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19.08.2013

09:10 Uhr

Unruhen in Ägypten

Aufständische töten 25 Polizisten

Mit Panzerfäusten haben Unbekannte am Montag zwei Fahrzeuge angegriffen und 25 Polizisten getötet. Zuvor waren 35 gefangene Islamisten bei einem Fluchtversuch ums Leben gekommen.

Krise in Ägypten

Dutzende islamistische Gefangene gestorben

Krise in Ägypten: Dutzende islamistische Gefangene gestorben

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KairoIn Ägypten geht das Blutvergießen weiter. Extremisten haben am Montag in der ägyptischen Stadt Rafah 25 Polizisten getötet. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden zwei Fahrzeuge der Ordnungspolizei am Morgen von Unbekannten mit Panzerfäusten aus einem Hinterhalt angegriffen, als sie sich von Rafah aus in Richtung Westen in Bewegung setzten. Zudem seien zwei Polizisten verletzt worden.

Rafah liegt auf der Sinai-Halbinsel an der Grenze zum palästinensischen Gazastreifen. Im vergangenen August waren bei einem Anschlag in der Nähe von Rafah 16 Soldaten getötet worden. Die Region gilt als Hochburg militanter Salafisten. Außerdem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und den Betreibern der Schmugglertunnel, durch die Waffen und Waren des täglichen Bedarfs in den Gazastreifen gelangen.

Zuvor waren bei einem Fluchtversuch von Islamisten aus einem Gefangenentransport mindestens 35 Mitglieder der Muslimbruderschaft getötet worden. Die Männer seien an von der Polizei eingesetzten Tränengas erstickt, teilte das Innenministerium in der Nacht zum Montag mit. Damit stieg die Zahl der Todesopfer der Auseinandersetzungen der vergangenen Tage auf fast 800. Die EU-Staaten wollen am Montag nach einer gemeinsamen Linie angesichts der Gewalt suchen.

Fragen und Antworten zur Reise nach Ägypten

Was sagt das Auswärtige Amt?

Das Auswärtige Amt in Berlin hat seinen Sicherheitshinweis für Ägypten entschärft. Es rät seit Ende September nicht mehr grundsätzlich von Reisen dorthin ab. Touristen sollten aber im ganzen Land – ausdrücklich auch in den Badeorten am Roten Meer – besonders vorsichtig sein, rät das Ministerium.

Von Reisen nach Kairo, in die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nil-Kreuzfahrten) und in das Nildelta wird abgeraten. Auch in die anderen Gebiete wie die Touristen-Hochburgen am Roten Meer sollten Deutsche derzeit aber nicht fahren. Demonstrationen und Menschenansammlungen, insbesondere vor religiösen Stätten sollten unbedingt gemieden werden.

Das Auswärtige Amt rät außerdem von Reisen in entlegene Gebiete der Sahara eindringlich ab. Dies gilt insbesondere für die Grenzregionen zu Libyen und zum Sudan.

Kann ich meine Reise jetzt kostenlos stornieren?

Da unterscheiden sich die Meinungen. Zahlreiche Reiseveranstalter akzeptieren kostenlose Stornierungen nur bei einer offiziellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, wie sie für den Nordsinai und das Grenzgebiet zu Israel gilt. Der Reiserechtler Paul Degott sagt aber, eine Kündigung sei immer in einer Situation höherer Gewalt möglich, wenn diese die Reise konkret betreffe und so zum Beispiel „der planmäßige Erholungsurlaub nicht mehr möglich ist“. Dies sei in Ägypten mittlerweile der Fall. Die Anbieter müssten bei Stornierung also den gesamten Reisepreis zurückzahlen. Bei vorzeitiger Abreise müsse vom Verbraucher nur der erbrachte Teil der Reise und die Rückreise bezahlt werden.

Wie reagieren die Anbieter in der aktuellen Situation?

Zahlreiche Anbieter haben ihre Reisen für die kommenden Wochen komplett abgesagt. Andere bieten ihren Kunden kostenlose Umbuchungen, wollen aber keine Stornierungen akzeptieren. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, dass Verbraucher eine Umbuchung durch ihren Reiseveranstalter nicht akzeptieren müssen.

Was sollten Touristen tun, die schon vor Ort sind?

Das Auswärtige Amt hält die Lage in den Touristenorten am Roten Meer noch für „ruhig“. Nach Angaben von TUI und Thomas Cook können Urlauber, die bereits in Ägypten sind, ihre Reise fortsetzen. Sie sollten sich lediglich an die Vorgaben der örtlichen Reiseleitungen halten und wie gebucht zurückfliegen. In Hurghada ist das Auswärtige Amt bereits durch einen Honorarkonsul vertreten, auch in andere Reiseorte soll Botschaftspersonal entsandt werden, das für Fragen zur Verfügung steht.

Hilft mir eine Reiserücktritt-Versicherung?

Selbst wer eine Reiserücktritt-Versicherung abgeschlossen hat, ist bei Streit mit dem Reiseveranstalter nicht auf der sicheren Seite. Die Police schließt Ereignisse höherer Gewalt wie Anschläge oder Naturkatastrophen regelmäßig aus. Sie deckt nur persönliche Risiken ab, etwa eine schwere Krankheit oder der Tod eines Angehörigen vor Reiseantritt. Sollte der Anbieter eine kostenlose Stornierung verweigern und wollen Verbraucher dagegen vorgehen, wären sie also auf eine Rechtsschutz-Versicherung angewiesen.

