Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.03.2011

04:40 Uhr

Muammar Gaddafi droht dem UN-Sicherheitsrat. Quelle: Reuters

Muammar Gaddafi droht dem UN-Sicherheitsrat.

Tripolis/New York/KairoDie Vereinten Nationen haben den Weg für ein militärisches Vorgehen gegen Libyen frei gemacht.

Das Votum wurde von den Rebellen ausgelassen gefeiert. Das Regime des libysche Regime schlug überraschend versöhnliche Töne an. Der stellvertretende Außenminister Chalid Kaim brachte sogar die Möglichkeit einer Waffenruhe ins Gespräch.

Nach der am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York vom Sicherheitsrat verabschiedeten Resolution gibt es nicht nur ein Flugverbot über dem nordafrikanischen Land, um die Zivilisten vor der Luftwaffe des Machthabers Muammar al-Gaddafi zu schützen. Erlaubt ist militärisch fast alles - bis auf Bodentruppen. Deutschland enthielt sich in der Abstimmung und will das auch bei Luftschlägen tun.

Kaim bot vor Journalisten in Tripolis Gespräche über eine Waffenruhe an. „Wir sind bereit zu einer solchen Entscheidung, aber wir brauchen einen Gesprächspartner, um darüber zu diskutieren, wie das umzusetzen ist.“ Tripolis wolle positiv mit der Entscheidung des UN-Sicherheitsrats umgehen. Die Regierung werde Zivilisten schützen. Die internationale Gemeinschaft solle eine Kommission entsenden, die sich mit der Lage im Land auseinandersetzen soll, forderte Kaim.

US-Präsident Barack Obama telefonierte mit dem britischen Regierungschef David Cameron und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Alle drei hätten darin übereingestimmt, dass Libyen „unverzüglich allen Bestimmungen in der Entschließung nachkommen und dass die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung von Libyen enden muss“, teilte das Weiße Haus in der Nacht zum Freitag mit.

Wie es weiter hieß, vereinbarten Obama, Cameron und Sarkozy eine enge Koordination „der nächsten Schritte“ und eine weitere Zusammenarbeit mit arabischen und anderen internationalen Partnern, „um die Durchsetzung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zu Libyen sicherzustellen“.

Bei der Abstimmung enthielten sich die Vetomächte Russland, China sowie Indien, Brasilien und auch Deutschland. „Deutschland unterstützt die wirtschaftlichen Sanktionen voll, denn die Herrschaft des Muammar al-Gaddafi ist vorbei und muss beendet werden“, sagte Berlins UN-Botschafter Peter Wittig. „Aber der Einsatz des Militärs ist immer extrem schwierig und wir sehen große Risiken.“ Deutschlands Luftwaffe werde sich nicht an einem Einsatz gegen Gaddafi beteiligen. „Die Gefährdung von Leben darf nicht unterschätzt werden. Wir sollten nicht in den Kampf gehen mit der Hoffnung auf einen schnellen Erfolg und geringe Opfer.“

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte das Votum als eine „historische Entscheidung“. Wegen der kritischen Lage vor Ort erwarte „unmittelbares Handeln“, hieß es in einer von der Weltorganisation in der Nacht verbreiteten Erklärung.

Die Europäische Union begrüßte die Libyen-Resolution. Diese sei „eine klare Grundlage für die Mitglieder der internationalen Gemeinschaft, der Zivilbevölkerung Schutz zu gewähren“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton vom Freitagmorgen in Brüssel. Nun sei die Kooperation mit der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union wichtig. Die EU werde sich auch mit anderen internationalen Partnern darüber verständigen, „wie wir am besten so rasch wie möglich zur Umsetzung der Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates beitragen können“. Der EU-Gipfel am 24. März werde über die Lage in Libyen beraten „und die nötige Beschlüsse in dieser Hinsicht treffen“. Eu-Parlamentspräsident Jerzy Buzek erklärte, er sei „froh, dass die internationale Gemeinschaft endlich konkrete Schritte ergriffen hat, um Gaddafi daran zu hindern, sein eigenes Volk umzubringen.“ Das EU-Parlament hatte sich mit großer Mehrheit für die Errichtung einer Flugverbotszone ausgesprochen.

Die Entscheidung wurde in der Rebellenhochburg Bengasi begeistert gefeiert. Menschen verfolgten in der Nacht zum Freitag im Zentrum von Bengasi das mit Spannung erwartete Votum des Weltsicherheitsrates auf einer Großbildleinwand mit. Als das Ergebnis verkündet wurde - das höchste Weltgremium billigte „alle notwendigen Maßnahmen“, um die Zivilbevölkerung in Libyen zu schützen -, brachen sie in Freudenstürme aus. Sie riefen „Libyen! Libyen!“ und schwenkten die rot-schwarz-grünen Fahnen der Vor-Gaddafi-Ära. Viele schossen in die Luft, auch Feuerwerksraketen stiegen hoch. Auch in Tobruk kam es zu Freudenkundgebungen.

Von

dpa

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Island

17.03.2011, 18:41 Uhr

Text:
Ohne ein sofortiges Flugverbot droht nach den Worten von Libyens Vizebotschafter Ibrahim Dabbashi ein Völkermord. „Gaddafi hat den Verstand verloren. Er greift mit Kampfflugzeugen Zivilisten in dichtbewohnten Städten an“, sagte er in New York. Dabbashi hatte sich vor einem Monat von Gaddafi losgesagt. „Wenn die Weltgemeinschaft nicht sofort handelt, dann wird es einen furchtbaren Völkermord geben.“


Ich kenne zwar nicht „Gaddafi“ aber er scheint so normal zu sein wie „Bomber Harris“ es wurden Städte wie Dresden, Hamburg, Bielefeld, Münster, Köln, Berlin, Breslau, Königsberg etc.

Ausgelöscht!

Niemand sprach von Völkermord!




Havit

17.03.2011, 19:50 Uhr

Am Beispiel Lybiens kann man wieder einmal erkennen, was die EU darstellt. Ein Haufen Jammerlappen, die sich nie einig sind, wenn auf die schnelle Art etwas entschieden werden muss. Man darf sich nicht vorstellen, dass Europa mal angegriffen werden kann. Die Nato müsste beim Angreifer eine Schonfrist für etliche Jahre beantragen um eine Entscheidung herbeizuführen. Westerwelle kann seinen Krieg in Afghanistan führen, aber vor der eigenen Haustüre spielt er den grossen Waschlappen Deutschlands.

Account gelöscht!

17.03.2011, 20:08 Uhr

Deutschland hat ja schon von vorneherein abgelehnt, eine Flugverbotszone einzurichten. Gadaffi ist schließlich Deutschlands Freund.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×