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06.06.2011

20:34 Uhr

Unruhen in Syrien

Angeblich 120 Polizisten von Bewaffneten getötet

Bewaffnete haben laut syrischem Staatsfernsehen 120 Sicherheitskräfte erschossen. Der Bericht konnte nicht unabhängig bestätigt werden - will das Regime so die blutigen Attacken auf Demonstranten rechtfertigen?

Ein Demonstrant hält eine syrische Flagge. Quelle: dpa

Ein Demonstrant hält eine syrische Flagge.

Syrien steht offenbar vor einer neuen Eskalation der Gewalt: In einer seit Tagen umkämpften Stadt nahe der türkischen Grenze sind nach einem Bericht des staatlichen syrischen Fernsehens vom Montag 120 Polizisten und Sicherheitskräfte getötet worden. Das Innenministerium in Damaskus kündigte am Montag eine entschiedene und kraftvolle Reaktion auf derartige Angriffe an.

Die Beamten seien in Dschisr al Schughur in einen Hinterhalt geraten und in ein Feuergefecht verwickelt worden, hieß es in dem Fernsehbericht. Bei den Angreifern handele es sich um „bewaffnete Banden“, deren Vorgehen in dem Bericht als Massaker bezeichnet wurde. Die bewaffneten Gruppen hätten Polizei- und Sicherheitskräfte angegriffen, das Postamt gesprengt, Behördengebäude in Brand gesteckt und Leichen verstümmelt.

Für den Bericht gab es keine Bestätigung von unabhängiger Seite. Es könnte auch sein, dass der syrischen Regierung die Berichte als Rechtfertigung für das brutale Vorgehen gegen Demonstranten in den vergangenen Wochen dienen sollen.

In Syrien geht die Staatsmacht immer härter gegen die ihr beharrlich trotzenden Demonstranten vor. Menschenrechtler erklärten am Wochenende, allein am Freitag hätten Sicherheitskräfte mindestens 70 Zivilisten getötet. Menschenrechtlern zufolge starben seit Beginn der Aufstände insgesamt mindestens 1.200 Menschen durch Schüsse von Truppen des Präsidenten Baschar al-Assad.

Innenminister Ibrahim Schaar sagte, die Regierung werde Angriffen auf den Staat nicht untätig zuschauen. Seine kurze Stellungnahme wurde von Beobachtern als eine bevorstehende Verstärkung des ohnehin schon sehr massiven Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen die Protestbewegung aufgefasst.

Sicherheitskräfte gehen seit mehreren Tagen gegen die Protestbewegung in Dschisr al Schughur vor. Menschenrechtsgruppen haben berichtet, seit Samstag seien mindestens 35 Menschen getötet worden. Laut Fernsehbericht versteckten sich die bewaffneten Gruppen in Häusern und schossen auf Soldaten und Zivilpersonen. Sie hätten bei einem Feuergefecht Bewohner als menschliche Schutzschilde eingesetzt, hieß es weiter.

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