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15.06.2012

17:24 Uhr

Unruhen in Syrien

Rebellen sickern in Damaskus ein

15 Monate nach Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime in Syrien greifen die Rebellen Damaskus an: Die Chance, dass der autoritären Führung die Kontrolle über die syrische Hauptstadt entgleitet, steigt.

Anfang Juni explodierte ein Bus in Damaskus: Ein Akt von Rebellen? dpa

Anfang Juni explodierte ein Bus in Damaskus: Ein Akt von Rebellen?

DamaskusOberhalb von Damaskus nahe dem Präsidentenpalast aus grauem Marmor schießen Zivilpolizisten mit ihren Sturmgewehren in die Nacht, während die Rebellen dem im Sowjetstil erbauten Sitz der Macht immer näher kommen. Ein Stück weiter schützen bewaffnete Wächter das Luxusdomizil eines Geheimdienstbeamten, frisch errichtete Betonwände und Straßensperren geben ihnen Deckung. Solche Sicherheitsvorkehrungen sind in der Hauptstadt laut Diplomaten und Bewohnern inzwischen zum gewohnten Anblick geworden: 15 Monate nach Beginn des Aufstands gegen Assad sind die Rebellen in Damaskus eingesickert. Immer öfter greifen sie Stellungen von Armee und Sicherheitskräften an und liefern sich Schusswechsel mit den Regierungstruppen. So zwingen sie Assad, mehr Männer und Waffen für den Schutz von Damaskus aufzubieten - und sie eröffnen die früher undenkbare Möglichkeit, dass die Hauptstadt Assads Kontrolle entgleiten könnte.

Kommt es zum offenen Häuserkampf, würde dies eine neue Front für die ohnehin schon überdehnten Truppen Assads eröffnen. Auch die Spannungen zwischen der sunnitischen Mehrheit und der kleinen alawitischen Führungsschicht dürften zunehmen, die vor allem auf den Hügeln oberhalb der Drei-Millionen-Stadt siedelt. Aus der alawitischen Gemeinschaft rekrutieren sich großteils die gefürchteten Schabbiha-Milizen, die Republikanergarde und die vierte Panzerdivision - Schlüsseleinheiten, die unter dem Kommando von Assads Bruder Maher strategisch in den Bergen um Damaskus stationiert sind.

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Doch all dies hat den Zustrom der Rebellen nicht verhindert. Sobald die Nacht hereinbricht, beginnen unter dem Schutz der Rebellen Demonstrationen nahe dem Stadtzentrum. Früher schlugen die Schabbiha solche Proteste mit Leichtigkeit nieder. "Ich glaube, wir kommen langsam zu einem Punkt, wo das Regime nur noch die Kontrolle über die Gebiete im innersten Zentrum und die Straße zum Flughafen haben wird", sagt ein westlicher Diplomat, der sich trotz der Schließung vieler Botschaften noch in der Stadt aufhält. "Das Regime wird möglicherweise in der Lage sein, in anderen Distrikten weiter Angriffe durchzuführen, aber es wird dort nicht mehr dauerhaft präsent sein."

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