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08.01.2010

11:47 Uhr

Untersuchungsbericht

Ruandas Präsident von eigenen Leuten ermordet

Der Genozid in Ruanda wurde offenbar durch radikale Hutus ausgelöst: Abtrünnige Soldaten der eigenen Truppen töteten laut eines Untersuchungsberichts den Präsidenten des Zentralafrikanischen Landes. In den folgenden Auseinandersetzungen starben mehr als 800 000 Menschen.

Überlebende betrachten Knochen Getöteter: Mehr als 800.000 Menschen starben in Ruanda. ap

Überlebende betrachten Knochen Getöteter: Mehr als 800.000 Menschen starben in Ruanda.

HB PARIS. Knapp 16 Jahre nach der Ermordung des ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana und dem darauf folgenden Völkermord mit mehr als 800 000 Toten macht eine Kommission radikale Hutus für den damaligen Anschlag verantwortlich. Nach einem Bericht der Pariser Zeitung „Libération“ kommt eine ruandische Untersuchungskommission zu dem Schluss, dass Habyarimanas Flugzeug von abtrünnigen Soldaten seiner eigenen Truppen abgeschossen wurde. Die Kommission stütze sich auf ballistische Analysen und die Anhörung von 557 Zeugen.

Der französische Untersuchungsrichter Jean-Louis Bruguière hatte zunächst die damaligen Rebellen um den heutigen Präsidenten Paul Kagame für den Mordanschlag verantwortlich gemacht. Dies hatte eine diplomatische Verstimmung ausgelöst, die bis zum Abbruch der Beziehungen zwischen Paris und Kigali eskalierte. Frankreich will nun einen neuen Untersuchungsrichter nach Ruanda schicken, um auf der Basis der ruandischen Untersuchung den Fall neu aufzurollen.

Habyarimana gehörte zur herrschenden Bevölkerungsgruppe der Hutu und hatte 1994 eine Aussöhnung mit Kagame und den Rebellen der Bevölkerungsgruppe der Tutsi angestrebt. Dem ruandischen Bericht zufolge hatten radikale Hutus um Théoneste Bogosara den „Verräter“ Habyarimana eliminieren wollen. Der gewaltsame Tod von Präsident Habyarimana hatte schließlich den Genozid mit über 800 000 Toten ausgelöst. Frankreich steht unter Verdacht, damals den Hutus bei dem Massaker an Tutsis und Hutu-Oppositionellen geholfen zu haben.

Frankreich hat erst im November mit Ruanda wieder den Austausch von Botschaftern vereinbart. Außenminister Bernard Kouchner reiste am Donnerstag nach Kigali, um die Normalisierung voranzutreiben. Er wurde zunächst demonstrativ von Protokollchefin Rose Kabuye empfangen, die auf Bruguières Ermittlungen hin Ende 2008 in Deutschland festgenommen und in Frankreich inhaftiert worden war. Statt wegen Völkermords vor Gericht gestellt zu werden, wurde die Vertraute Kagames aber bald danach freigelassen.

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