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20.08.2012

03:56 Uhr

Urteil in China

Hohe Sicherheitsvorkehrungen im Prozess um Bo

Geht es nur um einen Mordprozess oder steckt viel mehr dahinter? Das Verfahren gegen die Frau des gestürzten chinesischen Polit-Stars Bo Xilai wirft viele Fragen auf. Am Montag soll das Urteil im Mordprozess fallen.

Ein Polizist vor dem Gericht in Hefei. Reuters

Ein Polizist vor dem Gericht in Hefei.

PekingWenige Stunden vor der Urteilsverkündung gegen die wegen Mordes angeklagte Ehefrau des entmachteten chinesischen Politikers Bo Xilai sind die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt Hefei verstärkt worden. An beiden Seiten des Gerichtsgebäudes parkten mindestens ein halbes Dutzend Fahrzeuge des Sondereinsatzkommandos, die Straße vor dem Gericht wurde abgeriegelt. Polizisten umstellten das Gebäude, in dem voraussichtlich gegen 5.00 Uhr (deutsche Zeit) das Urteil fällt.

Gu Kailai und ein als Komplize mitbeschuldigter Hausangestellter sollen den britischen Geschäftsmann Neil Heywood getötet haben. Laut staatlichen Medienberichten haben sie das Verbrechen bereits gestanden. Hintergrund soll ein Streit um Geld gewesen sein. Gu droht die Todesstrafe.

Der Anwalt der Familie Heywoods, He Zhengsheng, sagte: "Wir warten auf das Urteil des Gerichts. Wir respektieren die Entscheidung des Gerichts...Ich denke, das Urteil wird fair und gerecht ausfallen.".

Der Polit-Krimi um den gestürzten Spitzenpolitiker Bo Xilai und seine angeklagte Frau Gu Kailai hätte für Chinas Führung zu kaum einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können. Eigentlich wollte die KP sich in Ruhe auf den im Herbst geplanten Parteitag vorbereiten und dort einen sanften Generationswechsel vollziehen. Bo Xilai spielte dabei eine wichtige Rolle: Der 63 Jahre alte „Prinzling“ war einer der Favoriten, um in das höchste Machtgremium - den Ständigen Ausschuss des Politbüros - aufzurücken.

Die Affäre rund um den Giftmord an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood brachte Bo jedoch zu Fall und stürzte die chinesische Parteiführung in ihre schwerste Krise seit mehr als zwei Jahrzehnten. Welche Rolle hat Bo Xilai aber genau gespielt? Seit seiner Absetzung als Parteichef der Stadt Chongqing und seinem Ausschluss aus dem Politbüro schießen Spekulationen ins Kraut.

Chronologie: Politkrimi in China

März 2012

Das Zentralkomitee setzt Bo Xilai, den Parteichef der 30-Millionen-Metropole Chongqing, wegen Korruptionsverdachts ab. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines Skandals um den früheren Polizeichef Wang Lijun. Der „Super-Bulle“ war Anfang Februar in das amerikanische Konsulat in Chengdu geflüchtet und begab sich danach in die Obhut der Pekinger Zentralregierung. Angeblich soll er um sein Leben gefürchtet und Asyl gesucht haben. Nach unbestätigten Berichten soll Wang Lijun Belastungsmaterial gegen seinen früheren Chef Bo Xilai haben. Das 63-jährige Politbüromitglied sollte eigentlich im Herbst in das höchste Machtgremium der kommunistischen Partei - den ständigen Ausschuss des Politbüros - aufrücken.

April 2012

Die Ermittlungen um Bo Xilai werden ausgeweitet. Der mysteriöse Tod eines britischen Unternehmensberaters mit engen Beziehungen zu Bos Familie löst neue Verdächtigungen aus. Der 41-jährige Neil Heywood wurde im November 2011 tot in seinem Hotelzimmer in Chongqing gefunden. Die Polizei attestierte „übermäßigen Alkoholkonsum“ und äscherte ihn ohne Autopsie ein.

11. April 2012

Bos Frau Gu Kailai wird unter dem dringenden Verdacht des Mordes an dem Briten festgenommen. Bo Xilai wird aus dem Politbüro entfernt und von allen seinen Parteiämtern entbunden. Angeblich hatte bereits Ex-Polizeichef Wang Lijun den Mordverdacht im Falle des Briten geäußert.

09. August 2012

Gu Kailai und einem Hausangestellten werden in der ostchinesischen Stadt Hefei der Prozess gemacht. Ihnen wird vorgeworfen, Heywood vergiftet zu haben. Hintergrund der Tat soll ein Streit um Geld gewesen sein. Die 53 Jahre alte Anwältin habe ihren Sohn Bo Guagua vor dem Briten schützen wollen. Medien berichten, Gu Kailai habe den Mord zugegeben. Ihr droht die Todesstrafe.

10. August 2012

Vier ranghohe Polizeioffiziere müssen sich wegen Rechtsbeugung und Begünstigung vor Gericht verantworten. Sie sollen dabei geholfen haben, die Ermordung Heywoods zu vertuschen.

Bos Sturz war vor allem ein schwerer Schlag für die „neue Linke“ in der Kommunistischen Partei. Wegen seiner „roten“ Kampagne und seiner neo-maoistischen Linie war er zur Galionsfigur der linkskonservativen Kräfte geworden. Mit seiner Hilfe hofften sie, ihren Einfluss auszuweiten und sich gegen den marktorientierten Kurs der Reformer stemmen zu können. Nicht jedem in Peking gefiel das.

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Die englischsprachige Zeitung „Global Times“ schrieb, Bos Fall sei die Folge seines „überhöhten Drangs nach Einfluss“. Seine guten Beziehungen zu anderen „Prinzlingen„, wie die Kinder von Chinas Parteihelden genannt werden, und zu mehreren Generälen ließen Gerüchte aufkommen, um Bo habe sich eine linke Parteifraktion geformt, die nach mehr Macht strebe.

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