds ein, die sie angeblich voll und ganz ablehnt, und nun wird auch noch die Bankenunion gefordert, der Schäuble sich ja schon sehr zugeneigt gezeigt hat, damit nicht nur der deutsche Staat, sondern auch noch der private deutsche Sparer bis auf die Knochen ausgeplündert wird. Denn nur ein ausgebluteter Deutscher ist ein guter Deutscher.

Account gelöscht!

28.06.2012, 18:28 Uhr

Die EU ist nur eine Macht-Krake. Ständig fährt Barroso und Rompuy die Finger aus um entweder direkt ans Geld der Deutschen zu kommen oder die Banken zu beherrschen oder uns die Schulden andere aufzuzwingen. Widerliche EU. Weg mit dem EURO.

Die 80er Jahre mit EWG-Verbund der Länder EUropas waren goldene Zeiten. Eigenständigkeit und wirtschaftlich verbunden mit einzelnen Währungen und einzelnen Notenbanken, die auf die wirtschaftlichen Verhältnisse im jeweiligen Land reagieren konnten. Alles frei und fein einjustiert.
Dahin müssen wir zurück in Europa. Vielfalt in Freiheit.

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