Mit dem Transport sollten nach Angaben des Innenministeriums mehr als 600 Muslimbrüder und Anhänger der Islamisten von Kairo aus in ein Gefängnis am Rande der ägyptischen Hauptstadt gebracht werden. Einige der Gefangenen hätten einen Polizisten überwältigt und ausbrechen wollen.

„36 von ihnen sind erstickt, nachdem die Polizei Tränengas einsetzte, um den Ausbruch zu verhindern", erklärte das Ministerium. Laut der Nachrichtenagentur Mena wurde der Transport von „unbekannten Bewaffneten" angegriffen, die den Gefangenen zu Hilfe kommen wollten.

Nach Angaben der Muslimbruderschaft wurden bei dem Vorfall 35 ihrer Mitglieder getötet. Die Islamisten hatten die Zahl der Opfer zunächst mit 52 angegeben, später korrigierten sie diese Angaben. „Die Ermordung von 35 festgenommenen Teilnehmern an Demonstrationen gegen den Sturz von Präsident Mohammed Mursi zeigt die zielgerichtete Gewalt der Sicherheitskräfte", erklärten die Muslimbrüder. Die Anhänger von Mursi, der selbst der Muslimbruderschaft entstammt, seien „das Ziel kaltblütigen Tötens".

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

19.08.2013, 08:24 Uhr

Welchen Einfluss hat man denn noch auf diesen" Schlüsselpartner" ?
Die Moslembrüder sind keine kleine Gruppe , sie sind bewaffnet und früher oder Später wird es Neuwahlen geben bei denen wieder diese Moslembrüder gewählt werden , vielleicht nur aus angst vor übergriffen dieser Brüder , vielleicht aus Überzeugung .
Nein Amerika und Europa haben jeden Einfluss verloren , allein die Tatsache das die Moslimbrüder den Friedensvertrag mit Israel überprüfen wollen ist an Eindeutigkeit nicht mehr zu überbieten .
Zahlungen der Amerikaner waren an einen Frieden mit Israel gebunden .
Die USA sollte unter diesen Bedingungen alle , wirklich alle Zahlungen an Ägypten einstellen ....

Und wer in Polizeigewahrsam ist und versucht dieser zu entkommen , muss nicht nur in Ägypten damit rechnen das Zwangsmittel auf ihm einwirken !

Novaris

19.08.2013, 08:30 Uhr

"Nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) könnte ein Stopp der Rüstungsexporte nach Ägypten ein geeignetes Druckmittel sein."
"Im US-Kongress wurde derweil weiter heftig darüber gestritten, ob die Gewalteskalation in Ägypten eine Kürzung der Militärhilfen für Kairo rechtfertigt"

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Rüstungsexporte ?????????????
Die Menschen demonstrierten und forderten den Rücktritt von Mursi wegen der desolaten wirtschaftlichen Lage Ägyptens.
Im Klartext : Es geht um Geld, um sich Lebensmittel kaufen zu können. Noch mehr Rüstungsgüter werden in Ägypten sicherlich nicht benötigt. Davon wird kein Ägypter satt, jedoch von Lebensmittellieferungen anstatt Panzern etc.
Die Ignoranz der Politik ist nicht mehr zu überbieten !!

elly

19.08.2013, 10:28 Uhr

Da planen die Terroristen angeblich Anschläge in Europa und die Europäer überlegen wie sie gegen die neue Regierung von Ägypten vorgehen will!

Hallo, bei uns werden willkürlich Menschen festgehalten weil sie zufällig mit einem Journalisten befreundet sind! Ist das etwa die Demokratie wie sie hier verstanden wird??

Ja haben die Europäer denn immer noch nicht kappiert, dass der Name Demokratie gleich einhergeht mit Gerechtigkeit???
Ja haben die Pappnasen in Europa, allen voran Westerwelle, immer noch nicht begriffen, dass die Muslimbrüder genau mit denen unter einer Decke stecken die Gewalt und Schrecken verbreiten, weltweit????????????????
Haben sie nicht mitbekommen, dass Mursi die Macht an sich gerissen hat und auf sein Volk nicht hörte???????????

Jetzt wäre es angebracht den Ägyptern unter die Arme zu greifen um die wirtschaftliche Kraft in Gang zu bringen, für Bildung zu sorgen, Armut zu bekämpfen usw.
Nur so lässt sich eine Radikalisierung bekämpfen und nicht mit der Drohung, ach jetzt kappen wir mal die Rüstungsexporte!!!!!!!!!!!!!
Fatal, dass überhaupt so viele Waffen in diese Krisenländer verkauft werden!

Pfui Teufel kann man da nur sagen.

Es ist auch wirklich seltsam, dass die Presse nur von den armen Muslimbrüdern berichtet und Berichte aus Regierungskreisen als Propaganda abwerten!

Die Presse sollte sich eingehend mit der Machtstruktur der Muslimbrüder, die gemeinsam mit der Hamas arbeiten, befassen und die Europäer aufklären!

Ich möcht mal sehen was hier los ist, wenn wir uns so gewalttätig aufführen wie das einige der Muslimbrüder machen!
Ich erinnere mich, dass ein Hungerstreit in München vor kurzem ratzfatz aufgelöst wurde weil man das in München nicht gerne sieht!!!!!!!!!

Aufwachen, aber schnell in den Regierungskreisen!!!!

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