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27.07.2014

15:24 Uhr

Unübersichtliche Lage

Libyen wird zu gescheitertem Staat

Milizen liefern sich in Libyen heftige Kämpfe. Erst verlassen UN-Truppen das Land, nun US-Diplomaten. Beobachter fürchten: Das schlimmste Szenario ist noch längst nicht erreicht.

Bild einer zerstörten Wohnung, nahe des Flughafens von Tripolis. Der Staat Libyen droht zu zerfallen. dpa

Bild einer zerstörten Wohnung, nahe des Flughafens von Tripolis. Der Staat Libyen droht zu zerfallen.

Die nächtliche Militäroperation, um die Mitarbeiter der US-Botschaft in Libyen in Sicherheit zu bringen, dauert etwa fünf Stunden. Bewohner von Tripolis hören in der Nacht zum Samstag Militärmaschinen fliegen und sehen, wie ein langer Fahrzeugkonvoi die Hauptstadt verlässt.

Etwa 150 Menschen werden ins Nachbarland Tunesien gebracht. US-Spezialkräfte, Drohnen, F16-Kampfjets und moderne US-Rotor-Militärflugzeuge vom Typ MV-22 Osprey sichern die Aktion. Laut Pentagon gibt es keine Zwischenfälle. Grund für den Abzug aller Botschaftsangehörigen sind heftige Kämpfe rivalisierender Milizen in Tripolis - auch in unmittelbarer Nähe der Vertretung.

Washington will diesmal kein Risiko eingehen. Denn in Libyen haben die USA erst vor knapp zwei Jahren einen Botschafter auf grausame Art verloren: Im September 2012 wurden der Gesandte Christopher Stevens und drei weitere Diplomaten bei einem terroristischen Überfall auf das Konsulat in der libyschen Hafenstadt Bengasi getötet.

Heftige Kämpfe: USA ziehen Botschaftspersonal aus Libyen ab

Heftige Kämpfe

USA ziehen Botschaftspersonal aus Libyen ab

Die Lage in Libyen wird immer gefährlicher. Wegen der Kämpfe rivalisierender Milizen hauptsächlich um den Flughafen in Tripolis mit dutzenden Toten, verlassen nun auch die Mitarbeiter der US-Botschaft das Land.

Auch das Auswärtige Amt ruft alle Deutschen auf, das Land sofort zu verlassen. Die Lage sei extrem unübersichtlich und unsicher, warnt das Ministerium.

Die derzeitige US-Botschafterin Deborah Jones wendet sich nach ihrer Ausreise über den Kurznachrichtendienst Twitter an die Libyer: „Inshallah“ („So Gott will“), schreibt Jones, „sind wir bald wieder zurück in Tripolis.“ Viele Menschen in Libyen teilen diese Hoffnung allerdings nicht. Sie befürchten, dass aus ihrem Land ein neues Somalia wird und warten mit Sorge darauf, was nun kommt.

Im Moment kämpfen Milizen gegeneinander, die sich im Arabischen Frühling 2011 als sogenannte Revolutionsbrigaden gemeinsam gegen Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi erhoben hatten. Sie eroberten zahlreiche Waffendepots des Diktators - Kriegsgerät, das sie nicht wieder hergeben wollen. Die Regierung versuchte die Gruppen bislang erfolglos in den Sicherheitsapparat einzubinden.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

28.07.2014, 19:59 Uhr

Falsche Überschrift! Unsere Politiker sollen versagt haben? In Lybien herrscht jetzt Demokratie!

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