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03.06.2011

18:25 Uhr

Uno-Tribunal

Mladic nennt Vorwürfe "abscheulich" und "monströs"

Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic hat die Vorwürfe des Uno-Tribunals in Den Haag mit scharfen Worten zurückgewiesen. Reue zeigt der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben nicht.

Ratko Mladic präsentierte sich dem Gericht als schwer kranker Mann. Quelle: dapd

Ratko Mladic präsentierte sich dem Gericht als schwer kranker Mann.

Den Haag„Abscheulich“ und „monströs“ - mit diesen Worten hat der frühere Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, bei seinem ersten Erscheinen vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal jede Schuld am Massaker von Srebrenica von sich gewiesen. „Ich habe mein Volk verteidigt, mein Land. Jetzt verteidige ich mich selbst“, sagte der als „Schlächter vom Balkan“ in den 1990er Jahren berühmt-berüchtigt gewordene frühere Berufssoldat am Freitag. Er schüttelte seinen Kopf, als Richter Alphons Orie eine Zusammenfassung der Anklageschrift verlas und dabei den Mord an 8000 muslimischen Männern und Jungen im Juli 1995 schilderte. Empört sagte Mladic, er wolle kein einziges Wort davon hören.

Mladic war vor gut einer Woche in Serbien festgenommen und am Dienstag an das UN-Tribunal in den Niederlanden ausgeliefert worden - fast 16 Jahre nachdem Anklage gegen ihn erhoben wurde. Ihm werden Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 vorgeworfen. Die Anklage umfasst elf Punkte, insbesondere neben dem Massaker von Srebrenica auch die 43 Monate währende Blockade Sarajevos, bei der etwa 12.000 Menschen getötet wurden. Die bosnisch-serbischen Truppen hätten damals unentwegt die bosnische Hauptstadt beschossen, um die Bewohner „zu töten, zu verstümmeln, zu verletzen und zu terrorisieren“, erläuterte Richter Orie. Mladic hörte gespannt zu, gelegentlich schüttelte er seinen Finger.

„Ich will nur sagen, dass ich es erleben möchte, ein freier Mann zu sein“, sagte Mladic. Einst auf dem Schlachtfeld von einschüchternder Statur, wirkte der 69-Jährige im Gerichtssaal älter als er ist, er sprach undeutlich und sein rechter Mundwinkel schien leicht herabzuhängen. Er trug einen grau gestreiften Anzug und eine hellgraue Militärkappe, die er später absetzte. Er sei schwer krank, sagte Mladic. Aber er wolle keine Hilfe beim Gehen, „als ob ich ein blinder Krüppel bin. Wenn ich Hilfe will, werde ich darum bitten.“ Mladic gab an, er habe noch keine Zeit gehabt, die Gerichtsunterlagen vollständig durchzulesen. Am 4. Juli muss er nun erneut vor Gericht erscheinen. Es wird mit einem langen Verfahren gerechnet.

Zahlreiche Hinterbliebene waren nach Den Haag gekommen, um Mladic' Auftritt mitzuerleben. „Ich bin hierhergekommen, um zu sehen, ob seine Augen noch blutig sind“, sagte Munira Subasic, deren Mann und 18-jähriger Sohn in Srebrenica getötet wurden. „1995 habe ich ihn angefleht, meinen Sohn freizulassen. Er hat mir zugehört und versprochen, ihn freizulassen. In dem Moment habe ich ihm vertraut. Sechzehn Jahre später suche ich noch immer nach den Gebeinen meines Sohns.“ In Sarajevo verfolgte Ramiza Gurdic den Auftritt vor Gericht am Fernsehbildschirm. „Er hat kein Reue gezeigt, er hat das Gericht missachtet“, sagte sie.

Doch Mladic erfährt auch viel Unterstützung. Zahlreiche Anhänger hatten gegen seine Festnahme und Auslieferung protestiert. Für viele ist er kein Kriegsverbrecher, sondern ein Kriegsheld. Dem UN-Tribunal werfen sie vor, parteiisch zu sei. Jahrelang lebte Mladic in Belgrad unbehelligt. Sein Rückhalt begann erst zu bröckeln, als der internationale Druck auf Serbien größer wurde und dem Land die Chance auf eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union zu entgleiten drohte.

Von

rtr

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