Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2007

19:05 Uhr

Unruhen in Palästina

Intensivstation Gaza

VonPierre Heumann

Die Unruhen in Palästina hören nicht auf – trotz Waffenruhe. Dabei macht die Gewalt selbst vor Krankenhäusern nicht Halt. Eine Ärztin aus der Stadt Beit Hanoun erzählt von ihrem Alltag.

TEL AVIV. Mona Elfaraa hätte nie geglaubt, dass es so weit kommen würde. Doch inzwischen ist sich die Ärztin sicher: „Wir stehen am Beginn eines Bürgerkriegs“, sagt sie.

Einen anderen Schluss ließen die Ereignisse der vergangenen Tage nicht zu: die Gefechte und Unruhen im Gaza-Streifen, bei denen mindestens 30 Palästinenser getötet und 70 verletzt wurden; die gegenseitigen Schuldzuweisungen der radikalislamischen Hamas und der moderateren Fatah, die die Stimmung weiter anheizen; der Selbstmordanschlag eines palästinensischen Terroristen in dem israelischen Ferienort Eilat, mit dem die Palästinenser offenbar von ihren internen Problemen abzulenken versuchten.

„Was kommt als Nächstes?“ fragt sich Elfaraa. Dass die Waffen schweigen werden, dass Hamas und Fatah die Feuerpause einhalten, auf die sie sich gestern früh geeinigt haben, daran glaubt die 40-Jährige nicht.

Der palästinensische Premier Ismail Haniya und ein Vertreter von Präsident Mahmoud Abbas haben die Waffenruhe ausgehandelt, um das Blutvergießen auf den Straßen von Gaza zu beenden. Alle Milizen sollen von den Straßen verschwinden und sich in ihre Camps zurückziehen. Des Mordes verdächtigte Männer sollen ausgeliefert, Dutzende von Geiseln befreit und Straßensperren aufgelöst werden. Auch das ist Teil des neuen Abkommens. Doch schon einige Stunden später gab es einen neuen Vorfall: Im Süden des Gaza-Streifens ist ein Hamas-Anhänger erschossen worden.

Als hehre Ziele und viele schöne Worte tun daher viele Palästinenser die jüngste Vereinbarung zwischen den rivalisierenden Gruppen ab. „Das Abkommen hört sich gut an, aber es wird nicht viel bringen“, sagt Mona Elfaraa und spricht aus, was viele denken. Nur die Bildung einer Einheitsregierung könnte das Blutvergießen jetzt noch beenden. Daran sei heute leider nicht mehr zu denken, befürchtet sie: „Wir Palästinenser waren so grausam zueinander. Das hat die Kluft vergrößert.“

Die Straßenkämpfe zwischen den Milizen der Hamas und der Fatah wurden mit rücksichtsloser Brutalität geführt. In den vergangenen zwei Monaten sind dabei 60 Palästinenser getötet worden. Allein im Al-Awda-Krankenhaus in Beit Hanoun, wo Mona Elfaraa arbeitet, wurden in den vergangenen Tagen 15 schwer Verletzte eingeliefert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×