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14.11.2015

13:44 Uhr

Urlaubsort Belek wird zur Festung

G20 in Zeiten des Terrors

Terror in Paris, Sorgen in Belek: Für den G20-Gipfel hat die türkische Regierung einen kilometerlangen Küstenstreifen abgeriegelt und zur Festung ausgebaut. Sogar gelieferte Pizza wird durchleuchtet.

Vor dem G20-Gipfel in der Türkei werden nun die Sicherheitschecks verstärkt. ap

Recep Tayyip Erdogan

Vor dem G20-Gipfel in der Türkei werden nun die Sicherheitschecks verstärkt.

BelekAngela Merkel erscheint riesengroß und mit ernster Miene auf der Leinwand. Der Auftritt der Kanzlerin, die in Berlin zur Anschlagserie von Paris spricht, wird direkt nach Belek übertragen. Dort wird Merkel am Sonntag zum G20-Gipfel erwartet, der unter dem Eindruck des Terrors in Frankreich stehen wird. Die Türkei selber ist in den vergangenen Monaten von schweren Anschlägen erschüttert worden. Schon vor Paris hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan das Thema Terrorismus auf die Gipfel-Agenda gesetzt. Unbedingt vermieden werden soll, dass das Treffen selbst zum Angriffsziel wird. 12 000 Sicherheitskräfte sind deswegen im Einsatz.

Türkische Polizisten sind bekannt - oder berüchtigt - für ihr rigides Vorgehen gegen regierungskritische Demonstranten. Beim G20-Gipfel im Urlaubsort Belek bei Antalya lächeln sie dagegen, sie sind zuvorkommend und ausgesucht freundlich. An der türkischen Riviera will Erdogan sein Land - und natürlich sich selbst - vor den Mächtigen der Welt in einem angenehmen Licht präsentieren. Dafür ist der G20-Gipfel eine einzigartige Chance. Zu Zwischenfällen soll es auf keinen Fall kommen, erst recht nicht zu gewaltsamen.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Die Sicherheitslage in der Türkei hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Das Auswärtige Amt weist Reisende darauf hin, dass landesweit mit „der Möglichkeit von gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen zu rechnen“ ist.

Rechnerisch kommt auf fast jeden der 13 000 Teilnehmer des Gipfels am Sonntag und Montag ein Schutzmann. Belek ist zur Festung ausgebaut worden. Auf dem Meer patrouilliert die Küstenwache, die Behörden haben Hunderte neue Überwachungskameras angebracht.

Einen kilometerlangen Küstenabschnitt haben die Türken bis weit ins Land hinein zur Hochsicherheitszone erklärt und mit Absperrgittern abgeriegelt. Die Luxus-Resorts in dem Bereich - die ihre Zimmerpreise vervielfacht haben - sind zu Delegationshotels und Tagungsorten geworden. Touristen sind hier keine mehr.

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