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26.02.2004

14:20 Uhr

Uno-Vertreter empört

Geheimdienst soll Annan bespitzelt haben

Der britische Geheimdienst hat einem ehemaligen Regierungsmitglied zufolge vor Beginn des Irak-Krieges Uno-Generalsekretär Kofi Annan ausspioniert. Die britische und die US-Regierung bemühten sich zum damaligen Zeitpunkt um die Unterstützung der Vereinten Nationen (Uno) für einen Einmarsch in das arabische Land, allerdings vergeblich.

HB LONDON. Der britische Premierminister Tony Blair lehnte eine Stellungnahme zu den Äußerungen seiner ehemaligen Entwicklungshilfeministerin Clare Short ab. Er habe nicht die Absicht, die Operationen der Geheimdienste zu kommentieren, sagte er am Donnerstag in London. Shorts Angaben seien „zutiefst unverantwortlich“ und gefährdeten die Sicherheit Großbritanniens. Blair steht bereits wegen seiner Begründung des Krieges mit dem irakischen Waffenpotenzial unter großem innenpolitischem Druck und hat stark an Popularität verloren.Ein Uno-Vertreter verurteilte eine Spionageaktion, wie sie von Short beschrieben wurde, als illegal.

Short hatte im BBC-Hörfunk auf die Frage, ob britische Agenten angewiesen worden seien, in der Uno tätig zu werden, geantwortet: „Ja, absolut.“ Besonders Annans Büro sei Ziel der Aktion gewesen. „Ich habe einige Abschriften von Aufzeichnungen seiner Gespräche gelesen“, fügte sie hinzu. Short war im Mai aus Protest gegen den Einmarsch in den Irak im März vergangenen Jahres zurückgetreten.

Der stellvertretende Leiter des Uno-Büros in Brüssel, Andreas Nicklisch, bezeichnete eine Bespitzelung als „nicht völlig überraschend, weil wir das schon immer vermutet haben“. „Das ist natürlich illegal“, fügte er hinzu. Weil die Uno absolut transparent und offen arbeite, sei es auch völlig unnötig.

Short war in dem Interview zum Geständnis einer Übersetzerin befragt worden, die ein Dokument über US-Pläne zur Bespitzelung von Uno-Vertretungen verbreitet haben soll. Die britische Tageszeitung „Observer“ zitierte aus dem Dokument, einer E-Mail, die US-Regierung habe Großbritannien um Hilfe gebeten, die Büros von Delegierten der damals im Uno-Sicherheitsrat vertretenen Staaten Chile, Mexiko, Kamerun, Angola, Guinea und Pakistan zu verwanzen.

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