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02.08.2013

14:47 Uhr

Unterstützung für den Cavaliere

Forza Silvio!

VonKatharina Kort

Berlusconi verurteilt? Die Italiener mögen es kaum glauben. Erst recht nicht in der Mailänder Bar Queen. Dort hat der frühere Regierungschef seine Fans. Der Barista, die Gäste, sie halten zu Berlusconi – komme was wolle.

Silvio Berlusconi ist wegen Steuerhinterziehung schuldig gesprochen worden. Trotzdem stehen einige Landsleute weiter hinter ihm. ap

Silvio Berlusconi ist wegen Steuerhinterziehung schuldig gesprochen worden. Trotzdem stehen einige Landsleute weiter hinter ihm.

MailandSilvio Berlusconi ist verurteilt worden und macht trotzdem politisch weiter. Zeit für einen Espresso in der Bar Queen bei mir um die Ecke, mein ganz persönliches Stimmungsbarometer für die Berlusconi-Fans.

„Lasst ihn ruhig einen Monat absitzen. Dann ist die Welt zufrieden. Darauf sind sie doch alle aus“, sagt der Bar-Besitzer Mario, dessen frisches AC Mailand-Tattoo am Unterarm noch mit Plastikfolie bedeckt ist. AC Mailand ist der Fußball-Verein von Berlusconi und auch politisch finden sich hier viele seiner Anhänger. Mario ist überzeugt, dass die Welt es auf Silvio abgesehen hat und dass sich seine Feinde nur beruhigen, wenn er bestraft wird. Egal, ob schuldig oder nicht. Ein Opfer der Justiz und der Medien.

Auf dem Flachbildschirm an der Wand läuft der Satellitensender Sky. Immer wieder flackert das Bild des Richters über den Schirm, wie er das Urteil verliest, dass Berlusconi zu einer Haftstrafe von vier Jahren verdonnert und das Verbot öffentlicher Ämter dagegen an das Mailänder Berufungsgericht zurückverweist.

In den Augen seiner Anhänger ist er das Opfer der politisierten Justiz.

Kommentar: Berlusconi ist tot, es lebe Berlusconi!

Kommentar

Berlusconi ist tot, es lebe Berlusconi!

In Deutschland wäre es undenkbar: Ein Ex-Ministerpräsident wird rechtskräftig verurteilt und bleibt dennoch Teil des Parlaments. In Italien läuft das anders: Berlusconi ist vielleicht lebendiger denn je.

„Die haben doch keinerlei Beweise gegen ihn in der Hand“, klinkt sich mein Nachbar Giancarlo ins Gespräch ein. „Die wollen doch nur Berlusconi auszuschalten“. Die – das sind die Richter, die Linken und überhaupt alle, die neidisch auf den Erfolg Berlusconis sind.

„Wenn sie entscheiden, dass jemand entsorgt werden soll, dann machen sie es auch“, sagt Marco, ein Vertreter eines Chemie-Unternehmens, der an diesem heißen Freitag an der Theke seine Limonade schlürft. „Vielleicht ist es auch richtig, dass er verurteilt wurde“, räumt er ein. „Aber dann müssten auch viele andere Personen verurteilt werden.“ Dieser Prozess sei einfach zu politisch für seinen Geschmack.

Ist es also gut und richtig, dass Berlusconi weiter machen und seine Bewegung „Forza Italia“ neu gründen will, wie er in seiner Video-Nachricht noch in der Nacht nach dem Urteil den Italienern und der Welt mitgeteilt hat? „Er macht es richtig für sich selbst“, sagt Marco, der vielleicht mal ein Fan war, der aber heute den Glauben an die Politik verloren hat. „Ich habe keine politische Orientierung mehr und glaube keinem mehr“, sagt er. Alles Absprachen innerhalb und unter den Parteien. „Che schifo!“ – Wie eklig!, sagt er.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

03.08.2013, 22:03 Uhr

Berlusconi ist nicht schlechter als seine Vorgänger. Er ist ein Finanzgenie und ein Self-made Milliardär, gegen den alle deutschen Politiker rettungslos in Ignoranz versinken. Er hat als einer der ersten erkannt, dass der Euro nicht funktionieren kann für den Normalbürger, als unsere Mutti noch sagte : fällt der Euro, fällt Europa!

Antjemilano

19.09.2013, 12:26 Uhr

Ich lebe seit über 10 Jahren in Italien und bin sehr enttäuscht, dass auch das Handelsblatt, von dem man ei- gentlich ein anspruchsvolleres Niveau erwarten darf,eine derart oberflächliche,Klischeehafte Berichterstattung über die politische Situation in Italien und über Herrn Berlusconi abliefert,die leider nichts mit der Realität zu tun hat. Informieren Sie Ihre Leser bitte besser!

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