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26.01.2014

10:40 Uhr

Unruhen in Kairo

In Ägypten geht das Sterben weiter

In der Nacht zum Sonntag sind 49 Menschen bei Demonstrationen in Ägypten ums Leben gekommen. Der Kampf um die politische Führung im Land geht weiter. Die Militärs haben ihre Macht noch nicht endgültig sichern können.

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat es auch am Wochenende wieder schwere Unruhen gegeben. dpa

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat es auch am Wochenende wieder schwere Unruhen gegeben.

KairoBei den Ausschreitungen am dritten Jahrestag der Revolution in Ägypten sind am Samstag mindestens 49 Menschen ums Leben gekommen. Rund 250 Menschen wurden in Kairo und anderen Orten verwundet, wie das Gesundheitsministerium am Sonntag weiter mitteilte. Zunächst war von 29 Toten die Rede gewesen. Tausende Anhänger hatten am Samstag Militärmachthaber Abdel Fatah al-Sissi in Kairo gefeiert. Bei Gegendemonstrationen kam es zu teils schweren Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Die Polizei beschoss Demonstranten mit Schrot und Tränengas. Nach Angaben des Innenministeriums wurden auch mehrere Polizisten verletzt. 1079 Personen mit Gewehren, Brandsätzen oder anderen Waffen seien festgenommen worden.

Am Sonntag starben Polizeikreisen zufolge zudem vier Soldaten bei einem Angriff auf einen Bus der Armee im Sinai. Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli häufen sich die Anschläge auf der ägyptischen Halbinsel vor allem an der Grenze zu Israel und dem Gazastreifen.

Der Aufstieg und Fall von Mohammed Mursi

4. November

In Kairo beginnt der Strafprozess gegen Mursi. Anhänger haben im Vorfeld zu Protesten aufgerufen.

28. und 29. Oktober

Mursi lehnt eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen ihn die Rechtmäßigkeit des Gerichts ab. Einen Tag später platzt ein Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder wegen Anstiftung zum Mord. Die Richter erklären sich für befangen.

4. Oktober

Muslimbrüder beginnen dreitägige Proteste gegen Mursis Entmachtung, in Ägypten werden dabei mehr als 50 Menschen getötet.

23. September

Ein Gericht in Kairo erklärt die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal.

19. August

Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Mursi Ermittlungen wegen Verantwortung für die Tötung von Demonstranten im Dezember 2012 ein. Später folgt eine Anklage wegen Beleidigung der Justiz.

14. August

Bei der Räumung von Protestlagern mit Tausenden Mursi- Anhängern gibt es nach Regierungsangeben mehr als 600 Tote. Eine Verhaftungswelle hochrangiger Muslimbrüder setzt ein.

8. August

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan fordern Zehntausende Islamisten die Wiedereinsetzung Mursis.

3. August

Die Muslimbrüder bestehen darauf, dass Mursi wieder als Präsident eingesetzt wird.

26. und 27. Juli

Mursi wird des Landesverrats beschuldigt und kommt in Untersuchungshaft.

3. und 4. Juli

Nach den Massenprotesten setzt das Militär Mursi ab und stellt ihn unter Arrest. Der oberste Verfassungsrichter Adli Mansur wird Übergangspräsident. Mursi-Anhänger beginnen einen Dauerprotest.

30. Juni

Eine Unterschriftenkampagne der Initiative „Tamarud“ (Rebellion), mit der Mursi zum Rücktritt gezwungen werden soll, gipfelt in Massenprotesten Hunderttausender.

2. Juni

Das oberste Verfassungsgericht verkündet, dass die von Mursi durchgeboxte Verfassung unter nicht gesetzeskonformen Umständen zustande gekommen ist.

29. November 2012

Im Eilverfahren peitscht das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee Mursis Entwurf einer neuen Verfassung durch. In Massenprotesten demonstriert die Opposition gegen eine schleichende Islamisierung.

24. Juni 2012

Die Wahlkommission erklärt den Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, zum Sieger der Präsidentenwahl. Quelle: dpa

Das Innenministerium teilte mit, 1079 Menschen seien festgenommen worden. Sicherheitskräfte hatten am Samstag Kundgebungen von Regierungsgegnern und Anhängern des gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi zerschlagen. Dabei wurde ihnen von Zivilisten, die das Militär unterstützen, geholfen.

Zum dritten Jahrestag des Aufstands gegen den ehemaligen Machthaber Husni Mubarak hatte sich Ägypten am Samstag tief gespalten gezeigt. Tausende Unterstützer des Militärs feierten den Jahrestag mit Kundgebungen in Kairo und ermutigten Militärchef Abdel Fatah al-Sisi, bei der geplanten Präsidentschaftswahl zu kandidieren. Zeitgleich kam es zu den Ausschreitungen.

Mubarak musste 18 Tage nach dem Aufstand zurücktreten. Der erste, seitdem demokratisch gewählte Präsident Mohammed Mursi wurde nach wochenlangen Protesten gegen seine Politik am 3. Juli 2013 vom Militär entmachtet. Seine Anhänger protestieren seitdem fast täglich gegen seinen Sturz.

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