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07.01.2011

18:01 Uhr

Unter deutschem Schutz

Holländer wieder am Hindukusch

Hollands Kampftruppen mussten aus Afghanistan abziehen, doch nun schickt das Land Ausbilder für Sicherheitskräfte an den Hindukusch. Für deren Schutz sorgt maßgeblich die Bundeswehr.

Die Niederlande hatten alle Kampftruppen aus Afghanistan abgezogen. Nun sollen Ausbilder geschickt werden. ap

Die Niederlande hatten alle Kampftruppen aus Afghanistan abgezogen. Nun sollen Ausbilder geschickt werden.

HB DEN HAAG. Wenige Monate nach dem Ende des niederländischen Militäreinsatzes in Afghanistan hat die Regierung in Den Haag eine neue Mission am Hindukusch beschlossen. Bis 2014 sollen bis zu 545 Niederländer bei der Ausbildung von Sicherheitskräften sowie beim Aufbau des Polizei- und Justizapparates in Afghanistan helfen. Möglich wird das auch, weil deutsche Soldaten einen Großteil der holländischen Ausbilder beschützen. Die Zusage dafür kam wohl direkt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Den Haag will zudem vier F-16 Kampfflugzeuge samt 120 Mann Flug- und Bodenpersonal in Afghanistan belassen, deren Abzug zunächst vorgesehen war. Der neue Einsatz sei ganz anderer Art als das im Sommer beendete direkte militärische Engagement, sagte Ministerpräsident Mark Rutte am Freitag. Er soll bald nach Ostern beginnen.

Über den Schutz für Hollands Polizei- und Sicherheitsexperten durch in Afghanistan stationierte Bundeswehrsoldaten habe Rutte am Freitag mit Bundeskanzlerin Merkel am Telefon gesprochen, berichtete die niederländische Presse-Agentur ANP. Absprachen darüber seien vor kurzem „auf höchster Ebene“ getroffen worden. Rutte wies Merkel den Angaben zufolge auch darauf hin, dass für Hollands neue Hindukusch- Mission noch das grüne Licht des Parlaments nötig ist.

Das Minderheitskabinett in Den Haag aus Rechtsliberalen und Christdemokraten ist dabei auf Unterstützung durch Oppositionsparteien angewiesen. Die populistische Freiheitspartei (PVV) des Islamgegners Geert Wilders, die Rutte ansonsten die erforderlichen Mehrheiten verschafft, hat sich bereits gegen die Afghanistan-Mission ausgesprochen. Auch eine knappe Mehrheit der niederländischen Bevölkerung lehnt sie laut Umfragen ab.

Die neue Regierung, die seit Mitte Oktober 2010 im Amt ist, war von der Nato gebeten worden, das niederländische Engagement in Afghanistan wenigstens durch Ausbildungshilfe fortzusetzen. Im Streit um Afghanistan war Anfang 2010 eine schwarz-rote Koalition zerbrochen. In der Folge beendeten die Niederlande als erster Nato- Staat im Sommer ihren Militäreinsatz in dem Krisenland. Seit 2006 waren jeweils bis zu 2 000 Niederländer in der südafghanischen Provinz Urusgan stationiert; 24 Soldaten wurden getötet, rund 140 verletzt.

Bei dem neuen Einsatz sollen der Europäischen Polizeimission (EUPOL) in Kabul 225 Ausbilder zur Verfügung gestellt werden. 165 Militärs würden als Ausbilder der Nato-Mission unterstellt und in der Nordprovinz Kundus stationiert werden. Vor allem dort sollen Bundeswehr-Soldaten für ihre Sicherheit sorgen.

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