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27.09.2011

11:22 Uhr

Unternehmen denken um

Rückkehr zur Drachme kennt auch Gewinner

Quelle:WirtschaftsWoche

Griechenlands Austritt aus der Eurozone wäre ein gravierender Schritt. Jedoch nicht zwingend für alle Firmen. Manche würden von einem solchen Szenario sogar profitieren.

Auf den griechischen Tourismus würde sich die Einführung der Drachme positiv auswirken. dpa

Auf den griechischen Tourismus würde sich die Einführung der Drachme positiv auswirken.

AthenFür einen Manager in einem Krisenland ist Stavros Pagalidis erstaunlich gelassen. „Das Geschäft läuft nicht schlecht, vor allem das Solargeschäft geht so richtig gut“, sagt der Chef von DMG South East Europe, einer Tochtergesellschaft des Maschinen- und Solartechnikherstellers Gildemeister aus Bielefeld. Selbst das Szenario einer Wiedereinführung der Drachme lässt den Manager kalt, dessen Büro unweit des Hafens von Thessaloniki liegt.

Der Grieche in deutschen Diensten glaubt zwar nicht an einen Ausstieg seines Landes aus dem Euro. Falls aber doch, wäre ihm nicht bang. Denn seine hellenischen Kunden sieht er sowohl auf der Gewinner wie auf der Verliererseite – und damit das eigene Geschäft kaum berührt.„Die mit der Abwertung der Drachme einhergehende Verteuerung der Importe würde durch die größeren Exportchancen ausgeglichen“, beschreibt Pagalidis die Situation seiner Abnehmer in Griechenland, „da gäbe es eine neue Balance.“ Die Gelassenheit des Gildemeister-Managers zieht sich, was Griechenland angeht, durch den gesamten deutschen Maschinenbau.

Denn in dem Ägäis-Staat generierten die hiesigen Hersteller im vergangenen Jahr ganze 369 Millionen Euro, das sind 0,3 Prozent ihres Branchenumsatzes. „Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone hätte unmittelbar keine nennenswerten Folgen für uns“, sagt auch Wolfgang Schmitt, Chef des Pumpenherstellers KSB im pfälzischen Frankenthal, der fünf Millionen Euro in Griechenland umsetzt – 0,25 Prozent des Gesamtumsatzes.

Auch für andere Branchen hielten sich die negativen Folgen einer Wiedereinführung der Drachme mit anschließender Abwertung in Grenzen. Schlimmstenfalls einen kleinen zweistelligen Millionenbetrag verspürte dann zum Beispiel der Essener Baukonzern Hochtief in seinen Büchern. Dem Konzern gehören 40 Prozent am Flughafen Athen. Das Flughafengeschäft, zu dem neben Athen auch Anteile an den Airports in Hamburg, Düsseldorf, Sydney und Budapest gehören, will Hochtief sowieso loswerden.

Der Flughafen Athen zählt sowohl beim Service als auch beim Gewinn von knapp 100 Millionen Euro nach Steuern, was einer Marge von 27 Prozent entspricht, zu den besten in Europa. Eine schwache Drachme zwänge Hochtief wohl zu gewissen, vermutlich aber nicht sehr hohen Abschreibungen auf den Wert des Airports.

Auf den griechischen Tourismus würde sich die Einführung der Drachme positiv auswirken. Eine Abwertung brächte in Euro gerechnet eine Verbilligung des Urlaubs in der Ägäis. Griechenland könnte so gegenüber Konkurrenten wie Spanien oder der Türkei kurzfristig punkten. Ob sich das auch für die Reiseveranstalter auszahlt, ist jedoch ungewiss. Wenn Urlauber griechische statt iberische Inseln vorziehen, ist das für die Veranstalter zunächst ein Nullsummenspiel. Anders wäre es, wenn die Abwertung der Drachme einen kräftigen Anstieg der Zahl von Last-Minute-Urlaubern auslösen würde, die neben ihrem Haupturlaub eine zusätzliche Reise buchen.

Kommentare (4)

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27.09.2011, 12:21 Uhr

"2010 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) Waren im Wert von rund 5,9 Milliarden € von Deutschland nach Griechenland exportiert. Zu den Hauptexportgütern im Handel mit Griechenland zählten im vergangenen Jahr Maschinen, Apparate, mechanische Geräte (693 Millionen €), elektrotechnische Erzeugnisse (653 Millionen €) sowie pharmazeutische Erzeugnisse (562 Millionen €)."

Nun liebes Handelsblatt, diese Zahlen sehen schon etwas anders aus, passen aber nicht so ganz zu der Ausrichtung des Artikels, der uns glauben lassen will, der deutsche Mittelstand hat mit Griechenland nicht viel am Hut.

Torsten_Steinberg

27.09.2011, 12:55 Uhr

Wiedereinführung der Drachme kurz- und mittelfristig vielleicht positiv für TUI, ganz übel für die Telekom. Ansonsten halten sich die negativen Auswirkungen wohl in Grenzen. Und wo sind die Gewinner, die in Ihrer Überschrift so großspurig angekündigt werden?

Account gelöscht!

27.09.2011, 13:15 Uhr

Im Herbst 1914 waren die Mächte Europas ungeduldig geworden. Man hatte sich schon so lange mit Worten beflegelt, dass die Hemmschwelle, den Worten auch militärische Taten folgen zu lassen, sank. Ein paar Schüsse würden die Luft schon wieder säubern und spätestens zu Weihnachten würde man wieder zurück sein. Weihnachten war es, aber erst 4 Jahre später. Dazwischen lag Zerstörung.

Die Hemmschwelle, sich in punkto Griechenland auf gefährliche Taten einzulassen, scheint mit jedem Tag zu sinken. Man möge ich nicht mit der Bombe spielen; sie könnte explodieren.

Ein Euro-Austritt hätte u. a. zur Folge, dass die inländischen Finanzvermögen der Griechen über Nacht um 30-40% weniger wert wären. Griechenland ähnelt nach den bisherigen Sparmassnahmen schon einem Tanz auf dem Vulkan. Wenn das jetzt mit einem dramatischen Vermögensverlust ergänzt wird, glaubt dann wirklich noch jemand, dass der soziale Friede und möglicherweise auch die Demokratie unbeschadet erhalten bleiben?

http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/endspiel-um-griechenland.html

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