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27.10.2012

16:49 Uhr

Unter Protest

EU-Abgeordnete sagen umstrittene Teheran-Reise ab

Umstritten war die Reise der Europa-Abgeordneten in den Iran schon länger. Vermutlich wären sie trotzdem gefahren - hätten nicht einen Tag vor der Abreise zwei iranische Oppositionelle ein Menschenrechtspreis erhalten.

Inhaftierte iranische EU-Menschenrechtspreisträger: Jafar Panahi (l.) und Nasrin Sotoudeh. AFP

Inhaftierte iranische EU-Menschenrechtspreisträger: Jafar Panahi (l.) und Nasrin Sotoudeh.

BrüsselFünf Abgeordnete des Europaparlaments haben eine Reise in den Iran unter Protest abgesagt. Zuvor hatten sie vergeblich verlangt, während des Besuches in Teheran auch zwei vom EU-Parlament besonders ausgezeichnete Oppositionelle treffen zu dürfen. Die finnische Grünen-Abgeordnete Tarja Cronberg, die die Delegation leiten sollte, teilte am Samstag mit, man habe auf die für den gleichen Tag geplante Reise in den Iran verzichtet. Im Vorfeld wurde Kritik an den Parlamentariern laut, sie würden sich instrumentalisieren lassen und das von der EU mit schweren Sanktionen belegte Regime aufwerten.

Die Abgeordneten wollten die inhaftierte Anwältin Nasrin Sotudeh und den Filmemacher Dschafar Panahi treffen. Beide waren am Freitag zu Preisträgern des Sacharow-Preises für Menschenrechte bestimmt worden, den das Europaparlament alljährlich verleiht. Die Parlamentarier wollten die Einladung zur Preisverleihung persönlich überreichen. Cronberg sagte, der iranische Botschafter in Brüssel habe am Samstagvormittag mitgeteilt, er könne nicht garantieren, dass „so kurzfristig“ ein Treffen der Abgeordneten mit Sotudeh und Panahi möglich sein werde.

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„Ich bedaure zutiefst, dass wir keine Erlaubnis bekommen haben, die Preisträger des Sacharow-Preises zu treffen“, heißt es in einer Erklärung Cronbergs vom Samstag. Das EU-Parlament bleibe „dennoch entschlossen, seine Unterstützung für die Zivilgesellschaft des Irans und seine Kontakte mit ihr fortzusetzen“. Zu der Delegation gehörte auch die deutsche Abgeordnete der Linken, Cornelia Ernst.

„Wir sind dagegen, weil diese Vorbedingung unserer Politik widerspricht“, sagte Hossein Sheikholeslam, ein Berater von Parlamentspräsident Ali Laridschani, der iranischen Nachrichtenagentur Fars.

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Ebenfalls für Samstag hat eine Delegation der Deutsch-Iranischen Parlamentariergruppe unter Leitung des Vorsitzenden Bijan Djir-Sarai (FDP) eine Reise in den Iran geplant. Auch hierfür hagelte es Kritik. Unter anderem verurteilte Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden die Pläne. Ausgerechnet jetzt ein Regime zu besuchen, das Israel offen mit der Vernichtung drohe und außerdem die eigene Bevölkerung brutal unterdrücke und Oppositionelle ermorde sei, so Graumann, „ein ganz besonders dreistes Stück der politischen und moralischen Verirrung.“

Die Beziehungen zwischen der EU und dem Iran sind gespannt: Die EU hatte zuletzt Mitte Oktober die Sanktionen gegen den Iran im Konflikt um Teherans Atomprogramm verschärft.

Sotudeh verbüßt eine elfjährige Haftstrafe wegen angeblicher Propaganda gegen die islamische Regierung. Panahi ist zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, befindet sich aber zur Bewährung in Freiheit. Ihm drohen auch 20 Jahre Berufsverbot.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

27.10.2012, 22:09 Uhr

Was haben (hatten) Irak, Libyen, Sudan und der Iran gemeinsam? Sie waren China's größte Öllieferanten bzw. der Iran liefert noch Öl an China.
Der Krieg gegen den Iran dient nur einem Zweck - China weiter vom Öl abzuschneiden um China's Wirtschaftswachstum zu schwächen - bzw. bevorzugt China zu einem militärischen Konflikt zu provozieren.
Wir stehen an der Schwelle zum Dritten Weltkrieg und er ist gewollt.

Account gelöscht!

28.10.2012, 03:50 Uhr

@HotSix
genau das befürchte ich auch!

aber die der Täterschaft bewiesenen,
sitzen in Berlin.

ich habe in einem Videobeitrag zu 9/11 bei den Expolsionen im TWC, auf einem Nachbardach tanzende Männer gesehen, die dann später, als Israelische Geheimdienstler vor Gericht gestellt, freigesprochen worden sind.


Oh Ramses, was hast Du getan?

KassiosDio

28.10.2012, 06:39 Uhr

@izibizi. Grundsätzlich ist der Einfluß einer 'jüdischen' Lobby an der US Amerikanischen- und damit auch in der Weltpolitik nicht von der Hand zu weisen. Nur sollte man, obwohl ein Widerspruch an sich, nicht jeden israelischen Nationalisten die jüdische Religion unterstellen. Nicht zu vergessen, dass lt. jüdischer Presse 80 Prozent der Weltjuden deutschen Migrationshintergrund haben bzw. sich bei jedem fünften Deutschen eine Verbindung zum Judentum nachweisen lässt. Bei den Österreichern ist das Verhältnis weit höher.
Stellt sich also die grundsätzliche Frage, was, außer den deutschen Genen, von einem z.B. israelischen Geheimdienstler bleibt, wenn er nicht jüdisch-religiös ist?

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