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28.06.2015

01:42 Uhr

Urlaub im Krisenzentrum

„Die Kreditkartenmaschine funktioniert nicht“

VonThomas Jahn

Wie sich eine Griechenlandreise im Handumdrehen veränderte. Ein unfreiwilliger Bericht von unserem Korrespondenten, der sonst eigentlich aus Amerika berichtet.

Touristen besuchen am Donnerstag die Akropolis. Auch für sie wird es schwerer an Bargeld zu kommen. Kreditkarten werden teilweise nicht mehr genommen. dpa

Touristen auf der Akropolis

Touristen besuchen am Donnerstag die Akropolis. Auch für sie wird es schwerer an Bargeld zu kommen. Kreditkarten werden teilweise nicht mehr genommen.

AthenDie Reiseführerin fängt zu Weinen an. Wenn es einen Moment gibt, in dem unsere Kinder begreifen, dass etwas nicht stimmt, dann ist es dieser. Wir stehen vor dem berühmten Tempel Poseidons am Kap Sounion, 70 Kilometer südlich von Athen. Dort lauschten wir der Frau, wie sie amerikanischen Studenten ein Gedicht von Lord Byron über den Gottestempel vorliest. „Das passt auch zur Situation des Landes“, sagt sie und fängt an zu lesen.

„I dreamed that Greece might still be free; For standing on the Persians grave, I could not deem myself a slave.“ Dann versagt ihr die Stimmt, die Tränen kommen. Auch heute würde Griechenland wieder unfrei sein. „Aber wir werden das schaffen, irgendwie“, sagt die Griechin im perfekten Englisch.

Nach Athen fahren wir mit der S-Bahn zurück. Auf dem Weg zur Haltestelle kommen wir an einer Bank vorbei, eine lange Schlange steht vor dem Geldautomaten. Endstation Syntagma-Platz. Wir steigen aus und gehen am Parlament vorbei. Dort stehen wie immer Touristen und warten auf den Wachwechsel. Oder warten sie gar nicht auf die Elitesoldaten? Denn das Gebäude ist um 21 Uhr am Samstagabend hell beleuchtet. Auf der Terrasse stehen Schlipsträger mit Zigarette im Mund und Handy am Ohr. Das Parlament tagt.

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Jetzt will ich aber wissen, was los ist. Der Schwur, nichts vom Tagesgeschehen mitbekommen zu wollen und schon gar keine E-Mails von der Arbeit zu lesen, wird gebrochen. Schon bald wird klar, warum überall Griechen die neue Abendausgabe von den Kiosken holen. Die Verhandlungen sind zusammengebrochen! Keine Hilfszahlungen mehr! Da tröstet das Versprechen von Premierminister Alexis Tsipras wenig, die Banken offen halten zu wollen.

Der Anruf von der Schwiegermutter vor einer Woche kommt mir in den Sinn: „Nehmt Bargeld mit!“ Das haben wir natürlich nicht getan. Am Flughafen zog ich vor ein paar Tagen ohne Probleme 1000 Euro. Am nächsten Tag rufen wir die Schwiegermutter an. Ich flüstere meiner Tochter ins Ohr: „Sag Oma, dass wir Geld bekommen haben“. Fröhlich kräht die Kleine: „Wir haben Geld!“ Oh ja, höre ich als Antwort durch die Ohrmuschel des Handys.

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