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11.04.2006

21:23 Uhr

Urananreicherung

Iran erklärt sich zum „Nuklearstaat“

Ungeachtet internationaler Kritik hat der Iran sein Atomprogramm einen entscheidenden Schritt vorangetrieben: Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte am Dienstagabend in einer Fernsehansprache, iranische Wissenschaftler hätten am Sonntag erstmals erfolgreich Uran für die Herstellung von Kernbrennstoff angereichert.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte am Dienstagabend in einer Fernsehansprache sein Land zur "Atommacht". Archivfoto: dpa Quelle: dpa

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte am Dienstagabend in einer Fernsehansprache sein Land zur "Atommacht". Archivfoto: dpa

HB TEHERAN. „Ich erkläre förmlich, dass der Iran dem Klub der Nuklearstaaten beigetreten ist“, sagte Ahmadinedschad vor hochrangigen Militärkommandeuren und Klerikern in der Heiligen Stadt Maschad.

Zugleich kündigte der iranische Präsident an, der Iran wolle sein Nuklearprogramm unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und gemäß den Regeln des Atomwaffensperrvertrags betreiben. „Unsere Nation bezieht ihre Stärke nicht aus Atomwaffenarsenalen“, betonte Ahmadinedschad.

Die Urananreicherung kann der Herstellung von Kernbrennstoff, aber auch von atomwaffentauglichem Material dienen. Dazu wird das Gas Uranhexafluorid in Zentrifugen eingespeist, in denen das spaltbare Uran U-235 von dem nicht spaltbaren Isotop U-238 getrennt wird. Um ausreichende Mengen Uran für den Betrieb eines Kernkraftwerks oder den Bau einer Atombombe anzureichern, wären mehrere tausend Zentrifugen erforderlich.

Nach Angaben von Expräsident Haschemi Rafsandschani erfolgte die Urananreicherung am Sonntag mit einer Einheit von 164 Zentrifugen. Dies ist der erste Schritt für eine Produktion in größerem Umfang. Bis zum Jahresende sollten 3.000 Zentrifugen im Einsatz sein, kündigte Rafsandschani, der dem einflussreichen Rat der Sittenwächter vorsteht, in einem Interview der kuwaitischen Nachrichtenagentur KUNA an.

Der UN-Sicherheitsrat hat den Iran am 29. März aufgefordert, die Arbeiten zur Urananreicherung bis spätestens 28. April einzustellen. Noch in dieser Woche wird der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohamed ElBaradei, in Teheran erwartet. „Wenn ElBaradei im Iran eintrifft, wird er neue Voraussetzungen vorfinden“, sagte Rafsandschani.

Die USA haben die Erfolge des Irans bei der industriellen Anreicherung von Uran als „Schritt in die falsche Richtung“ kritisiert. Die Entwicklung unterstreiche die Sorgen der der internationalen Gemeinschaft über die Nuklearambitionen des Irans, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, am Dienstag im US-Bundesstaat Missouri, wo er US-Präsident George W. Bush begleitet.

Der Iran habe eine lange Zeit seine Nuklearforschung vor der Welt geheim gehalten und weigere sich, internationalen Verpflichtungen nachzukommen, so der Bush-Sprecher. „Trotzige Stellungnahmen und Aktionen isolieren das Regime nur noch weiter vom Rest der Welt.“ Teheran müsse international Vertrauen bilden, gehe aber weiter in die falsche Richtung.

Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, erklärte, die jüngsten Äußerungen aus Teheran zeigten, „dass sie nicht darauf hören, was der Sicherheitsrat gesagt hat“.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte: „Es besteht offenkundig Besorgnis über den Iran.“ Zu den jüngsten Verlautbarungen der iranischen Regierung wolle er aber zunächst Experten befragen. „Die Vereinigten Staaten von Amerika sind auf einem diplomatischen Kurs“, sagte Rumsfeld vor Journalisten in Washington. Auf Spekulationen über einen US-Militärschlag gegen den Iran werde er sich nicht einlassen.

Das britische Außenministerium erklärte in einer ersten Reaktion: „Die jüngste iranische Erklärung ist nicht besonders hilfreich.“

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