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10.08.2015

07:38 Uhr

Unruhen in Ferguson

Nach Gedenkfeier für Michael Brown fallen Schüsse

Hunderte haben sich in Ferguson zum Gedenken an den getöteten Schwarzen Michael Brown getroffen. Lange blieb es friedlich, doch plötzlich fielen mehrere Schüsse – mindestens ein Demonstrant wurde verletzt.

Demonstranten erinnern in Ferguson an den vor einem Jahr von einem weißen Polizisten erschossenen schwarzen Jugendlichen. ap

Gedenken an Michael Brown

Demonstranten erinnern in Ferguson an den vor einem Jahr von einem weißen Polizisten erschossenen schwarzen Jugendlichen.

Arlington/FergusonNach dem Gedenken an den vor einem Jahr erschossenen Michael Brown sind in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri in der Nacht zu Montag Schüsse gefallen. Dies berichtete die Polizei von St. Louis über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Einer ihrer Beamten sei unter „heftigen Beschuss“ gekommen, meldete die Polizei und veröffentlichte dazu unter anderem ein Foto, das eine durchschossene Frontscheibe eines Autos zeigte. Ein Journalist der „New York Times“ berichtete, dass Beamte hinter Fahrzeugen in Deckung gegangen seien. Hubschrauber kreisten über dem Geschehen. Es blieb zunächst unklar, wer die Schüsse abgegeben hatte. Rund zwei dutzend Schüsse wurden in der Kleinstadt im Bundesstaat Missouri abgefeuert, ein Demonstrant lag verletzt am Boden, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Zuvor hatten in Ferguson hunderte Menschen bei einer Kundgebung an die tödlichen Polizeischüsse auf den schwarzen Jugendlichen Michael Brown vor genau einem Jahr erinnert. Zum Auftakt eines Marsches am Sonntag schwiegen die Menschen für viereinhalb Minuten – zur symbolischen Erinnerung an die viereinhalb Stunden, die Brown damals nach seinem Tod auf der Straße gelegen hatte.

Für Montag haben mehrere Gruppen zu einem Tag des zivilen Ungehorsams aufgerufen. Brown war unbewaffnet, als er am 9. August 2014 von dem weißen Polizisten erschossen wurde. Es folgten Proteste und teils schwere Unruhen in Ferguson. Kurz vor dem Jahrestag hatte ein weißer US-Polizist erneut einen unbewaffneten Afroamerikaner erschossen. Der „Washington Post“ zufolge gab es seit Browns Tod 24 solcher Fälle.

Ferguson ein Jahr danach: Die Wut bleibt

Ferguson ein Jahr danach

Die Wut bleibt

Ferguson war ein Fanal. Vor einem Jahr erschoss hier ein weißer Polizist den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown. Der Fall erschütterte die USA. Pünktlich zum Jahrestag kommen Neuigkeiten zum Täter ans Licht.

Medienberichten zufolge hielten in Ferguson im Bundesstaat Missouri viele der Demonstranten Schilder in die Höhe. Auf ihnen stand demnach etwa zu lesen: „Stoppt das Töten schwarzer Kinder“ oder „Wir erinnern Mike Brown“. Dessen Vater Michael Brown senior sagte den Berichten zufolge im Rahmen der Gedenkfeiern, die Familie trauere noch immer. Er dankte demnach allen, die gekommen waren.

Zahlreiche Menschen versammelten sich auch zu volksfestartigen Veranstaltungen, es gab Musik und Grillpartys. Nach Angaben der Organisatoren galt das Gedenken auch den anderen Opfern von Polizeigewalt seit Browns Tod. Am Abend wuchsen dann die Spannungen. Etwa 50 Menschen plünderten einen Schönheitssalon in Ferguson.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

Derweil diskutiert Amerika einen weiteren Todesfall: Kurz vor dem Jahrestag war in Texas ein Student getötet worden. Er war nach Polizeiangaben am frühen Freitagmorgen in der Stadt Arlington mit seinem Wagen durch die Scheibe eines Autohauses gefahren. Zwei Beamte seien wegen eines mutmaßlichen Einbruchsdeliktes dorthin geschickt worden.

Der 19-Jährige habe Aufforderungen der Beamten, sich zu ergeben, nicht Folge geleistet, zitierte der Sender CNN den Polizeichef von Arlington, Will Johnson. Anschließend sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen, ein Beamter habe viermal geschossen. Die Familie des getöteten Studenten, seine Universität und sein Footballteam reagierten betroffen und geschockt.

Sein Vater sagte, was sein Sohn getan habe, sei nicht richtig gewesen. „Aber warum wurde ein unbewaffneter Mann erschossen? (...) Unbewaffnet, ein 19-Jähriger, und sie erschießen ihn?“ Browns Tötung und der spätere Verzicht auf einen Strafprozess hatten in Ferguson und zahlreichen anderen Städten der USA zu teils gewalttätigen Protesten geführt. An dem Fall entzündete sich eine landesweite Debatte über Rassismus und Polizeigewalt.

Kommentare (2)

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Herr H-J. H.

10.08.2015, 09:58 Uhr

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Aufmachung der deutsche Mainstream darüber berichtet, wenn ein weißer Polizist einen Schwarzen erschossen hat. Ob es in Notwehr war und ob der Täter gewalttätig war, spielt keine Rolle. Wenn aber ein schwarzer Polizist einen Weißen erschießt, so findet sich in deutschen Blättern keine einzige Meldung. Dieses ist wohl ein Teil der Indoktrinationspropaganda, daß die Bösen grundsätzlich weiß sind und die Schwarzen grundsätzlich gut und unterdrückt. Nur sieht die Knastbelegung in den USA auch so aus, wie die Verübung von Gewaltverbrechen und Eigentumsdelikten primär von einer Gruppe ausgeht.

Diese ganze große Lüge wird ja auch in DE mit den Menschen mit Migrationshintergrund verbreitet, weshalb die Politik der Polizei verboten hat, die Herkunft der Täter bekannt geben zu dürfen. Daß in Deutschland die Knastbelegung ähnlich hoch wie in den USA ist, kann und darf bei dieser Lügenpropaganda von Politik und Mainstream nicht bekannt gemacht werden. Die Menschen könnten ja empört reagieren in dieser ganzen guten Deutschwelt.

Herr Peter Delli

10.08.2015, 10:32 Uhr

Wie viele Menschen werden eigentlich in Europa erschossen oder in der EU ?
6000 in der Ukraine hört man, finanziert von der EU und Freunde.

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