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19.04.2011

03:17 Uhr

Unruhen in Syrien

Syrische Sicherheitskräfte schießen auf Demonstranten

Tausende Syrier nahmen an einem Trauerzug für acht getötete Demonstranten in der Stadt Homs teil und machten ihrer Wut Luft. Sie fordern den Abtritt des Staatschefs Baschar al-Assad.

Trauernde tragen den Sarg eines getöteten Demonstranten in der syrischen Stadt Homs. Quelle: Reuters

Trauernde tragen den Sarg eines getöteten Demonstranten in der syrischen Stadt Homs.

Sanaa/AmmanIn Syrien scheint sich die Lage zuzuspitzen. Am Dienstag schossen Sicherheitskräfte in der Stadt Homs auf Hunderte Demonstranten, die auch in der Nacht auf dem zentralen Uhrenplatz ausharrten. Die Polizei habe sie aufgefordert zu gehen und dann das Feuer eröffnet, sagte ein Menschenrechtsaktivist, der in Kontakt mit den Demonstranten stand. Auch Tränengas sei eingesetzt worden.

Mindestens ein Demonstrant sei verletzt worden. Einwohner von Homs sagten, sie hätten Geräusche von Maschinengewehren gehört. Es ist nicht möglich, diese Berichte unabhängig zu bestätigen. Seit Beginn der Unruhen können ausländische Medienvertreter nur sehr eingeschränkt aus Syrien berichten.

"Von Gasse zu Gasse, von Haus zu Haus - wir wollen Dich stürzen, Baschar", skandierten die Trauernden einem Augenzeugen zufolge. "Homs kocht", sagte ein Menschenrechtler der Nachrichtenagentur Reuters. Die acht Demonstranten seien in der Nacht zum Montag in der zentralsyrischen Stadt von Sicherheitskräften erschossen worden. Sie hätten sich an Protesten beteiligt, die ausbrachen, weil ein lokaler Stammensanführer in Haft getötet worden sein soll. Auf die Demonstranten sei "kaltblütig" geschossen worden.

Auch im nördlich von Homs gelegenen Dschisr al-Schughur forderten etwa 1000 Menschen am Montag den Sturz Assads. Die von den erfolgreichen Revolten in Tunesien und Ägypten inspirierten Proteste in Syrien gehen inzwischen in die fünfte Woche.

Menschenrechtsgruppen zufolge wurden bislang mehr als 200 Menschen getötet und Hunderte festgenommen. Assad hat erklärt, Syrien sei Ziel einer Verschwörung. Die Gewalt verursachten Banden und Spione, die mit Waffen aus dem Libanon und dem Irak unterstützt würden. Mehrfach wurden von der syrischen Führung "ausländische Kräfte" beschuldigt, Proteste zu schüren.

Die "Washington Post" berichtete am Montag unter Berufung auf von WikiLeaks veröffentlichte diplomatische Berichte, die USA hätten heimlich syrische Oppositionsgruppen finanziert.

Von

rtr

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