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22.07.2017

09:53 Uhr

Unruhen um den Tempelberg

Palästina legt Kontakte mit Israel auf Eis

Der Streit um den Zugang zu heiligen Stätten in Jerusalem eskaliert. Bei Protesten sterben drei Palästinenser, später kommt es zu einem blutigen Übergriff im Westjordanland. Abbas friert die Beziehungen zu Israel ein.

Konflikt um tempelberg

Gewaltvolle Kämpfe zwischen Palästinensern und israelischer Armee

Konflikt um tempelberg: Gewaltvolle Kämpfe zwischen Palästinensern und israelischer Armee

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JerusalemEin neu aufflammender Streit um die heiligen muslimischen Stätten in Jerusalem hat am Freitag insgesamt sechs Menschen das Leben gekostet. Drei Palästinenser wurden getötet, als sie zusammen mit Hunderten anderen wegen der Aufstellung von Metalldetektoren protestierten und es dabei zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften kam. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verkündete, die Kontakte mit Israel „auf allen Ebenen“ einzufrieren. Später am Tag tötete ein Palästinenser bei einer Messerattacke im Westjordanland drei jüdische Familienmitglieder.

Der Attentäter war am Freitagabend in ein Wohnhaus in der Siedlung Neve Zuf eingedrungen, in der eine Familie gerade zu Abend aß. Der Attentäter tötete mit einem Messer den Großvater sowie dessen erwachsenen Sohn und Tochter. Die Enkelkinder waren nach Medienberichten in einem Nebenraum versteckt. Die Großmutter wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Armee veröffentlichte Bilder von einem mit Blut überströmten Küchenboden. Der mutmaßliche Täter wurde laut israelischen Medien angeschossen und im Krankenhaus behandelt.

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UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte am Freitag die erste Attacke in Jerusalem. Er rief die israelischen und palästinensischen Verantwortlichen in der Politik auf, jegliche weitere Handlungen einzustellen, die die Lage in der Altstadt weiter gefährden könnten. Spannungen müssten reduziert werden, sagte UN-Sprecher Farhan Haq. Religiöse Stätten sollten als Orte zur Reflexion respektiert und nicht für Gewalt missbraucht werden. Guterres fordere die „vollständige Aufklärung“ der drei Todesfälle.

Palästinenserpräsident Abbas sagte indes, die Beziehungen zu Israel würden nach dem tödlichen Vorfall und den Protesten in Jerusalem auf Eis gelegt. Zunächst war unklar, ob die Palästinenser ihre seit langem bestehende Sicherheitszusammenarbeit mit Israel stoppen.

Israel: Heikle Lage auf dem Tempelberg

Israel

Heikle Lage auf dem Tempelberg

Nach dem Attentat vom Freitag ist der Tempelberg in Jerusalem wieder frei –allerdings müssen Gläubige nun durch neu angebrachte Metalldetektoren gehen. Muslimische Gruppen haben zum Boykott aufgerufen.

Die Proteste wurden durch die Entscheidung Israels ausgelöst, Metalldetektoren im Zentrum der Stadt an den Zugängen zu den muslimischen Heiligtümern aufzustellen. Die Kontrollmaßnahmen wurden nach einem blutigen Anschlag am Tempelberg vor einer Woche eingeführt, bei dem zwei israelische Polizisten und drei arabische Angreifer getötet worden waren. Die Palästinenser lehnen die Kontrollen durch Metalldetektoren ab und sehen ihre Aufstellung als Versuch Israels, seine Kontrolle über die heilige Stätte auszuweiten. Israel betont aber, es wolle den Status quo nicht verändern.

Palästinenser sehen in der Aufstellung dagegen den Versuch Israels, die Kontrolle über den Tempelberg an sich zu ziehen. Muslime verehren die Hochfläche mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee als Edles Heiligtum, von dem aus der Prophet Mohammed in den Himmel geritten sei. Juden ist er heilig, weil dort in der Antike der jüdische Tempel stand. Dessen Überreste am Fuß des Berges sind für Juden der heiligste Ort der Welt.

Spannungen in Israel: Israel schließt Tempelberg für nicht-muslimische Besucher

Spannungen in Israel

Israel schließt Tempelberg für nicht-muslimische Besucher

Nach einem Attentat ist die Situation am Tempelberg sehr angespannt. Neu eingeführte Sicherheitsschleusen für Muslime stoßen auf große Kritik. Nun brechen jüdische Besucher die Regeln – und werden ausgeschlossen.

Vor den Freitagsgebeten verweigerte Israel muslimischen Männern, die jünger als 50 Jahre sind, den Zugang zum Tempelberg und errichtete Kontrollpunkte zwischen dem Westjordanland und Jerusalem.

Hunderte jüngerer Männer, denen der Zugang verwehrt wurde, beteten dann auf der Straße außerhalb der Altstadtmauern. Auch an Militärsperren im Westjordanland beteten Muslime, die keine Einreisegenehmigung erhielten. Nach Polizeiangaben griffen Muslime nach dem Gebet Sicherheitskräfte mit Steinen, Feuerwerkskörpern und Brandflaschen an. Vier Polizisten seien verletzt worden. Etwa 3.000 israelische Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Nach palästinensischen Angaben setzte Israel Tränengas und Geschosse gegen die Demonstranten ein.

Der Tempelberg in Jerusalems Altstadt war immer wieder Brennpunkt religiöser Spannungen. Muslime verehren ihn als „Haram al-Scharif“ (Edles Heiligtum). Der Überlieferung nach standen dort früher die jüdischen Tempel, heute beten an der Stelle Muslime in der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom mit seiner vergoldeten Kuppel. Der Streit um die Besuchsrechte, also wer das Plateau betreten und dort beten darf, gilt als Auslöser einer Welle palästinensischer Anschläge, die vor knapp zwei Jahren begann.

Kommentare (3)

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Herr Ilyas Kurtbecer

21.07.2017, 16:02 Uhr

Nur eine ausgesprochen bösartige Gemeinschaft hätte zu dem Schluss kommen können, dass ein unrechtmäßiger Judenstaat in dieser Region Sinn macht. Hauptsache wir kommen unserer "besonderer Verantwortung" nach und versorgen Israel mit Atom U-Booten auf unsere Kosten.

Herr Metin Mert

21.07.2017, 16:21 Uhr

Herr Kurtbecer, Ich fürchte, die Tragödie begann damit, Israel als einen "unrechtmäßigen Judenstaat" zu bezeichnen (betrachten). Wenn Sie in der Türkei u.a. in Shipping Malls gehen, werden Sie auch von Dedektoren gescannt. Es wurde installiert als Maßnahme auf die PKK-Terror Attacken. Wir dürfen Ursache und Wirkung nicht verwechseln. Beispiel; Irak wurde 1920 gegründet, Syrien 1930 und Israel eben 1948. Davor über Jahrhunderte zum Osmanischen Reich und wieder davor eine eigene Geschichte. Losgelöst von Israel stimmen ich Ihnen zu, das bei der Zuordnung in der Region Eigeninteressen verfolgt wurden.

Herr Metin Mert

21.07.2017, 16:39 Uhr

Wo hätte Israel denn Ihrer Meinung nach Sinn gemacht ? Bedenke: In Europa über Jahrhunderte diskriminiert/verfolgt mit dem Gipfel 1933-1945.

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