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23.12.2016

09:20 Uhr

US-Atomarsenal

Der nukleare Weihnachtsgruß des Donald Trump

VonAxel Postinett

Kurzschlussreaktion oder dramatischer Wechsel in der US-Nuklearpolitik? Donald Trump fordert auf Twitter mehr Atomwaffen – und löst blankes Entsetzen aus. Die Motivation des designierten US-Präsidenten bleibt unklar.

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San FranciscoNoch im US-Wahlkampf hat Hillary Clinton beinahe prophetisch vor Donald Trumps Verhältnis zu Atomwaffen gewarnt. „Jemand, der sich schon durch einen Tweet provozieren lässt, sollte seine Hände nicht mal in der Nähe der nuklearen Abschusscodes haben“, sagte sie über das erratische Temperament des mittlerweile tatsächlich zum 45. US-Präsidenten gewählten Donald Trump. Doch die Warnung verhallte. Ab dem 20. Januar hat Trump die Finger direkt an den gefährlichsten roten Knöpfen der Welt.  Am Donnerstag gab er einen ersten Vorgeschmack, wie der mächtigste Mann der Welt in spe künftig zum Nuklearwaffenarsenal der USA steht.  Er leitete Weihnachtswoche mit einem beunruhigenden Tweet ein.

Die USA müssten ihre nuklearen Kapazitäten solange massiv ausbauen, verkündete Trump, bis die Welt in Sachen Atomwaffen „wieder zur Vernunft gekommen ist“. Der Zeitpunkt des Tweets erscheint zunächst willkürlich, aber es ist eben ein typisch impulsiver Trump-Tweet, aus der Hüfte geschossen. In diesem Fall kam er wohl als Reaktion auf Russlands Präsident Wladimir Putin. Der hatte wenige Stunden zuvor in ähnlicher Weise davon gesprochen, die nuklearen Kräfte Russlands auszubauen und auf dem neuesten Stand zu halten. Dabei schloss Putin ausdrücklich die Entwicklung von Raketen ein, die alle bekannten Abwehrsysteme überwinden können.

Trotzdem beunruhigt der Stil von Trumps Ankündigung.  Die parteilose gemeinnützige Organisation „Arms Control Association“ sieht einen potenziell gefährlichen Hintergrund: „Wie immer ist es schwer aus 140 Zeichen herauszulesen, was Trump wirklich sagt oder meint“, so die Waffenkontroll-Organisation in einem Statement, wenn es aber bedeutet, Trump will Umfang und Möglichkeiten des bereits überdimensionierten US-Nukleararsenals noch weiter ausbauen, dann wäre es ein radikaler Abschied von der bisherigen politischen Linie (Reduzierung des Atomarsenals in Kooperation mit Russland) und würde das weltweit  Wettrüsten beschleunigen und die Gefahr eines Atomkriegs erhöhen. Tatsächlich sind die USA im Gegenteil derzeit über internationale Abkommen gebunden, Atomwaffen abzurüsten. Will Trump diese aufkündigen?

Andere Beobachter verweisen auf Wahlkampfauftritte, in denen Trump für Japan oder Südkorea Atomwaffen gefordert hat, damit diese Länder sich selbst gegen Aggressoren verteidigen können. Trump will die Rolle der USA als Schutzmacht zurückfahren, um Geld zu sparen. Solche Äußerungen und der aktuelle Tweet seien Wasser auf die Mühlen von Diktatoren wie dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un. Bill Richardson etwa, ehemaliger Uno-Botschafter der USA, hält den Tweet für völlig unangemessen, selbst wenn man die PR-Rhetorik Putins berücksichtige. „Das ist Außenpolitik per Tweet“, erklärte er auf dem Kabelsender MSNBC.

Kommentare (2)

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Herr Bernhard Ramseyer

23.12.2016, 09:49 Uhr

Die Weltmacht und die Superweltmacht wollen bessere Atomwaffen.
Hoffentlich führen sie eventuelle Auseinandersetzungen im Weltraum durch, sonst fliegt Europa die Ukraine noch um die Ohren.

Account gelöscht!

23.12.2016, 10:29 Uhr

Ist doch in Ordnung, dass die ihre Atomwaffen auf den neuesten Stand bringen und halten wollen. Lieber ordnungsemämße Atomwaffen als veraltete.
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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