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21.10.2014

12:36 Uhr

Untersuchung von Unicef

Alle fünf Minuten wird weltweit ein Kind getötet

Laut einer Untersuchung des UN-Kinderhilfswerks Unicef wird alle fünf Minuten weltweit ein Kind getötet. Überraschend ist dabei vor allem, in welchen Gebieten die Kinder einen gewaltsamen Tod finden.

Seit dem Jahr 2000 kamen laut Unicef 15.000 Heranwachsende durch Gewaltaten ums Leben. dpa - picture-alliance

Seit dem Jahr 2000 kamen laut Unicef 15.000 Heranwachsende durch Gewaltaten ums Leben.

LondonAlle fünf Minuten stirbt weltweit ein Kind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef einen gewaltsamen Tod. Nur eine Minderheit davon werde in Kriegsgebieten getötet, heißt es in einer am Dienstag vorgestellten Untersuchung der Organisation. Drei von vier Kindern kämen durch Gewalteinwirkung in Ländern zu Tode, in denen Frieden herrsche. Es sei schockierend, dass der Kampf gegen Krankheiten nicht ausreiche, um einen frühen Tod zu verhindern, sagte die Leiterin der Kinderschutzabteilung bei Unicef, Susan Bissell. „Diese Untersuchung zeigt uns, dass wir alle Ursachen für den Tod von Kindern beobachten müssen.“

So sei es zwar gelungen, die Todesrate bei unter Fünfjährigen durch Krankheiten in Brasilien seit 2000 zu senken, sagte Leah Kreitzman von der britischen Unicef-Sektion. Allerdings hätten im gleichen Zeitraum 15.000 Heranwachsende ihr Leben durch Gewaltaten verloren. In vielen Ländern würden Eltern aber Verbrechen an ihren Kindern nicht Behörden anzeigen, weil sie glaubten, dies bleibe ohnehin folgenlos. In Kenia werde etwa eins von drei Mädchen und einer von sechs Jungen Opfer sexueller Gewalt. „Wenn die Leute wissen, dass ihre Taten straffrei bleiben, machen sie mit der Gewalt gegen Kinder weiter“, sagte Kreitzman.

Gewalt an Kindern

Dunkelste Ziffern

500 Millionen bis 1,5 Milliarden Kinder weltweit erleiden jedes Jahr Formen von Gewalt.

Mangelhafte Gesetzeslage

Gewalt gegen Kinder ist nur in 29 von 200 Staaten vollständig verboten, darunter auch in Deutschland. Damit sind weltweit nur rund fünf Prozent der Kinder durch Gesetze geschützt Gewalt an Schulen ist in mehr als 80 Staaten zugelassen.

Gewalt in der Erziehung

In 42 Ländern ist Gewalt als Form der Bestrafung und in 156 Staaten als Strafmaßnahme in Betreuungseinrichtungen erlaubt. In 35 Entwicklungs- und Schwellenländern werden drei von vier Kindern nach Unicef-Untersuchungen gewaltsam bestraft. Nur die Hälfte der Kinder in Entwicklungsländern ist offiziell registriert. Gewalt und Missbrauch an Kindern ohne Papiere wird nirgendwo festgehalten.

Besonders gefährdet: Mädchen

Mädchen sind besonderen Gefahren ausgesetzt. Ehrenmorde, Genitalverstümmelung sowie Zwangs- und Kinderehen sind in Entwicklungsländern weiter verbreitet. Jedes Jahr sterben rund 70.000 Mädchen an den Folgen zu früher Schwangerschaften.

Kinderarbeit und sexuelle Gewalt

Eines von sechs Kindern in den ärmsten Ländern der Welt muss arbeiten, unter anderem in Bordellen und Kohleminen. Nach Schätzungen des Europarats wird eines von fünf Kindern in Europa Opfer sexueller Gewalt.

Schatten in Deutschland

Nach Schätzungen des Deutschen Kinderschutzbundes erziehen rund 13 Prozent der Eltern in Deutschland auch mit Gewalt. Nach Angaben des Bundeskriminalamts für das Jahr 2010 wurden in Deutschland 183 Kinder Opfer von Totschlag, Körperverletzung mit Todesfolge oder sie starben, weil die Aufsichtspflicht grob vernachlässigt wurde.

Besonders schlimm sei die Lage der Kinder in Kriegsgebieten. Dort, wo Mädchen und Jungen nicht viel wert seien oder wo Straffreiheit und Gesetzlosigkeit herrschten, werde die Lage für Kinder noch viel schlimmer, wenn ein bewaffneter Konflikt ausbreche, sagte Bissell. Schulbildung kann ihren Worten nach vielen Kindern helfen. Der Schulbesuch vermittle ein Gefühl der Normalität. Zudem gebe der Schulbesuch einen gewissen Schutz vor der Zwangsanwerbung von Kindern in Milizen.

Der Rebellenführer Thomas Lubanga aus dem Kongo habe seine Kindersoldaten beispielsweise in Gegenden ohne Schulen und Gesundheitsversorgung rekrutiert. Allerdings sei auch das Bildungssystem Ziel von Angriffen. In den vergangenen fünf Jahren seien in mindestens 70 Staaten Universitäten und Schulen von Bewaffneten attackiert worden.

Von

rtr

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