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18.08.2012

11:44 Uhr

Urteil gegen Pussy Riot

Entsetzen hier, Zustimmung da

Zwei Jahre Haft wegen „Rowdytums aus religiös motiviertem Hass“ - das Urteil gegen Pussy Riot löst weltweit Empörung aus. Die Mehrheit der Russen dagegen ist auf der Seite der Richter – mit prominenten Ausnahmen.

Diskussion um Pussy Riot geht weiter

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Moskau/Brüssel/Washington/BerlinEntsetzen über ein „politisches Urteil“ in Moskau: Drei Mitglieder des Kunstkollektivs Pussy Riot müssen zwei Jahre in Haft. Weltweit wird Freiheit für die Gegnerinnen von Kremlchef Putin gefordert.

Die Haftstrafen für drei Mitglieder der kremlkritischen Punkband Pussy Riot sind weltweit auf Empörung und Kritik gestoßen. Rund um den Globus protestierten Anhänger der jungen Frauen in zahlreichen Großstädten gegen den Schuldspruch wegen Rowdytums aus religiösem Hass. In Russland verurteilten die Opposition, Bürgerrechtler und regierungskritische Medien die Strafen - jeweils zwei Jahre Lagerhaft - scharf.

Nadeschda Tolokonnikowa (22), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (30) hatten am 21. Februar mit einem Punkgebet in der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche gegen die Rückkehr Wladimir Putins in den Kreml protestiert. Sie sitzen seit fast einem halben Jahr in Untersuchungshaft.

Die Künstlerinnen hätten die Gefühle der Gläubigen absichtlich beleidigen wollen, sagte Richterin Marina Syrowa in ihrer fast dreistündigen Urteilsverkündung. Einen politischen Hintergrund, wie ihn die Frauen betont hatten, wies sie zurück.

Das Urteil zeige, dass Staat und Kirche in Russland endgültig miteinander verflochten seien, kommentierte die Zeitung „Nowaja Gaseta“ im Internet. Das Onlineportal newsru.com schrieb in Anlehnung an die mittelalterlichen Hexenprozesse: „Moskau, 21. Jahrhundert: Zwei Jahre für einen "satanischen Veitstanz".“

Der Schuldspruch sei „unverhältnismäßig hart“, ließ Angela Merkel (CDU) mitteilen. Die Bundeskanzlerin erklärte, sie habe den Prozess „mit Besorgnis“ verfolgt. Das Urteil von zwei Jahren Straflager stehe „nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, zu denen sich Russland unter anderem als Mitglied des Europarates bekannt hat. Eine lebendige Zivilgesellschaft und politisch aktive Bürger sind eine notwendige Voraussetzung und keine Bedrohung für Russlands Modernisierung“, betonte Merkel.

Hartes Urteil gegen Putin-kritische Musiker: Zwei Jahre Straflager für Pussy Riot

Hartes Urteil gegen Putin-kritische Musiker

Hunderte Pussy Riot-Anhänger im Anmarsch

Vor dem Urteilsspruch gegen Pussy Riot riegelt die Moskauer Polizei das Gericht ab.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle kritisierte die Entscheidung des Gerichts. „Zwei Jahre Haft für politischen Protest und ein Punk-Gebet in einer Kirche - diese Strafe ist zu hart“, schrieb Westerwelle in einem Beitrag für die „Bild“-Zeitung. „Viele fragen: Urteilt so ein Rechtsstaat? Ich verstehe alle, die Zweifel haben.“

US-Präsident Barack Obama zeigte sich alarmiert. „Die Vereinigten Staaten sind über das Urteil enttäuscht, einschließlich der unverhältnismäßigen Strafen, die erteilt wurden“, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Auch wenn das Verhalten der Punk-Rockerinnen für einige Menschen einer Beleidigung gleichkomme, habe die US-Regierung „ernsthafte Bedenken wegen der Art und Weise, mit der diese jungen Frauen von dem russischen Justizsystem behandelt worden sind“.

Kommentare (49)

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Rechner

18.08.2012, 05:25 Uhr

O-Ton Schwätzer Welle
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Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) fand deutliche Worte für die Verurteilung der russischen Punk-Band Pussy Riot. "Zwei Jahre Haft für politischen Protest und ein Punk-Gebet in einer Kirche - diese Strafe ist zu hart", schrieb Westerwelle in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung (Onlineausgabe). "Viele fragen: Urteilt so ein Rechtsstaat? Ich verstehe alle, die Zweifel haben."
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Diesem Herrn würde es besser anstehen sich 'mal über Horst Mahler Gedanken zu machen, der wegen falschem Winkel beim Armheben und "Leugnung" zu einer Gesamtstrafe von 11 Jahren verurteilt wurde.

So geht das BRD-Regime mit Dissidenten um.

Außer dem Wort "Heuchelei" fällt mir zu den Äußerungen des Äußerungsministers jedenfalls nichts ein.

popp_music

18.08.2012, 05:27 Uhr

die ladies wollten berühmt werden.
nun sind sie es.

beobachter

18.08.2012, 05:34 Uhr

Dass Westerwelle Dünnsinn redet, leider auch im Amt des Bundesaußenministers, darüber besteht weltweit inzwischen keinerlei Zweifel mehr.

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