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15.11.2012

02:55 Uhr

Unmut über Sparpolitik

Krawalle bei europaweiten Protesten

In den EU-Krisenländern fahren die Regierungen einen scharfen Sparkurs. Vielen geht es immer schlechter. Zehntausende machten europaweit bei Protesten ihrem Ärger Luft - auch mit Gewalt.

Der Unmut über die Sparpolitik wächst europaweit. In Rom berichteten Reporter am Abend von Guerilla-ähnlichen Zuständen. dpa

Der Unmut über die Sparpolitik wächst europaweit. In Rom berichteten Reporter am Abend von Guerilla-ähnlichen Zuständen.

Madrid/LissabonBei europaweiten Protesten gegen die Sparpolitik ist es in Italien, Spanien und Portugal zu schweren Krawallen gekommen. In Rom sprachen Reporter am Mittwoch von Guerilla-ähnlichen Szenen. In Lissabon artete eine Protestkundgebung von Tausenden von Menschen am Rande eines Generalstreiks am Abend in Gewalt aus. In Spanien wurden bei Demonstrationen während eines landesweiten Generalstreiks nach Angaben der Behörden 74 Menschen verletzt, darunter 18 Polizeibeamte. Etwa 120 Streikende wurden nach Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften festgenommen.

Millionen Beschäftigte legten in mehreren Euro-Krisenländern die Arbeit nieder. In Spanien und Portugal brachten 24-stündige Generalstreiks ganze Wirtschaftsbereiche zum Erliegen. Von den Aktionen waren auch der internationale Flug- und Bahnverkehr betroffen. Ein Verkehrschaos blieb jedoch weitgehend aus.

Am Abend protestierten Hunderttausende Spanier und Portugiesen auf Massendemonstrationen gegen die Sparpolitik ihrer Regierungen. In Spanien bezifferte das Innenministerium die Zahl der Demonstranten auf 800 000. Die Gewerkschaften sprachen allein in Madrid und Barcelona von zwei Millionen. In beiden Städten kam es im Anschluss an die Kundgebungen zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Beamten gingen mit Tränengas, Gummigeschossen und Schlagstöcken gegen Randalierer vor.

In Lissabon wurden Polizisten in der Nähe des Parlaments mit Steinen, Flaschen, Böllern und Farbbeuteln beworfen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Lusa feuerten die Beamten Schüsse in die Luft ab, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Auf den Stufen des Parlaments wurden nach Medienberichten Verletzte behandelt. In Rom warfen Schüler und Studenten Steine, Flaschen und Sprengsätze auf die Polizei, die Sicherheitskräfte rückten mit gepanzerten Fahrzeugen vor. In Turin wurden drei Polizisten bei Krawallen verletzt, einer von ihnen schwer.

In Spanien brachte der Generalstreik die Produktion in den Autowerken von Konzernen wie Volkswagen, Seat, Opel oder Nissan weitgehend zum Erliegen. Die Gewerkschaften bezifferten die Beteiligung am Generalstreik auf über 70 Prozent der Beschäftigten. Bei den Bahnen, U-Bahnen und Bussen war ein Mindestbetrieb vereinbart worden. In Portugal waren vor allem der Verkehrsbereich und der öffentliche Dienst betroffen. In Lissabon fuhr die U-Bahn nicht, im ganzen Land blieben Züge und Busse stehen. Auch die Post, Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen wurden bestreikt.

In Griechenland legten Zehntausende Beschäftigte, hauptsächlich Staatsbedienstete, für drei Stunden die Arbeit nieder. Tausende demonstrierten im Zentrum Athens. „Der Sparpakt schadet ernsthaft der Gesundheit“, stand auf Transparenten. Auch in Paris protestierten mehrere Tausend Menschen unter dem Motto „Für Beschäftigung und Solidarität - gegen Sparmaßnahmen“. Rund 250 Demonstranten versammelten sich am Brandenburger Tor in Berlin.

Der Europäische Gewerkschaftsbund hatte den Mittwoch zum „Solidaritätstag“ erklärt. DGB-Chef Michael Sommer forderte einen Kurswechsel im Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Vor allem die Reichen müssten mehr beteiligt werden, um den wirtschaftlichen Wiederaufbau voranzubringen, sagte Sommer dem RBB-Inforadio.

Auch der Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbands IIF, Charles Dallara, kritisierte die strengen Sparmaßnahmen für Griechenland und Europa. Es müsse ein besseres Gleichgewicht zwischen Wachstum und Sparpolitik zur Überwindung der Finanzkrise gefunden werden, sagte Dallara in Athen. Endloses Sparen führe zu wenig oder keinem Wachstum.

In Madrid kam es im Laufe des Abends zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. AFP

In Madrid kam es im Laufe des Abends zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Durch die Streiks kam es zu erheblichen Behinderungen und Ausfällen im Bahn- und Flugverkehr. Dutzende Verbindungen von und nach Deutschland wurden gestrichen. In Spanien und Portugal sagten die Fluggesellschaften Hunderte Flüge ab. Auch in Großbritannien, den Niederlanden und anderen Ländern kam es zu Ausfällen.

In Belgien legte ein 24-stündiger Streik der Bahnmitarbeiter den Zugverkehr weitgehend lahm. Die Deutsche Bahn setzte auf der ICE-Verbindung von Aachen nach Lüttich Ersatzbusse ein. Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys zwischen Deutschland und Belgien verkehrte nicht.

Von

dpa

Kommentare (21)

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husky1501

14.11.2012, 23:58 Uhr

Wir leben schon in einer komischen Welt, regen uns zu recht über die Verletzung von Menschenrechten in China und andernorts auf, schweigen aber, wenn die Menschen in Europa niedergeknüppelt werden.

EUROPE SHAME ON YOU!

Vicario

15.11.2012, 01:31 Uhr

• Und wo war heute die Berichterstattung ARD,ZDF ( Staatsfernsehen ) über die Ereignisse in Europa..?

Die ARD zeigte dem Volk eine lahme, lustlose, querschiebende deutsche elf
und das ZDF machte mit der Will eine SPD - Wahlkampfsendung...?!

Schlicht und einfach eine Sauerei für die 8 Mrd. € , die der Steuerzahler diesen Anstalten hinterherschieben muß !

gletschermann

15.11.2012, 02:55 Uhr

Europa erhebt sich zu recht ,aber warum Angela Merkel dennoch an ihrem Spardiktat festhält, Deutschland hat seit 2001 mit seinen chronischen Exportüberschüssen ein Guthaben von ca.630 Milliarden Euro gegenüber den übrigen Euro-Ländern aufgebaut. Mit den Sparprogrammen, halten Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble die Illusion aufrecht, diese Forderungen seien noch werthaltig. So könnten sie ihren Banken massive Verluste – vorerst – ersparen. So gesehen hat Merkels Sparpolitik Europas Arbeitnehmer zu Geiseln der deutschen Banken gemacht,und eine ganze EU- Generation in Perspetivelosikeit verbannt !!!

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