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03.07.2015

22:05 Uhr

Unterwegs in Athen

Zwischen Demonstranten und Jung-Entrepreneuren

VonGeorgios Kokologiannis

Unser Korrespondent Georgios Kokologiannis ist in Athen und erlebt das Kontrastprogramm im Krisenland hautnah mit: Auf der einen Seite Demonstranten, unweit entfernt eine Get-together-Party für Unternehmensgründer.

Handelsblatt-Reporter Georgios Kokologiannis unterwegs in Athen.

Kolumne

Handelsblatt-Reporter Georgios Kokologiannis unterwegs in Athen.

AthenDer Staat bankrott, das Volk verzweifelt, aber das Pokern geht weiter – mindestens bis Sonntag, wenn die Griechen an die Urnen treten: Unser Autor Georgios Kokologiannis ist nach Athen gereist und sammelt Fakten, Eindrücke und Momente einer Krise, die 2009 begann und inzwischen ganz Europa in Atem hält. In einer Kolumne berichtet er täglich Begebenheiten aus Griechenland.

Heute: Optimistische Jung-Entrepreneure

Keine zweitausend Meter Luftlinie trennen das Technopolis-Gelände geographisch vom Syntagmaplatz in Athen. Ideologisch aber befinden sich die Menschen, die sich an diesen beiden Orten zu zwei Veranstaltungen zusammengefunden haben, Lichtjahre voneinander entfernt.
Am Syntagmaplatz vor dem Parlamentsgebäude demonstrieren an diesem Juniabend Europa- und Euro-Gegner. Sie fordern die Bürger dazu auf, bei der Volksbefragung am kommenden Sonntag mit „Nein“ abzustimmen. Die Anhänger der Organisation „EPAM“ (Vereinte Volksfront) sympathisieren mit der linkspopulistischen Regierungspartei Syriza.
Anders als Syriza sehen die zutiefst patriotischen Anhänger der EPAM-Bewegung die europäische Gemeinschaftswährung jedoch als Hauptgrund der wirtschaftlichen Probleme Griechenlands an. Daher wollen sie raus aus dem Euro - und die Drachme wieder einführen.
Und nicht nur das. „Wir schenken euch eure Fahne und euren Euro“, steht auf einem der Plakate, die mitgebracht worden sind. Am liebsten würden die reaktionären Aktivisten das Griechenland auch gleich aus der Europäischen Union herausführen. Früher war alles besser, so offenbar die Grundüberzeugung der hier Versammelten.

Das verlieren die Euro-Länder, wenn Griechenland pleitegeht

Deutschland

88,7 Milliarden Euro

Frankreich

67,9 Milliarden Euro

Italien

59,2 Milliarden Euro

Spanien

40,5 Milliarden Euro

Niederlande

19,3 Milliarden Euro

Belgien

11,9 Milliarden Euro

Österreich

9,4 Milliarden Euro

Finnland

6 Milliarden Euro

Portugal

4,5 Milliarden Euro

Slowakei

2,9 Milliarden Euro

Irland

2,7 Milliarden Euro

Slowenien

1,6 Milliarden Euro

Quellen

IWF, EU-Kommission, EFSF, ESM, EZB, Bank of Greece, Berechnungen des ifo Instituts.

Eine Art Kontrastprogramm dazu ist an einem der Gebäude auf dem Technopolis zu bestaunen – dem umfunktionierten Gelände eines bereits vor mehr als drei Jahrzehnten stillgelegten Gaswerks der Metropole, das heutzutage teils als Museum, teils als Veranstaltungsort genutzt wird. Dimitris Litsikakis, Leiter des „Startup Grind Athens“ hat zu einer Get-together-Party für Unternehmensgründer eingeladen.
Gekommen sind einige Dutzend gutgelaunte, mehrheitlich studentisch wirkende Griechinnen und Griechen, die vor allem eines teilen: Angesichts der Lage des Landes beeindruckenden Optimismus und Zukunftsglauben. Ich unterhalte mich mit Teilnehmern, die bereits Jung-Entrepreneure sind, andere feilen an sehr konkreten Startup-Ideen - beispielsweise aus dem Bereich des Social-Media. Die beiden Sätze, die ich hier am häufigsten höre: „Klar müssen wir Teil Europas bleiben“ und: „Wir werden die Wirtschaft dieses Landes ändern.“

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