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30.05.2016

10:37 Uhr

Uno

Keine Heilige Kuh, eher ein Rindvieh

VonMichael Wolffsohn

Die Uno gilt bis heute als Instanz des Guten und als Wertverteidiger der Internationalen Gemeinschaft. Doch unter ihrem Deckmantel wird geraubt und vergewaltigt. Sie ist längst mehr Problem als Lösung. Ein Gastbeitrag.

Die Internationale Gemeinschaft gilt vielen als heilige Kuh, dabei ist sie eher ein Rindvieh. dpa

Rindvieh statt heilige Kuh

Die Internationale Gemeinschaft gilt vielen als heilige Kuh, dabei ist sie eher ein Rindvieh.

Wer Werte in der Weltpolitik fordert, beruft sich fast immer auf „die Internationale Gemeinschaft“. Das klingt fabelhaft weltoffen, weltbürgerlich und hochmoralisch. Keiner weiß, keiner soll wissen, was genau inhaltlich darunter zu verstehen ist.

Wer dazugehört, muss gar nicht benannt werden. Allein ein Signal ist für die gedachten Empfänger entscheidend: „Wenn du zustimmst oder gar mitmachst, bist du dabei. Du schwimmst im Hauptstrom.“

Im Klartext: Die Vokabel „Internationale Gemeinschaft“ ist demnach nichts Anderes als, neudeutsch, politisches „Mainstreaming“. Früher sprach man eher vom „Mitläufertum“. Das wiederum ist eine gar schreckliche Vokabel. Sie erinnert an das Nazi-Drittreich und schlägt den Bogen zur Gegenwart, also zu uns.

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Professor Tacheles

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Wer in und mit der Internationalen Gemeinschaft denkt und fühlt, gehört zum Hauptstrom der Guten. Wenn er oder sie dabei nicht mitmacht oder auch nur mitläuft, mitdenkt, mitfühlt, gehört eben nicht zu den Guten. Er entzieht sich selbst der Gemeinschaft, und er ist auszuschließen. Wer will das? Kaum jemand, denn schon die alten Griechen wussten, dass der Mensch ein „zoon politikon“ ist, will sagen: ein soziales Wesen.

Das bedeutet:  Der Mensch an sich hat „Isolationsangst.“ So heißt das im modernen Fachjargon. Wer will, wer kann isoliert sein? Die Wenigsten. Das ist verständlich, denn wir sind eben alle Menschen, also solche schwach und fürchten, isoliert zu sein.

Folglich sind wir Mitläufer, und die Grundtatsache des menschlichen Seins wird politisch so oder so gebraucht. Mal gebraucht, mal missbraucht.

Für die Internationale Gemeinschaft, fürs Gute an sich also, wird sie gebraucht und – versteht sich – nicht missbraucht. Basta. Eine Ergänzungs- oder Ersatzvokabel für die International Gemeinschaft sind die „Vereinten Nationen“, ist die Uno. Sowohl Uno als auch und erst recht die Internationale Gemeinschaft sind bei uns Heilige Kühe.

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