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28.01.2008

17:55 Uhr

Unruhen dauern an

Schon 800 Menschen in Kenia getötet

Erneut sind in Kenia hunderte Anhänger rivalisierender Stämme aufeinander losgegangen. Die Unruhen, die mit der umstrittenen Präsidentenwahl im Dezember ihren Anfang nahmen, haben inzwischen 800 Menschenleben gefordert. Die EU droht nun mit dem Einfrieren der Entwicklungshilfe.

HB NAIVASHA. Bei den seit einem Monat anhaltenden Stammeskämpfen in Kenia sind inzwischen 800 Menschen getötet worden. Mit Macheten, Knüppeln und Steinen gingen auch zum Wochenbeginn hunderte Anhänger rivalisierender Stämme in der Stadt Naivasha nordwestlich von Nairobi aufeinander los. Aus zwei anderen Orten in Westkenia wurden brennende Wohnhäuser, Busse und Geschäfte gemeldet. Die EU drohte Kenia indirekt mit einer Kürzung von Entwicklungshilfe, falls der gewaltsame Konflikt nicht beigelegt wird.

Ausgelöst wurde die Gewalt in dem ostafrikanischen Land Ende Dezember durch die höchst umstrittene Präsidentenwahl, bei der Mwai Kibaki in seinem Amt bestätigt wurde. Am vergangenen Donnerstag war er mit Oppositionsführer Raila Odinga zu ersten direkten Gesprächen über eine Konfliktlösung zusammengekommen.

Zu einer Beruhigung der Lage hat das bisher nicht beigetragen. In Naivasha wurden am Wochenende nach offiziellen Angaben mindestens 22 Menschen getötet. Mindestens fünf von ihnen verbrannten in ihren Häusern, wie ein Polizeisprecher erklärte. Andere wurden nach Angaben eines örtlichen Reporters mit Macheten erschlagen.

Auch in zwei weiteren westkenianischen Orten kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. In Kisumu wurden Häuser und Busse in Brand gesetzt. Junge Männer blockierten eine Straße mit brennenden Reifen. Ein Busfahrer verbrannte nach Augenzeugenberichten. „Die Straße ist mit Blut bedeckt“, beschrieb ein kenianischer Fernsehreporter die Situation. In Kakamega kam es zu Brandanschlägen auf ein Hotel und zwei Geschäfte. Die Polizei setzte Tränengas ein.

In die Leichenhalle von Nakuru, der Hauptstadt der Provinz Rift Valley, wurden nach Kämpfen zwischen Kikuyu und Mitgliedern anderer Stämme am Sonntag 55 Tote in die Leichenhalle eingeliefert. Die Kikuyu sind der Stamm des Präsidenten Kibaki. Oppositionsführer Odinga gehört dem Stamm der Luo an. Seitdem Kibaki zum Sieger der Wahl erklärt wurde, kommt es zu Zusammenstößen mit der Polizei und Stammeskämpfen. Anfangs waren vor allem Kikuyu unter den Opfern. Jetzt sind sie offenbar zur Offensive übergegangen.

Derzeit bemüht sich der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan um Vermittlung in dem Konflikt. Der britische Staatsminister für Afrika, Mark Malloch-Brown, sagte am Montag nach Gesprächen mit Annan, Odinga und Kibaki, es gebe kaum Fortschritte. „Der Level der Wut auf beiden Seiten wächst exponentiell.“

In Brüssel befassten sich die EU-Außenminister mit der Lage in Kenia. „Sollte keine nachhaltige und einvernehmliche politische Lösung gefunden werden, so würde dies das Engagement von Geberländern in Kenia und die Beziehungen zwischen der EU und Kenia beeinflussen“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Für Kenia sind in den kommenden fünf Jahren 383 Mill. Euro Entwicklungshilfe aus dem EU-Haushalt eingeplant. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nannte die Situation in dem ostafrikanischen Land beunruhigend. „Leider hat sich trotz vieler Bemühungen auch der internationalen Staatengemeinschaft die Lage nicht beruhigt."

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