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25.11.2014

11:03 Uhr

Unruhen in Ferguson

Dutzende Häuser stehen in Flammen

Eine Jury hat entschieden: Der Polizist, der Michael Brown erschoss, muss nicht vor Gericht. In Ferguson brechen erneut heftige Krawalle aus, es gilt Notstand, das FBI ist vor Ort. Die Entscheidung macht viele wütend.

FergusonDer Todesschütze von Ferguson muss sich nicht vor Gericht verantworten. Weil eine Geschworenen-Jury am Montagabend entschied, keinen Anklage gegen einen weißen Polizisten zu erheben, der einen schwarzen Teenager erschossen hatte, kam es in dem Vorort von St. Louis im US-Bundesstaat Missouri erneut zu heftigen Gewaltausbrüchen.

Schüsse waren zu hören. Die Polizei setzte Tränengas und Rauchbomben gegen hunderte Demonstranten ein, die ihrerseits die Beamten mit Flaschen und Dosen angriffen. Die Unruhen seien „viel schlimmer“ als jene, die unmittelbar nach den tödlichen Schüssen eines weißen Polizisten auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen im August ausgebrochen waren, sagte der Polizeichef des Bezirks St. Louis, Jon Belmar am Dienstag. Mindestens zwölf Gebäude seien in Brand gesteckt worden. Die meisten seien vollständig ausgebrannt. Auch zahlreiche Autos wurden in Brand gesteckt. Er habe mindestens 150 Schüsse gehört, sagte Belmar. Allerdings gebe es bislang keine Hinweise auf Schwerverletzte. 29 Menschen seien seit den am Montagabend ausgebrochenen Krawallen festgenommen worden. Im August, kurz nach der Tat, löste der Fall auch eine landesweite Rassismusdebatte aus.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

In Erwartung von Protesten nach der Entscheidung der Geschworenen rief der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, den Notstand aus und mobilisierte die Nationalgarde. Ein Team der Bundespolizei FBI arbeitet schon mit ranghohen Beamten in Ferguson zusammen. Auch Polizeitruppen in Nachbarorten wurden eingebunden, um Spannungen abzubauen und Vertrauen bei Anwohnern zu schaffen.

US-Präsident Barack Obama rief die Menschen in Missouri auf, friedlich auf die Entscheidung der Jury zu reagieren. Die Polizei mahnte er, sich zurückzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt war die Wut vieler Menschen aber bereits in Gewalt umgeschlagen. „Mörder, Ihr seid nichts als Mörder“, wurde den Polizisten aus der Menge entgegengeschrien. Proteste gab es vor allem vor dem Polizeigebäude in Ferguson. Der 25-jährige Schwarze Antonio Burns sagte: „So funktioniert unser Rechtssystem nun einmal - die Reichen sind oben, die Armen unten.“

Angesichts der Unruhen wird der Flugverkehr über der Kleinstadt Ferguson eingeschränkt. Das gab die US-Luftfahrtbehörde FAA am späten Montagabend (Ortszeit) bekannt. Den Schritt begründete sie mit dem Ziel, „eine sichere Umgebung für die Aktivitäten“ der Polizei zu schaffen. Den Angaben zufolge wurden bereits zehn Flüge vom Airport Lambert-St. Louis umgeleitet. Nach Flughafenangaben sind nur ankommende Maschinen von der Maßnahme betroffen.

Todesschüsse von Ferguson: Polizeigewalt oder Notwehr?

Todesschüsse von Ferguson

Polizeigewalt oder Notwehr?

In der US-Stadt Ferguson ist die Gewalt erneut eskaliert. Den Unruhen vorausgegangen war das Urteil einer Grand Jury nach dem der Polizist, der im August einen farbigen Jugendlichen erschossen hatte, in Notwehr handelte.

Die Geschworenen im US-Staat Missouri hatten entschieden, den weißen Polizisten Darren Wilson für seine Todesschüsse auf den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown nicht anzuklagen. In der Folge kam es zu neuen Unruhen in Ferguson.

Schon nach dem Tod Browns am 9. August hatte die FAA zwei Wochen lang den Flugverkehr über der Kleinstadt nahe St. Louis eingeschränkt. Dies galt auch für Pressehelikopter.

Kommentare (40)

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Herr Teito Klein

25.11.2014, 07:40 Uhr

Polizist wegen Mangels an Beweisen freigesprochen
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Wenn man sich das Bild zu dem Video ansieht, dann war der "liebe Kleine" ein Monster.
Er war mindestens zwei Köpfe größer als der Shopbesitzer.
Da kann einem Polizisten schon einmal angst und bange werden.
Und er ist auch der Aufforderung nicht gefolgt, von der Straße zu gehen.

Das er unbewaffnet war, wurde erst im Nachhinein festgestellt.

Herr Ulrich Lehmenkmühler

25.11.2014, 08:08 Uhr

Bei Herrn Friedensnobelpreisträger läuft vieles aus dem Ruder, nicht nur die Straßengewalt!

Herr Martin Zuehlke

25.11.2014, 08:44 Uhr

Zweifelsohne bleiben viele Hintergründe im Unklaren. Von daher sollte man sich wohl nicht vorschnell ein Urteil bilden (siehe Hr. Klein).
Aber warum zur Hölle, feuert jemand 12 mal in Notwehr???

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