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29.09.2016

09:44 Uhr

US-Artikel über Frauke Petry

„Adolfina mit Kurzhaar-Frisur“

Quelle:Meedia.de

Das renommierte US-Magazin „The New Yorker“ erklärt seinen Lesern das Phänomen AfD. Ein Historiker hat dafür Frauke Petry einen Monat lang begleitet. Dabei hat er Parallelen zu Donald Trump festgestellt.

Die AfD-Chef werde von ihren Gegnern „Adolfina“ oder „die Führerin“ genannt, schreibt das US-Magazin „The New Yorker“. AP

Frauke Petry

Die AfD-Chef werde von ihren Gegnern „Adolfina“ oder „die Führerin“ genannt, schreibt das US-Magazin „The New Yorker“.

New YorkDas renommierte US-Magazin „The New Yorker“ widmet der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry eine lange Story in der aktuellen Ausgabe. Der Autor und Historiker Thomas Meaney hat die Politikerin dafür einen Monat lang begleitet und erklärt den Amerikanern in dem Text die AfD, das „erfolgreichste Rechts-Außen-Phänomen in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg“.

Frauke Petry würde von ihren Gegnern „Adolfina“ genannt oder „die Führerin“. Meaney beschreibt Petry in dem Text als 42-Jährige mit Kurzhaarfrisur und schlankem, athletischen Körperbau. Er begleitete die AfD-Vorsitzende auf Vorträge, Hintergrundgespräche, Parteiveranstaltungen und war sogar mit ihr schwimmen. Für die New Yorker-Story ließ sich Petry in einer eigenen Foto-Session ablichten.

Obwohl Petrys Stil in vielen Punkten genau das Gegenteil von Donald Trump sei, macht Meaney auch Gemeinsamkeiten bei beiden Politikern aus. Wie Trump sei Petry spät in die Politik gekommen und pflege ihren Status als Außenseiterin. Wie Trump würde sie rechte Verschwörungstheorien anfachen, um ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu beschwören.

Wie die Parteien mit der AfD umgehen

CDU und CSU

Als Spezialproblem der Union wird die AfD ausdrücklich nicht betrachtet. Aus Sicht von Kanzlerin Angela Merkel ist dem Protest die Spitze zu nehmen, indem man Probleme anspricht und zu lösen versucht. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) beharrt darauf, die AfD zu ignorieren. Die CSU fährt einen eigenen Kurs. Mit scharfer Kritik an Merkels Kurs versucht Parteichef Horst Seehofer, eine dauerhafte AfD-Etablierung rechts von der Union zu verhindern.

SPD

Die SPD fordert, der Verfassungsschutz müsse die AfD beobachten. Als schräg empfanden es viele, dass in Mainz SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer sich einem TV-Duell mit der AfD verweigerte - ihr SPD-Landeschef ging dann hin. Die AfD könnte auch der SPD kleinbürgerliche Anhänger abjagen, die denken, der Staat kümmere sich nur noch um Flüchtlinge. So fordert Parteichef Sigmar Gabriel ein Solidarpaket für sozial benachteiligte Bürger.

Grüne

Die Grünen haben die geringsten politischen Schnittmengen mit der AfD und müssen von den etablierten Parteien wohl am wenigsten eine Abwanderung ihrer Wähler befürchten. Korrigiert wurde aber das Nein zu TV-Talkrunden mit der AfD. Die Rechtspopulisten haben laut Grünen-Chefin Simone Peter „eine Wucht erzeugt“, dass man sich mit der Partei „an einen Tisch setzen“ müsse.

Linke

Die Linke setzt auf klare Abgrenzung zur AfD. Durch die leichten Zugewinne bei den Kommunalwahlen in Hessen sieht sie diesen Kurs bestätigt. Union und SPD wirft die Linke dagegen vor, als Reaktion auf die AfD-Erfolge nach rechts zu driften. „Wir können durchaus von einer Polarisierung nach rechts reden“, sagt Parteichef Bernd Riexinger.

FDP

FDP-Chef Christian Lindner wollte die AfD lange ignorieren. Doch spätestens nach den Silvester-Übergriffen überwiegend ausländischer Täter auf Frauen in Köln und Hamburg, die auch die bürgerliche Mitte verunsicherten, war dieser Kurs nicht durchzuhalten. Lindner sieht die AfD aber nicht als direkte Konkurrenz: „Die Freien Demokraten sind unter allen Parteien der schärfste Kontrast zur AfD“.

Noch eine Gemeinsamkeit zwischen Trump und Petry, die der Autor des New Yorker ausmacht: Wie der US-Milliardär schaffe es Petry, die Nachrichten zu dominieren: „Das geht soweit, dass man es einem Besucher, der in Deutschland Radio hört oder Zeitung liest, nicht übelnehmen kann wenn er denkt, dass die AfD die Partei an der Macht ist.“

Interessant ist, wie der New Yorker aus US-amerikanischer Sicht den Aufstieg der AfD bewertet. Zwar seien populistische Parteien überall in Europa stark und in Ungarn und Polen sogar an der Regierung. Eine Rechtsaußen-Bewegung in Deutschland sei aber besonders alarmierend. Einmal wegen der Geschichte Deutschlands und wegen der dominanten Stellung Deutschlands in Europa.

In dem Text geht es noch um weit mehr als nur Frauke Petry. Der Autor hat auch das Lageso in Berlin besucht, ist mit der Pegida mitgelaufen, hat mit Flüchtlingen gesprochen, mit Petrys Parteifreunden, Vertretern anderer Parteien und ihrem ehemaligen AfD-Rivalen Bernd Lucke. Es ist eine umfassende Bestandsaufnahme des Phänomens AfD.

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