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17.09.2012

11:27 Uhr

Unruhen in der islamischen Welt

Hisbollah ruft zu Protesten gegen Schmähvideo auf

Die Unruhen haben Afghanistan erreicht: In Kabul wird gegen den islamfeindlichen Schmähfilm protestiert. Auch die Hisbollah ruft zu Demonstrationen auf. In Deutschland ist ein Streit über ein Verbot des Films entbrannt.

Auch in Kabul demonstrieren die Menschen gegen das Anti-Islam-Video. dpa

Auch in Kabul demonstrieren die Menschen gegen das Anti-Islam-Video.

Beirut/IstanbulMehr als tausend Menschen haben heute in Kabul gegen den in den USA produzierten islamfeindlichen Film protestiert. Einige Demonstranten zündeten Autos an und riefen "Tod für Amerika", wie der Polizeichef der afghanischen Hauptstadt, Mohammed Ajub Salangi, sagte. Zudem eröffneten demnach aus der Menge heraus einige Menschen das Feuer auf Polizisten, diese schossen aber nicht zurück. "Und das werden wir auch nicht", sagte Salangi.

Die Proteste fanden den Angaben zufolge im Osten Kabuls auf der Straße von Dschalalabad statt. Dort befinden sich NATO- und US-Basen. Einem AFP-Fotografen zufolge lagen Steine auf vielen Straßen, zudem schlossen Ladenbesitzer in der Gegend eilig ihre Geschäfte. Berichte über Verletzte lagen bislang nicht vor.

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Unterdessen rief der Chef der schiitischen Hisbollah-Miliz im Libanon, Hassan Nasrallah, zu einer Woche des Protests gegen den Film "Die Unschuld der Muslime" auf, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. "Die ganze Welt muss die Wut in euren Gesichtern, euren Fäusten und euren Schreien sehen", sagte er am Sonntagabend in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. Die ganze Welt müsse begreifen, dass Mohammed Anhänger habe, die zu dem Film nicht schweigen würden.

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Den Film, der in zahlreichen muslimischen Ländern in den vergangenen Tagen zu gewalttätigen Protesten geführt hatte, bezeichnete Nasrallah als "den schlimmsten jemals gestarteten Angriff auf den Islam". Der Film sei noch verheerender als die Verbrennung des Koran in Afghanistan und die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in Europa.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Streit um das islamfeindliche Video alle Seiten zu Mäßigung gemahnt. „Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung“, sagte Merkel am Montag in Berlin. „Wir treten ein für ein friedliches Zusammenleben der Religionen.“ Dies gelte für Deutschland, aber auch weltweit. Zugleich machte Merkel deutlich, dass der Schutz der deutschen Botschaften „unabdingbar“ sei

Eine Chronik islamistischer Anschläge auf US-Einrichtungen im Ausland

7. August 1998

Bei zeitgleichen Anschlägen auf die Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) sterben 230 Menschen, Tausende werden verletzt. Drahtzieher ist Osama bin Laden.

12. Oktober 2000

Bei einem Anschlag auf den US-Zerstörer „USS Cole“ sterben im Hafen von Aden (Jemen) 17 Soldaten und zwei Täter, 39 Menschen werden verletzt. Hinter dem Anschlag steht eine mit Osama bin Laden verbündete Terrorgruppe.

14. Juni 2002

Vor dem US-Konsulat im pakistanischen Karachi explodiert ein Auto. Zwölf Pakistaner sterben. Im Februar hatte ein Attentäter vor dem Konsulat drei pakistanische Polizisten erschossen.

15. Oktober 2003

Bei einem Sprengstoffanschlag auf US-Bürger in den palästinensischen Autonomiegebieten sterben am Grenzübergang Eres drei Sicherheitsbeamte der US-Botschaft in Israel.

26. Mai 2004

Bei einer Explosion zweier Autobomben vor dem Pakistanisch-Amerikanischen Kulturzentrum im pakistanischen Karachi wird ein Polizist getötet.

6. Dezember 2004

Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im saudi-arabischen Dschidda werden fünf Konsulatsmitarbeiter und vier Attentäter getötet. Al-Kaida bekennt sich zur Tat.

18. März 2008

Bei einem Attentat auf die US-Botschaft in Sanaa stirbt ein jemenitischer Wachmann. Daraufhin werden große Teile des Personals abgezogen.

9. Juli 2008

Bei einem Feuergefecht vor dem US-Konsulat in Istanbul sterben drei türkische Polizisten und drei der vier Angreifer. Die Männer werden Al-Kaida zugerechnet.

4. März 2011

Ein Kosovo-Albaner beschießt auf dem Flughafen Frankfurt/Main einen Bus mit US-Soldaten. Zwei Amerikaner werden getötet, zwei weitere schwer verletzt. Er gilt als extremistischer Einzeltäter. Als Motiv nennt er Rache für US-Angriffe auf Muslime.

12. und 13. September 2012

Als Reaktion auf ein Schmäh-Video über den Propheten Mohammed stürmen Muslime US-Botschaften in mehreren Ländern. Beim Angriff auf das Konsulat im libyschen Bengasi werden vier Amerikaner getötet, darunter der Botschafter. Ägyptische Demonstranten greifen die Botschaft in Kairo an. Im Jemen stürmen am folgenden Tag mehrere hundert Demonstranten die US-Vertretung in Sanaa. Drei Angreifer sterben.

Kommentare (29)

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Account gelöscht!

17.09.2012, 07:20 Uhr

"Die US-Regierung nutze die Redefreiheit als Rechtfertigung für die Ausstrahlung des Films."

Naja, wie soll man in solche Köpfe reinbekommen, das die Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter der Demokratie ist, und sein muß?
Monty Python hätte damals mit dieser Einstellung wohl auch keinen Film zeigen dürfen.

Rene

17.09.2012, 07:35 Uhr

1) Der Islam ist einfach noch nicht im 21.Jahrhundert angekommen. Sollen sie ihre Länder in Schutt und Asche legen.

2) UNverständnis, dass der "rechts Hassprediger" nicht nach Deutschland einreisen darf, die Salafisten aber ihren Hass in deutsche Innenstädte tragen dürfen.

Freiheit

17.09.2012, 07:39 Uhr

"Innen Minister Friedrich prüft ein Verbot der Aufführung des Komplett Filmes !"
Wir müssen nun anscheinend Zensur und wieder einen Teil unserer Freiheit abgeben wegen Allah ? Mich geht das mögliche befinden Mohammeds nix an! Aber meine Freiheit sehr wohl !

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